Missing Tagi-Magi

Das erste Mal seit langer Zeit konnte ich eine Ausgabe des Tagi-Magi nicht meiner umfangreichen Sammlung einverleiben, denn: ich habe die Samstagsausgabe des Tagi abonniert, aber letzten Samstag feierten wir den 1.August, also war das Magazin bereits am Freitag im Tagi, doch oje, die Freitagsausgabe wurde nicht ausgeliefert, denn ich habe ein Samstags-Abo und kein Tagi-Magi-Abo.
Natürlich habe ich die Komplettausgabe sogleich im Internet gelesen, doch als Tagi-Magi-Sammler stört es mich ungemein, dass da eine Lücke klafft. Da ich diverse Ausgaben doppelt habe, wäre ich bereit zu tauschen im Verhältnis von bis zu 1:3.

Gurtenfestival 2009 – Donnerstag

Eigentlich wollte ich mich dem Lärm auf dem Berg nur am Samstag aussetzen, doch durch einen glücklichen Zufall hat mir Thomas Reufer im Tausch gegen einen Samstagspass einen 4-Tages-VIP-Pass überlassen (wofür ich ihm an dieser Stelle nochmals recht herzlich danken möchte). Thomas und Chrigu sind die Hoffotografen des Festivals, wer sich von ihrer Kunstfertigkeit überzeugen möchte, kann sich mal unter www.konzertbilder.ch umschauen. Man beachte, dass die Bühnenbilder mit Band auf dem Gurten offenbar exklusiv dem Veranstalter zur Verfügung gestellt werden und deshalb auf den Aufnahmen nur die Fans zu sehen sind, aber dafür gibts einige Luftaufnahmen aus Jimy Hofers Helikopter.
Nun, ich also mit VIP-Pass unterwegs, was mich quasi zu allem berechtigt, wovon ich allerdings keinen Gebrauch mache, denn: auf dem Boden bleiben, nicht gleich übertreiben. Denkbar knapp habe ich es zum Franz Ferdinand Konzert um 23:15 geschafft. Wer sie nicht kennt: Franz Ferdinand, eine geradezu bezaubernde schottische Band aus Glasgow, Gitarrenmusik, werden dem sogenannten Britpop zugeschrieben. Es wurde berichtet, dass sie eine hervorragende Live-Band sein sollen und wer das behauptet hat, der hat recht. Nicht viel Gequatsche, sondern feine Musik durch die Verstärker strömen lassen. Sympathische Männer, die auch mal auf den Verstärker steigen, dem Drummer zu Hilfe eilen und auf seine Trommeln einschlagen, ekstatisch auf der Bühne toben und selbst dem bemitleidenswertesten Gesangsversuch des Publikums etwas Gutes abgewinnen.
Ein blendendes Konzert einer wunderbaren mitreissenden Band. Das beste, was ich auf dem Berg je gesehen habe. Dies zu überbieten wird am Samstag sogar Razorlight nicht einfach fallen.
Mit dem Ende des Konzert geschah dann, was auf dem Gurten am Ende der Konzerte britischer Bands immer geschieht: es begann zu regnen. Also schnell weiter zur Zeltbühne, wo die norwegische Band Röyksopp elektronische Musik präsentierte. Nicht so mein Ding, aber war auch schön.
Bei leichtem Nieselregen runter vom Bern, Donnerstag war um.

Erinnerungskultur

Thom hat mir vor Jahren eine Collage mit Fotos unserer Ferien in Singapur geschenkt. Obwohl dieses Werk alle Tage meines Lebens in meinem Zimmer steht, wurde ich heute das erste Mal seit langer Zeit seiner Existenz gewahr. Ruhe und eine seltsame Zufriedenheit ergriffen mich.
Ich habe erkannt: Erinnerungen sind wichtig und Fotografien helfen, sie am Leben zu erhalten.
Bisher war ich ein strikter Verfechter fotofreier Ferien. Die Bilder, die im Kopf bleiben, müssen genügen. Ich werde auch in Zukunft in den Ferien keine Fotos schiessen. Aber es ist in Ordnung, wenn es andere tun.

