Nachmittage

Aus dem neuen Buch “Nachmittage” von Ferdinand von Schirach:

Es gibt Geschichten, die man nur in einer solchen Bar nachts einem Fremden erzählen kann. Draussen gehen Menschen weiter in Clubs, in Karaoke-Bars und Restaurants, sie verkleiden sich und lieben sich und hassen sich und sind sich gleichgültig, aber man selbst gehört für einen kurzen Moment nicht mehr dazu und fällt aus der Zeit. Hier oben in dieser Bar, hoch über der grössten Stadt der Welt, hört man die sanfte Stimme der Sängerin, sie singt Billy Joels And So It Goes und Chat Bakers I’m Old Fashioned, und es gibt nur das Klirren der Gläser, die leisen Anweisungen der Kellner und die gedämpften Stimmen der anderen Gäste. Später gehen alle nach Hause, die Welt beginnt erneut mit all ihren Farben und ihrem Lärm und ihrer Aufgeregtheit, und man sieht sich nie wieder. Es sind nicht die Geschichten der Sieger, nicht die lauten Sätze, die man auf Golfplätzen und in Flughafenlounges hört. Es sind leise Erzählungen von verregneten Nachmittagen und von schwarzen Nächten, und die Helden haben das Spiel endgültig verloren. Aber diese Geschichten beschützen uns vor der Einsamkeit, den Verletzungen und der Kälte. Und am Ende sind sie das Einzige, was uns wirklich gehört.

Danke, Roger

Heute ging die beispiellose Karriere Roger Federers zu Ende, notabene mit einer Niederlage an der Seite seines grössten Widersachers und Freundes Rafael Nadal im Laver Cup.

An ein Spiel, das ich nicht gesehen habe (!), kann ich mich besonders gut erinnern. Manche behaupten, es sei das beste Tennismatch, das jemals gespielt wurde. Die Rede ist vom Wimbledon-Final 2008: Federer – Nadal. Ich war an jenem Wochenende in Tübingen, habe mir den ersten Satz angeschaut, bin in den Zug zurück nach Bern gestiegen, habe periphär mitbekommen, dass Federer den zweiten Satz ebenfalls verloren hat, egal, dachte ich, es ist vorbei, lieber ein Buch lesen. Als ich Stunden später in Bern ankomme, werde ich gewahr, dass das Spiel noch immer läuft, 5. Satz. Gibts nicht! Fernseher einschalten, mitfiebern. Federer kam tatsächlich nach einem 0-2 Satzrückstand zurück, Phönix aus der Asche Hilfsausdruck. Es geht die Legende, dass Mirka ihm in einer Pause nach den zwei verlorenen Startsätzen in den Katakomben ordentlich den Kopf gewaschen hat: geh raus und zeig, wer du wirklich bist! Das hat er dann auch getan, kam zurück ins Spiel… und verlor den 5. Satz trotzdem.

Wir haben immer gewusst, dass, wenn der Tag seines Karriereendes kommen wird, wir Zeit unseres Lebens nichts Vergleichbares mehr sehen werden. Angesichts der eigenen Vergänglichkeit und all des verflossenen Lebens sind wir, die ihn all die Jahre als passive Zuschauer begleitet haben, leicht bedrückt. Um diesem beklemmenden Gefühl entgegenzuwirken, hier das epische Federer-Nadel Video, in dem sie das “Match for Africa” promoten.

Danke für alles, Roger Federer. Es war eine Ehre und allergrösstes Kino, all die Jahre.

Daniel Ryser

Ich bin seit einigen Jahren ein begeisterter Leser der Bücher des umtriebigen Reporters Daniel Ryser, er immer vor Ort ist, wenn es ordentlich rumpelt.

Unlängst wurde mir gewahr, dass ich ein Buch von ihm noch nicht gelesen habe: “Slime – Deutschland muss sterben”. Es erzählt die Geschichte der deutschen Punk-Band Slime aus Hamburg: 1979 gegründet, harter geradliniger Punk der ersten Stunde, mehrfach aufgelöst und wieder vereint.

