Pepe

Man fühlt sich an Büne Huber erinnert, wenn man Pepe beim gestrigen CL-Final gesehen hat. Ständiges Schauspielern, Sich-auf-dem-Rasen-wälzen wegen nichts, Rumgeheule, Rumgeflenne. Manche Spieler habe den Fussball zu einem echten Scheisssport gemacht, und Pepe marschiert ganz vorne mit. Wie auch Marcelo (ich erinnere an das Rumgejammere im Viertelfinal gegen Wolfsburg – welch ein Trauerspiel). Interessant, dass diese beiden Schauspieler beim selben Klub engagiert sind.

Auf der anderen Seite gibt es Spiele wie den Europa-League Halbfinal zwischen Liverpool und dem BVB: hochklassiger, emotionaler, sauberer, ehrlicher Fussball. Epische Begegnungen.

Der Fussball ist nicht verloren, aber es stimmt: es haben sich Saumoden eingeschlichen, die unterbunden werden müssen. Da hat Büne nicht unrecht.

Und hier ist er noch im O-Ton:

Fussballpause

Man sollte versuchen, aus Verletzungen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

  • Achillessehnenentzündung: zu Beginn und am Ende eines Lauftrainings immer dehnen, zudem Wippübungen an der Treppe.
  • Kniebeschwerden nach dem Züri Marathon: keine Hin-Zurück-Marathons mehr (Hypothese: die stark abfallende Seestrecke hat das Problem verursacht).

Und jetzt die Sache mit den angerissenen Bändern beim Fussball. Es ist ja nicht das erste Mal, sondern der dritte derartige Unfall innerhalb der letzten 10 Jahre. Die ersten beiden Bänderrisse geschahen im Vereinsfussball, da kann man sagen: übermotivierte Fouls in einem Ernstkampf. Geschenkt. Diese Woche aber geschah es bei einem Plauschkick, es ging um nichts und es war kein bösartiges Foul: Ball verfehlt, Fuss getroffen zum falschen Zeitpunkt, ich konnte die Bewegung nicht mehr korrigieren, weggeknickt, Bänder lädiert. Das zeigt mir: es kann immer passieren, sogar unter Freunden. Muss mir zu denken geben.

Zur Verteidigung des Fussballs muss ich sagen, dass immerhin die Heilungsprognosen präzise sind: dauert immer einige Wochen, und wenn du den Fuss stillhälst, wächst das auch wieder sauber zusammen. Nicht zu vergleichen mit den 6-12 Monaten Pause bei den perfiden Laufverletzungen. Trotzdem werde ich im kommenden Jahr auf Fussball verzichten. Unser Verhältnis hat sich ein wenig abgekühlt. Aber es war eine grossartige Zeit, du hast mich viel gelehrt, und vielleicht, irgendwann… Wir werden sehen.

13/13

Ich sass im Zug von Zürich nach Nyon, als der FC Sion im seinem 13. Cupfinal seinen 13. Sieg errang. Aufgrund meines beschränkten Mobil-Abos musste ich auf die Liveübertragung verzichten und verfolgte das Spiel auf einem forciert-lustigen Liveticker, immerhin wurden die Tore als GIF-Animationen nachgereicht. Was soll ich sagen: der Cup ist nun mal unser Ding, da kann antreten, wer will. Schweizer Meister, Rekordmeister, Weltmeister, egal.

Wie lässt sich diese unfassbare Serie erklären? Wichtige Hinweise liefert El Presidente CC:

Wer am Meer aufwächst und nur schönes Wetter kennt, dem fällt vieles leichter als uns. Wir aber haben Berge, Täler, die Natur meint es nicht nur gut mit uns. Wir müssen mehr kämpfen als andere.

So muss es sein. Wenn wir schon mal heruntersteigen von den Bergen und nach Bern fahren oder Basel zum Cupfinal, dann kämpfen wir diese verwöhnten Strandkicker nieder. Da hat der Papa schon recht.