Grösster Triumph in der Geschichte des Brettspiels

Es liegt bereits einige Wochen zurück, aber der Siegesrausch ist noch immer nicht verflogen.
Wir haben World of Warcraft (WoW) gespielt. WoW ist ein sogenanntes Massively Multiplayer Online Game, ein Computerspiel eigentlich, aber es gibt auch eine Brettspielvariante davon. Von diesem Brettspiel soll hier die Rede sein, denn: wir sind analoge Menschen. Online-Spiele interessieren uns nicht.
Es versammelten sich Thom, Matthias, Roger und ich. Matthias und Roger bekämpfen sich häufiger in WoW, meistens geht Matthias aus solchen Duellen als Sieger hervor. Die beiden verfügen über ausgezeichnete Spielkenntnisse und sind ausgewiesene Taktikexperten. Thom und ich dagegen sind weitestgehend unwissend, nur rudimentär mit den Regeln vertraut, ein Mal haben wir gespielt vor mehr als einem Jahr. Das ist alles. Wenigstens schien Thom die wichtigsten Grundregeln nicht vergessen zu haben. Er machte unverhofft den Vorschlag, mit mir zusammenzuspielen, denn man spielt in Teams. Für gewöhnlich betreut ein erfahrener Spieler einen Anfänger, um die Unwissenden nicht gnadenlos untergehen zu lassen, ein Mentorsystem sozusagen. Thom jedoch hatte andere Pläne. Sein Bruder Matthias lenkte jedoch bereitwillig ein, den sicheren Sieg vor Augen.
Ziel des Spiels ist es, einen vorher bestimmten Endgegner in einer finalen Schlacht zu besiegen. Jeder Spieler entwickelt eine Spielfigur und stattet sie mit immer neuen Fähigkeiten aus. Die Spielcharaktere durchlaufen mehrere Entwicklungsstufen (Levels) und erlangen immer ausgeklügeltere Fertigkeiten und Waffen.
Nun, das gesamte Spiel über waren wir in Rücklage, aber nicht völlig chancenlos. Geduldig wurden uns die Regeln immer wieder erläutert, wofür wir dankbar waren. Als wir eher zufällig auf Level 4 aufstiegen und der Endgegner in unmittelbarer Nähe rumspazierte, fassten wir den Entschluss, den Endkampf zu bestreiten. Unsere Gegner wurden von dieser Absicht kalt erwischt, gerieten in Zugzwang und griffen uns überstürzt an. Wie sich herausstellen sollte, war dies der entscheidende Fehler: hätten sie den Endgegner direkt attackiert, sie hätten ihn besiegt und das Spiel gewonnen. Gegen uns aber unterlagen sie in einem zermürbenden Gefecht. So standen wir da und rieben uns die Augen und konnten kaum glauben, unverhofft gegen einen schier übermächtigen Gegner obsiegt zu haben. So muss sich David gefühlt haben, damals, im Valley of Elah.
Das nächste Mal werden wir wieder verlieren, haushoch wahrscheinlich, aber diesen Sieg werden wir lange vor uns hertragen, er wird ins grosse Buch der Brettspielgeschichte eingehen und mit Sicherheit werden wir unseren Enkelkindern noch davon erzählen.

Gödel Escher Bach

Heute habe ich das Buch Gödel Escher Bach von Douglas R. Hofstadter in der Buchhandlung Stauffacher liegen sehen, was mich daran erinnert hat, dass dieses Werk seit ungefähr acht Jahren meine Bibliothek schmückt. Es liegt schwer in meiner Hand. Irgendwann werde ich eine Woche Ferien nehmen und es lesen.
Als ich noch studierte, habe ich es gekauft, nachdem uns ein Professor darauf aufmerksam gemacht hat. Es soll sehr kompliziert sein. Er selber las jede Woche lediglich zehn Seiten, mehr lag nicht drin.
Allerdings haben Nachforschungen ergeben, dass das Buch in Deutschland fünf Monate auf Platz 1 der Bestellerliste stand. Bestellerliste! Das macht mir Mut.