Ein Abschnitt am Ende des Buches bleibt hängen, Ryser beschreibt den Alltag des Slime-Sängers Dirk Jora (2013):

Zum Frühstück serviert er Rührei mit Tomaten und schwarzen Tee. Es wirkt wie ein nicht allzu aussergewöhnlicher deutscher Alltag. Nur scheint die Wut hier grösser zu sein. Oder vielleicht ist der Unterschied auch nur, dass sich seine Wut konsequent nicht nach unten, sondern nach oben richtet. Seine Feinde sind nicht die Flüchtlinge, die in kleinen Booten über das Mittelmeer Richtung Europa reisen, oder die Arbeitslosen. Es sind die Banker und die Reichen, Politiker und Polizisten und der Staat, der Flüchtlinge abschiebt, in Afghanistan einen Krieg führt und mit Steuergeldern Banken rettet.

Die Wut muss sich gegen oben richten. Das ist wichtig.

Happiness

For success, like happiness, cannot be pursued; it must ensue, and it only does so as the unintended side-effect of one’s personal dedication to a cause greater than oneself or as the by-product of one’s surrender to a person other than oneself. Happiness must happen, and the same holds for success: you have to let it happen by not caring about it.

― Viktor E. Frankl, Man’s Search for Meaning

Raspberry Pi als Tor Relay

Hinweise zur Installation von Tor auf einem Raspberry Pi.

  • Raspberry Pi OS via Raspberry Pi Imager auf die micro SD Karte schreiben (SSH aktivieren!)
  • Ethernetverbindung und Stromversorgung herstellen
  • Via SSH einloggen
  • Pakete aktualisieren:
    apt-get install update
    apt-get install upgrade
  • Tor installieren
    apt-get install tor
  • /etc/tor/torrc:

SocksPort 0
Log notice file /var/log/tor/notices.log
RunAsDaemon 1
DataDirectory /var/lib/tor
ORPort 9001 IPv4Only
ExitPolicy reject *:*

  • Auf dem Router Port 9001 öffnen
  • systemctl restart tor@default.service
  • Auf einem schwachbrüstiger Raspberry Pi kann tor von systemd beendet werden, weil tor nicht innerhalb von 5min einen erfolgreichen Start signalisierte (zu erkennen in den Logs, wenn inmitten des Bootstrapping das Programm neu gestartet wird). Lösung: Erhöhung der TimeoutStartSec (z.B. von 300 auf 600) in /lib/systemd/system/tor@default.service.

We’ll see

A farmer had only one horse. One day, his horse ran away.

His neighbors said, “I’m so sorry. This is such bad news. You must be so upset.”

The man just said, “We’ll see.”

A few days later, his horse came back with twenty wild horses following. The man and his son corralled all twenty-one horses.

His neighbors said, “Congratulations! This is such good news. You must be so happy!”

The man just said, “We’ll see.”

One of the wild horses kicked the man’s only son, breaking both his legs.

His neighbors said, “I’m so sorry. This is such bad news. You must be so upset.”

The man just said, “We’ll see.”

The country went to war, and every able-bodied young man was drafted to fight. The war was terrible and killed every young man, but the farmer’s son was spared, since his broken legs prevented him from being drafted.

His neighbors said, “Congratulations! This is such good news. You must be so happy!”

The man just said, “We’ll see.”

Unix Pipes

Doug McIlroy beschreibt Pipes, lange bevor Unix das Licht der Welt erblickte.

            Summary--what's most important.
    To put my strongest concerns into a nutshell:
1. We should have some ways of coupling programs like
garden hose--screw in another segment when it becomes when
it becomes necessary to massage data in another way.
This is the way of IO also.
2. Our loader should be able to do link-loading and
controlled establishment.
3. Our library filing scheme should allow for rather
general indexing, responsibility, generations, data path
switching.
4. It should be possible to get private system components
(all routines are system components) for buggering around with.

                                                M. D. McIlroy
                                                October 11, 1964 

Arrivederci, capitano!

Nächstes Jahr werde ich nicht mehr dabei sein, ich mache Platz für die jungen Spieler. Am Montag werde ich mich von meinem Stadion verabschieden und in Florenz wird mein letztes Spiel sein. Ich verabschiede mich mit Freude von dieser Mannschaft, von der ich immer der grösste Fan sein werde, denn Juve bleibt bei dir.

18 Jahre. Es war eine Ehre.