Ihre Stadt

Ein schönes Gedicht des deutschen Autors und Satiriker Thomas Gsella:

Zürich
Um einen kalten See gruppiert
Die Häuser protz- bis putzig.
Und wo nur Geld gewaschen wird,
Da sind die Menschen schmutzig.

Doch hier darf stinken, wer gewinnt.
Die Summen sind erklecklich.
Und wo die Köpfe fertig sind,
Geht’s auch Kehlköpfen schrecklich.

Sie schwyzzern wie behindert platt
Und lahm wie abbe Beine.
Und weil sie zu viel Kröten hat,
Ward Zürich selber eine.

 

Jetzt höre ich die Zürcher schon wieder fluchen und schimpfen, rumflennen und böse Emails schreiben.
Abwarten.
Denn natürlich gibt es auch ein schönes Gedicht über Bern:

Bern
Hier gelten Frost und Schleichen mehr
Als Wärme und Geschwindheit.
Hier kommt Ovomaltine her,
Das Signum falscher Kindheit.

Hier hocken der «Weltpostverein»
U. ä. in Alt-Arkaden.
Hier konnte’s deutsche Nazischwein
Im zweiten Wunder baden.

Die Viertel: Muesmatt, Mattenhof …
Dass Gott so was erlaubt hat!
Ist Bern auch müde, ist’s doch doof
Und nicht mal echte Hauptstadt.

 

Das zugehörige Buch heisst Ihre Stadt und muss ausgesprochen unterhaltsam sein. Grossmehrheitlich werden darin deutsche Städte besungen, aber auch einige ausgewählte Weltstädte haben es in den Gedichtband geschafft, wie Paris, London, Zürich und Bern.

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