Das Geld den Frauen

Letzte Woche, Artikel im Magazin, These: Frauen können besser mit Geld umgehen als Männer (durchaus nachvollziehbar). Im Artikel wird auf eine geradezu sensationelle Studie hingewiesen: Prof. Renate Schuber von der ETH Zürich hat das Entscheidungsverhalten von Frauen und Männern bei Geldanlagen empirisch untersucht.

In einem Experiment verfügten männliche und weibliche Probanden über gleiches Einkommen, Vermögen und Wissen. Standen die Versuchspersonen vor einer unsicheren Finanzmarktentscheidung, fühlten sich die Männer trotzdem besser informiert als die Frauen. Je mehr Informationen die Männer aber erhielten, desto risikoscheuer wurden sie und verloren sogar ganz das Interesse. Die Frauen waren skeptischer, was das eigene Wissen betrifft, und wünschten sich mehr Informationen, bevor sie sich entschieden. Im Gegensatz dazu zeigten sich Männer ohne objektive Gründe optimistisch. Sogar Gerüchte und Tipps motivierten sie zu hohen Einsätzen: Je irrationaler die Wissensgrundlage, desto sicherer fühlten sie sich. Männer, so das Fazit, bevorzugen Entscheidungssituationen, die Spielcharakter haben und einen Nervenkitzel versprechen, während dieses Gambling-Gen Frauen fehlt.

Ohne Worte.
Oder doch: das überrascht mich nicht. Viele Männer denken nun mal, dass sie furchtbar schlau sind, sehen in Gerüchten ihre Strategie bestätigt und ignorieren gegenteilige Informationen. Testosteron erzeugt Vertrauen und lässt uns irrationale Risiken eingehen. Ziemliches Trauerspiel, wir sollten die Finger davon lassen und die Frauen über das Geld herrschen lassen. Einen Versuch wäre es wert.

Bio-Müesli

Jeden Morgen esse ich mein Müesli. Lange Jahre die Produkte von Migros und Coop. Ich war zufrieden damit. Ich kannte nichts anderes. Bis mir meine Schwester in Davos ein Biofarm-Müesli vorgesetzt hat. Das war an einem sonnigen Morgen im Juli, kurz bevor ich die Berge hoch lief, 21.2 km weit. 2:01:17 habe ich dafür gebraucht. Die Einheimischen haben gesagt: nicht schlecht für einen Unterländer. Dieses Müesli, ich bin mir sicher, hat mir Kraft gespendet. Ich habe weitere schmackhafte Mischungen in den Regalen diverser Bioläden entdeckt. Ansonsten selten dort anzutreffen, so muss ich doch zugestehen: es gibt nirgends bessere Müesli.
Jetzt mal meine Top 3, aber natürlich ständig auf der Suche nach neuem Futter:

  1. Biofarm, gekauft im Egli Bern
  2. Nuss-Cluster-Crunchy, gekauft im Marktladen Tübingen
  3. Knusper-Crunchy Plus, gekauft im Vatter Bern

Die nach Geld schreien

Hasso Plattner in einem Interview mit dem SPIEGEL:

SPIEGEL: Einspruch! Das freie Spiel des Marktes hat doch ganz offensichtlich versagt. Deshalb rufen nun alle Akteure nach Staatshilfe.

Plattner: Und? Die private Verschuldung wird in eine öffentliche ausgetauscht. Das Problem wird nur verschoben. Natürlich brauchen wir akute Finanzhilfen, auch wenn mir nicht ganz einleuchtet, weshalb jetzt ausgerechnet die als Erste Geld vom Staat bekommen sollen, die am schlechtesten gewirtschaftet haben.

Genau das will mir auch nicht einleuchten. Natürlich, all die Arbeitsplätze, lieber jetzt noch Geld reinbuttern, um das drohende soziale Elend zu vermeiden. Aber ist schon komisch: die, die immer am lautesten nach freiem Markt geschrien haben, sind nun dessen erste Opfer geworden. Ob des vielen Geldes die eigenen Spielregeln vergessen. Aber man muss sagen: alle haben mitgemacht, von oben bis unten, und wer nicht weiss, was er da kauft und welche Risiken damit verbunden sind, der soll die Finger davon lassen und sich nicht im nachhinein beklagen, übervorteilt worden zu sein.