Economist Obituary

January 14th, 2012

Wenn ich den Economist lese, dann beginne ich meistens mit dem Nachruf auf den letzten Seiten. So auch gestern, als ich eine November-Ausgabe aufschlug, die mir Thom dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat. Die Ernüchterung und Erschütterung war gross, als ich feststellen musste, dass von mir unbemerkt zwei grosse der Computerwissenschaft die Bühne still und leise verlassen hatten: Dennis Ritchie und John McCarthy starben am 8. bzw. 24.Oktober 2011. Beides Mathematiker (natürlich), beides Koryphäen auf ihrem Gebiet. Ritchie hat die Programmiersprache C erfunden (für Hacker), McCarthy die Sprache LISP (für Über-Hacker). Ritchie hat mit C das grossartige Betriebssystem UNIX geschrieben, McCarthy wollte mit LISP einen intelligenten Computer bauen (Stichwort: artificial intelligence). LISP ist unglaublich elegant und mächtig, C ist unglaublich praktisch (in den Händen von jemandem, der weiss, was er tut).
Ritchie und McCarthy werden uns fehlen.
Interessant: am heutigen Tag (14.Januar 2012) hält eine andere Legende der Informatik einen Vortrag im Audimax der ETH Zürich: Donald Knuth. Sein Beitrag trägt den Titel: All Questions Answered.
Geht hin, wenn ihr Zeit habt.

Auch wieder so ein schöner Satz aus einem Economist-Nachruf (auf Dan Warren und Fred Shuttlesworth):
[... in 1963 police fire-hoses smashed him against a wall.] Again, God said: “Not yet.”

Linus On Specifications

December 19th, 2011

Pointierte Einschätzung des grossen Meisters.

From: Linus Torvalds [email blocked]
To: Arjan van de Ven [email blocked]
Subject: Re: I request inclusion of SAS Transport Layer and AIC-94xx into the kernel
Date:	Thu, 29 Sep 2005 12:57:05 -0700 (PDT)

On Thu, 29 Sep 2005, Arjan van de Ven wrote:
>
> a spec describes how the hw works... how we do the sw piece is up to
> us ;) 

How we do the SW is indeed up to us, but I want to step in on your first
point.

Again.

A "spec" is close to useless. I have _never_ seen a spec that was both big
enough to be useful _and_ accurate.

And I have seen _lots_ of total crap work that was based on specs. It's
_the_ single worst way to write software, because it by definition means
that the software was written to match theory, not reality.

So there's two MAJOR reasons to avoid specs:

 - they're dangerously wrong. Reality is different, and anybody who thinks
   specs matter over reality should get out of kernel programming NOW.
   When reality and specs clash, the spec has zero meaning. Zilch. Nada.
   None.

   It's like real science: if you have a theory that doesn't match
   experiments, it doesn't matter _how_ much you like that theory. It's
   wrong. You can use it as an approximation, but you MUST keep in mind
   that it's an approximation.

 - specs have an inevitably tendency to try to introduce abstractions
   levels and wording and documentation policies that make sense for a
   written spec. Trying to implement actual code off the spec leads to the
   code looking and working like CRAP. 

   The classic example of this is the OSI network model protocols. Classic
   spec-design, which had absolutely _zero_ relevance for the real world.
   We still talk about the seven layers model, because it's a convenient
   model for _discussion_, but that has absolutely zero to do with any
   real-life software engineering. In other words, it's a way to _talk_
   about things, not to implement them.

   And that's important. Specs are a basis for _talking_about_ things. But
   they are _not_ a basis for implementing software.

So please don't bother talking about specs. Real standards grow up
_despite_ specs, not thanks to them.

		Linus

Schmidts Rede auf dem Bundesparteitag 2011

December 11th, 2011

Der alte Mann zeichnet und erläutert die grossen Linien der Geschichte. Sollte sich jeder anschauen, der sich für Deutschland und Europa interessiert.

Beeindruckend.

Lucky Man

December 1st, 2011

Ich höre mich momentan durch das britische Musikschaffen der 90er. Es ist bekannt und ich habe es hier schon mehrfach erwähnt, dass ich ein grosser Fan britischer Bands bin. Begonnen habe ich letzte Woche mit den ersten beiden Oasis-Alben Definitely Maybe und (What’s the Story) Morning Glory. Grossartige Werke, Meilensteine der Musikgeschichte, als die Gallagher-Brüder noch jung, wild und hungrig waren. Unterdessen bin ich bei The Verve angelangt, genauer gesagt bei ihrem legendären Album Urban Hymns. Jeder kennt den Song Bitter Sweet Symphony. Es ist aber ein anderes Lied, das meinen Kopf nicht mehr verlässt: Lucky Man. Und innerhalb dieses Songs ist es diese Zeile:

But I’m a lucky man
With fire in my hands

Zugegebenermassen schwer erklärbar. Aber das hat was. Und noch mehr hat es, wenn Richard Ashcroft es singt (Zeitpunkt: 1:42).

Ich wusste, dass du es verstehen würdest.

