BAR-JUV

Auf und neben dem Platz: Bärte tragen sie alle. Die Barca Anhänger blicken verzweifelt. Die Katalanen stürmen, aber Endstation Chiellini oder dann der Alte im Tor. Juve wankt nicht.

Was mich unverhofft zu diesem Bild bringt:

Wir im Oktober in Lyon. Champions League Hymne verpasst, stattdessen vor dem Stadion mit Essen in der rechten und Getränk in der linken Hand, aber dann reinspaziert und in Rufweite der Legende niedergelassen.

 

Jamie Livingston: Some photos of that day

James Livingston kauft eine Polaroidkamera und macht jeden Tag ein Foto. Vom 31. März 1979 bis zu seinem Tod am 25. Oktober 1997 (er starb viel zu früh, mit 41 Jahren an Krebs).

Ein Freund hat die Bilder digitalisiert; sie sind hier zu finden.

Ein imposantes berührendes Vermächtnis.

Das erste Foto:

Das letzte Foto:

Der Tag meiner Geburt:

Jenseits des K.

In der Samstagsausgabe der Berner Zeitung gibt es im Stellenmarkt-Teil jeweils ein Interview mit einer Person, oft einem ehemaligen Manager, der desillusioniert den Job hinschmiss und jetzt Schulen in peruanischen Bergdörfer baut.

Letzte Ausgabe des Jahres 2016, kein geläuterter Manager diesmal, sondern ein kurzer Rückblick und am Ende ein Zitat des Augustiner-Paters Hermann-Josef Zoche:

Eine Welt, die nur dem kapitalistischen Imperativ gehorcht, ist ein kalter Ort. Erst wenn Qualitäten wie Gemeinsinn, Vertrauen und Liebe dazukommen, lohnt sich die ganze Anstrengung.

Am See

Je mehr man sich in Nyon dem See nähert, desto höher werden die Mauern um die Villen und desto dichter das Netz der Überwachungskameras.

Sie wollen uns draussen halten.

So weit kein Problem, was mich aber wirklich stört: der Fussweg entlang des Sees wird uns von den Reichen verwehrt: um sich ihren privaten Seeanschluss zu sichern, haben sie Zäune errichtet.

Reichtum und Abschottung. Das muss mir aufhören. Denkanstoss.

Maxim Biller geht

Maxim Biller verlässt mit sofortiger Wirkung das Literarische Quartett.

Schade. Sehr schade.

Ohne Zweifel war er der streitbarste, angriffslustigste, scharfzüngigste Kritiker der Runde. Immer auf Krawall gebürstet, unerbittlich, besserwisserisch, an der Grenze zur Arroganz, gerne auch mal den Doppelhänder ausgepackt, aber dank ihm grossartige Literatur entdeckt.

Sein letzte Empfehlung (zu Weihnachten!): der zweite Roman meines Lieblingsreporters des Magazins, Max Küng: Wenn du dein Haus verlässt, beginnt das Unglück.

Biller wird fehlen.

Es droht Langeweile.

POTUS

Für dieses Titelbild wurde DER SPIEGEL harsch kritisiert. Wahrscheinlich von Leuten, die generell gut austeilen, aber weniger gut einstecken können. So wie der POTUS selbst.

Zeichnung von Edel Rodiguez

Hammerstein oder der Eigensinn

Ich mag die Bücher von Hans Magnus Enzensberger, ein kluger Mann, bei der Durchsicht seiner Werke über seine Arbeit Hammerstein oder der Eigensinn gestolpert, seine Annäherung an Kurt von Hammerstein, ein Generaloberst während der Weimarer Republik, der sich Hitler nie gebeugt hat (aber auch keinen aktiven Widerstand leistete). Auf dem Buchrücken wird denn auch mit einem Hammerstein-Zitat die Stossrichtung vorgegeben:

Angst ist keine Weltanschauung.

Hammerstein war ein hellsichtiger General, hat vor der Zeit erkannt, dass Hitler Deutschland in den Abgrund führen wird. Er sah den Angriff gegen Russland voraus, und er erkannte, dass die Wehrmacht im russischen Hinterland untergehen würde. Mit Hitler konnte er überhaupt nichts anfangen. Von einem Attentat auf ebendiesen hielt er trotzdem nicht viel, denn er fürchtete einen deutschen Bürgerkrieg, wenn der legitim gewählte Reichskanzler von der Armeeführung gemeuchelt würde.

Sein Fazit war so erschütternd wie unausweichlich:

Der sehr kluge Generaloberst Freiherr von Hammerstein […] vertrat die Auffassung, dass unbedingt von einem Attentat abgesehen werden werden müsste, da der Deutsche politisch derart wenig begabt sei, dass er die Notwendigkeit nie einsehen werde, wenn er nicht den bitteren Kelch bis zur Neige tränke.

Und so kam es dann auch: der Kelch wurde bis zur Neige getrunken.

Hammerstein galt als ziemlich faul, aber schlau. Dies erklärt auch seine erleuchtende Antwort auf die Frage, wie er seine Offiziere beurteilt:

Ich unterscheide vier Arten. Es gibt kluge, fleissige, dumme und faule Offiziere. Meist treffen zwei Eigenschaften zusammen. Die einen sind klug und fleissig, die müssen in den Generalstab. Die nächsten sind dumm und faul; sie machen in jeder Armee 90% aus und sind für Routineaufgaben geeignet. Wer klug ist und gleichzeitig faul, qualifiziert sich für die höchsten Führungsaufgaben, denn er bringt die geistige Klarheit und die Nervenstärke für schwere Entscheidungen mit. Hüten muss man sich vor dem, der dumm und fleissig ist; dem darf man keine Verantwortung übertragen, denn er wird immer nur Unheil anrichten.