Hoffenheim, mal wieder

1x pro Jahr muss man die Roten spielen sehen. Fakt. Es bieten sich folgende grenznahen Gegner an: Stuttgart, Freiburg, Hoffenheim. Dieses Jahr war es wieder mal Hoffenheim. Das Samstagabend Spiel. Gipfeltreffen, schon klar.

Beissende Kälte in Hoffenheim, alkoholfreies Bier im Stadion (zumindest Gästesektor), schlechte Stimmung auf den Rängen und nach 30 Minuten 2:0 hinten. Da kann es vorkommen, dass sich eine Frage langsam in deinen Kopf drängt, während sich die Kälte munter durch die Jacke frisst. Diese Frage lautet: was tue ich eigentlich hier? Aber dann: Anschlusstreffer noch vor der Pause (Stindl), Hoffnung zurück und vor dem Wurststand wird bereits über einen möglichen 2:3 Auswärtssieg fabuliert.

Die Einschätzung wird mit dem Ausgleichstreffer in der 55. Minute in eine Gewissheit überführt: heute wird eine magische Nacht, die 500km Anreise haben sich gelohnt, denn an diesem Samstagabend wird Fussballgeschichte geschrieben und wir sind mitten drin. Die Glückseligkeit weilt im H96-Sektor für ziemlich genau 5 Minuten. Dann Doppelschlag durch Hoffenheim (4:2). Zwar bringt uns Stindl in der 85. nochmals ran, so dass unweigerlich die Möglichkeit eines Auswärtsunentschiedens kurz in den Köpfen der H96-Anhänger aufglimmt, doch der Schlusspfiff begräbt dieses zarte Pflänzchen unter einem grossen Wall der Enttäuschung.

Na ja, so ist das Leben, aber immerhin eines der unterhaltsameren Auswärtsspiele, denen ich bisher beigewohnt habe.

Ich hätte gerne applaudiert, aber zu kalt, schnell nach Hause.

BRA – GER: Unfassbar

Immer noch schwer zu glauben, was sich gestern Abend zugetragen hat in Belo Horizonte. Wahrscheinlich die denkwürdigsten 8min Fussball, die ich jemals gesehen habe (23. – 29.). Ein wahres Massaker. Natürlich haben die Brasilianer das nicht verdient, aber sie sind nach dem frühen 1:0 völlig überdreht in ihr Verderben gelaufen. Nach dem 2:0 waren sie zerstört und ihre Gegner kannten keine Gnade.

Aber was bleiben wird in meinem Kopf ist diese Szene, festgehalten in einem Internet-Video: die Nacht bricht herein über einer namenlosen brasiliansischen Stadt. Du siehst einen Mann von vielleicht 40 Jahren, in seinem Brasilien-Shirt mit der Nummer 10. Er schlendert der Strasse entlang und weint leise vor sich hin. Dann stoppt er vor einem Geschäft, klaubt einen Schlüssel aus seiner Tasche, öffnet die Tür, dreht sich kurz um und grüsst, betritt weinend den Laden, die Tür fällt ins Schloss.

Ich weiss nicht wieso diese Szene, aber irgendwie fasst sie alles zusammen. Hoffnungen, Tränen und Türen, die sich schliessen.

Top 50 der Schweizer Fussballer

Dies ist ein alter Eintrag, den ich vor 3 Jahren begonnen habe, aber dann unversehens im Draft Folder sprich Müllhalde gelandet ist. Wie mir auffällt, gibt es dort noch einige Schätze zu heben.

Zurück zum Thema: wir schreiben das Jahr 2010, die WM in Südafrika steht vor der Tür. Der Tagesanzeiger nimmt dies zum Anlass, einen WM-Countdown zu starten: von April bis Juni werden die fünfzig besten Schweizer Fussballer gekürt. Jeden Tag kommt einer hinzu, wie beim Weihnachtskalender, aber umgekehrt, von Platz 50 bis 1. Pünktlich zur WM wird dann der beste Schweizer Fussball aller Zeiten bekannt gegeben wird.