 

Bundestrojaner

November 27th, 2011

Vor einigen Wochen wurde viel geschrieben über den sogenannten Bundestrojaner. Der CCC hat die Schadsoftware disassembliert und sich angeschaut, was sie so treibt. Das Urteil ist vernichtend, Spott und Häme inklusive:

Wir sind hocherfreut, daß sich für die moralisch fragwürdige Tätigkeit der Programmierung der Computerwanze kein fähiger Experte gewinnen ließ und die Aufgabe am Ende bei studentischen Hilfskräften mit noch nicht entwickeltem festen Moralfundament hängenblieb.
Auf der anderen Seite sind wir erschüttert, daß ein solches System bei der Qualitätssicherung auch nur durch das Sekretariat kommen konnte. Anfängerfehler dieser Größenordnung hätten im Vorfeld unterbunden werden müssen, zumal bereits bei der Anhörung vor dem Bundesverfassungsgericht anläßlich des Beschwerdeverfahrens gegen die Online-Durchsuchung von Regierungsseite immer wieder versichert wurde, daß besonders hohe Qualitätssicherungsansprüche gestellt würden. Man sprach gar davon, daß die Spionagesoftware individualisiert an den Zielrechner angepaßt würde. Diese hehren Ziele sind offenbar Sparmaßnahmen bei den Behörden zum Opfer gefallen.

 

Stauffenberg

November 27th, 2011

Ich weiss nicht mehr, wo ich es gelesen habe. Stauffenberg-Film? Muss sein, denn es ist eine Inschrift an der Gedankstätte Deutscher Widerstand (wo Stauffenberg und seine Leute erschossen wurden):

Ihr trugt die Schande nicht
Ihr wehrtet Euch
Ihr gabt das große
Ewig wache
Zeichen der Umkehr
Opfernd Euer heißes Leben
Für Freiheit
Recht und Ehre

 

I’ll Never Get Out Of This World Alive

November 27th, 2011

Immer neue Bücher lesen. Wichtig. Die letzten beiden: Der Koch von Martin Suter und I’ll never get out of this world alive von Steve Earle. Beide Romane haben mich nicht vom Hocker gerissen, von beiden mehr erwartet.

Suter nicht schlecht, handwerklich gut, aber die übliche Suter-Sogwirkung blieb gänzlich aus.

Earle erzählt die Geschichte eines abgehalfterten Arztes, Doc genannt, der in einer Pension im Rotlichtviertel San Antonios dahinvegetiert und seine Drogensucht mit illegalen Abtreibungen und der Behandlung von allerlei Geschlechtskrankheiten finanziert. Begleitet wird er vom ruhelosen Geist der Country-Ikone Hank Williams, dessen Tod er durch die Verabreichung von Morphium (in Kombination mit Alkohol) ein bisschen mitverschuldet hat. Eines Tages taucht die geheimnisvolle Mexikanerin Graciela auf, sie und Doc arbeiten fortan zusammen und Wunder geschehen. Das Buch hat was, aber grossartig ist es nicht.

Holstee Manifesto

November 22nd, 2011

Stay Clean

October 28th, 2011

Aus einem Artikel des Züri-Tipps, es geht um die 10 wichtigsten Motörhead Songs. Ich bin weder ein grosser Motörhead-Fan noch ein Kenner der Szene, ich weiss bloss, dass es an den Konzerten ziemlich laut und ruppig zugehen soll. Der Artikel kommt auf den Song Stay Clean aus dem Jahr 1979 zu sprechen (Lemmy ist das Bandoberhaupt und eine überaus illustre Persönlichkeit):

Lemmy Kilmister ist zwar einem gelungenen Scherz nicht abgeneigt; aber im Grunde geht es ihm um eine konsequente, ordentliche Lebensführung. Dieser Song, an Konzerten traditionell an zweiter Stelle gespielt, gibt die wichtigsten Eckdaten durch: aufrecht bleiben, sich niemals schämen!

Wunderbar formuliert. Aufrecht bleiben, sich niemals schämen. Da hat Lemmy zweifellos recht (auch wenns manchmal schwer fällt).

Zum Schluss: Cash

October 25th, 2011

Vor einigen Tagen feierte ich meinen 2hoch5. Geburtstag und ich wurde reich beschenkt: Glückwünsche, Bücher, Hörbücher, bezauberndes Abendessen, Torte. Danke Leute für die grossartigen Geschenke. Und dann, als schon alles vorbei war, überreichte mir Chrigu am Montag verschmitzt lächelnd ein in grünes Papier gehülltes Geschenk, das zeigt, dass er sich intensiv mit diesem Blog beschäftigt hat (siehe: Bars, die wo noch…): eine Original Johnny Cash RING OF FIRE Schallplatte aus dem Jahr 1964. B-Seite (jetzt verstehe ich endlich, was eine B-Seite ist): Johnny Cash covert Bob Dylan: IT AIN’T ME, BABE. Manufactured by Columbia Records. Ich spreche hier von einer echten Schallplatte, quasi Vinyl. Eine Premiere, ich besass bisher noch keine und dann gleich ein solcher Knaller. Kann man nicht meckern. Ich werde den Plattenspieler meiner Eltern aus dem Keller holen, ein Boxer-Bier öffnen und mir die Scheibe anhören. Immer und immer wieder. Cheers!