Ogi und die Berge

Vor einem Jahr kaufte ich eine Jacke im Bächli Sport Outlet in Bern, eine Mammut Eiger Extreme, denn sie sollte mich gegen bittere Kälte, beissenden Wind und strömenden Regen schützen. Das tut sie bis zum heutigen Tag.

Bächli Sport muss mich in ihre Universaldatenbank aufgenommen haben, denn seither liegt in regelmässigen Abständen ein Druckerzeugnis mit dem Namen inspiration in meinem Briefkasten. Thema: Outdoor Sport. Üblicherweise landen solche Dokumente umgehend im Müll, doch dieses Mal, ich weiss nicht warum, vielleicht lag es daran, dass es spät war gestern Abend und die Müdigkeit mich verschonte. Ich blätterte durch das Magazin und entdeckte ein Interview mit Adolf Ogi, ehemaliger Bundesrat und begeisterter Bergsteiger.

Als ich das Gespräch las, da begriff ich, dass Ogi (genau wie ich) ein grosser Fan von Demut ist. Demut wäre wichtig, aber momentan ist sie nicht sehr beliebt. Gier ist wichtiger.

Einige Aussagen von Ogi, Stichwort Berge:

Die Berge waren da, bevor wir kamen, und werden noch da sein, wenn wir wieder weg sind. […] Wenn ich als Bundesrat müde war, ging ich ins Gasterental. Das ist mein Kraftort. Das Tal ist geblieben wie vor 300 oder 400 Jahren. Die Kander schlängelt sich unbegradigt durchs Tal, der Geltibach schiesst direkt aus dem Feld. Die Natur zeigt uns, dass sie stärker ist als wir. Sie führt uns unsere Bedeutungslosigkeit vor Augen. […] Wenn man ein Problem hat, sollte man auf enen Berg steigen, etwas zum Essen mitnehmen, und erst wieder runterkommen, wenn es gelöst ist. Das habe ich auch im Bundesrat vorgeschlagen. Nach 50 Minuten Sitzung auf dem Schilthorn schickte ich die Bundersräte raus. Die Nacht schlich herein, die Lichter gingen an, man sah den Männlichen, die Eiger-Nordwand, den Thunersee. Auf einmal wurden alle zu Lämmchen. Die Natur berührte jeden von uns. So konnten wir das Budget friedlich beschliessen.

Ich sage nicht, dass wir Nichts sind und deshalb nichts Sinnvolles tun sollten im Leben. Ganz im Gegenteil. Aber ich denke, dass sich heute viele Leute viel zu wichtig nehmen.

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