Viel unterhaltsamer als die Liste sind natürlich die Kommentare der Fans.
Stellvertretend Urs-Werner Merkli, Tag 3 des Countdowns:

Leider muss ich nun noch 47 Tage warten bis die Nummer 1, Umberto Barberis, bestätigt worden ist.

Umberto Barberis wurde übrigens auf Rang 16 bestätigt, Nummer 1 war (nicht zu unrecht) Stéphane Chapuisat.

Geheimtipp für die Fussball-WM 2014: Belgien

Heute haben sich die Belgier ohne Niederlage in der Qualifikation das Ticket für die WM in Brasilien gesichert. Seit überraschend viele Belgier in der Liste der 100 besten Fussballer der Welt, welche die Tageszeitung The Guardian anfertigt, aufgetaucht sind (nämlich 4), habe ich mir diese Mannschaft genauer angeschaut und ich muss sagen: starke Truppe haben die beisammen: Hazard, Lukaku, Fellaini, De Bruyne, Vermaelen, Kompany, Dembélé, Courtois, etc. Alle jung und hungrig. Auch einige Routiniers sind dabei (Van Buyten), kann nicht schaden. Die Mannschaft gefällt mir ausgezeichnet. Sie spielt schnörkellos, unerschrocken und erfolgreich. Aus Mut werden grosse Mannschaften gemacht. Ich denke, die können weit kommen.

Heute hat sich im übrigen auch die Schweiz (meines Wissens ebenfalls ohne Niederlage, allerdings in einer schwächeren Gruppe) für die WM qualifiziert. Viel Glück! Und hoffentlich nicht zu früh gegen die Belgier.

Rudi, ohne dich ist alles nichts

Rudi Assauer, legendärer Manager des Fussballclubs Schalke 04, leidet an Alzheimer. Alle wissen es unterdessen, Assauer selber hat seine Krankheit in den Mediendschungel getragen, wo die Nachricht begierig aufgenommen, tausendfach reproduziert und kommentiert wurde.

Im Magazin der Zeit erschien unlängst eine wunderbare Hommage an Assauer, der bekannt war für seine markigen Sprüche und sein machohaftes Gehabe. Einige Anektoten:

  • Er brüllte seine Sekretärin so lange an, bis sie zurückbrüllte. Danach wollte er keine andere mehr. Sie kümmert sich noch heute um ihn.
  • Er war zwei Mal verheiratet, hatte Beziehungen mit Frauen, die viel jünger waren als er und die er drall nannte. Egal wie die Beziehung endete, er sagte danach immer: die Alte war in Ordnung.
  • Im Mai 2001 war er mit Schalke für 4 Minuten und 38 Sekunden Deutscher Meister, bevor Patrik Andersson in der Nachspielzeit den Traum zerstörte und dem FC Bayern München die xte Meisterschaft bescherte. An diesem Nachmittag weinte Rudi Assauer zum ersten Mal in einem Fussballstadion. Trauer konnte er nicht ertragen, deshalb wandelte er sie in Wut um. Er rannte im Stadion umher, ballte die Faust, gestikulierte, schleuderte den Schalke-Anhängern entgegen: Ihr könnt stolz auf eure Mannschaft sein.
  • Dann wieder solche Sätze: Das Wort “mental” gab es zu meiner Zeit als Spieler gar nicht, nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hiess. Oder der: Du siehst die Scheisse immer erst, wenn der Schnee geschmolzen ist.
  • Auf Versammlungen wies er aggressive Fans mit den Worten Du bist ein Arschloch zurecht.

Er war all das, was heutige Fussball-Manager nicht sind: aufbrausend, leidenschaftlich, unverwechselbar, geradlinig, authentisch. Und weil sie solche Menschen lieben im Ruhrpott, haben die Fans ein Plakat gemalt und hochgehalten bei jedem Spiel: Rudi, ohne dich ist alles nichts.