6 Wochen

Nach Monaten der beständigen Kniebeschwerden konnte ich seit drei Wochen wieder in gewohntem Umfang laufen.

Heute Abend: Fussball. Zweikampf. Misstritt. Schmerzen. Anschwellender rechten Fussknöchel. Erinnerung. Gewissheit. Bänder (an)gerissen. Kühlen. Tram. City Notfall. Untersuchung. Röntgen. Nichts gebrochen, aber Aussenbänder in Schwierigkeiten. 6 Wochen Pause. Krücken. Fussstütze. Bisschen Schmerzmittel.

Fussball, alter Freund, wir müssen reden. Du weisst, ich mag dich, aber so kann es nicht weitergehen.

Madame Danielle

Vielleicht der letzte Beitrag zum Thema “Attentate in Paris” (mehr Platz will ich den Irren nicht einräumen).

Die selbstbewusste Madame Danielle bringt es auf den Punkt:

Hier nochmals im deutschen Wortlaut:

Es ist sehr wichtig, unseren Toten Blumen zu bringen. Es ist sehr wichtig, mehrfach das Buch von Hemingway (Paris – Ein Fest fürs Leben) zu lesen. Denn wir sind eine sehr alte Zivilisation. Wir tragen unsere Werte hoch. Wir verbrüdern uns mit den fünf Millionen Muslimen, die ihre Religion frei und friedlich ausüben. Und wir werden kämpfen gegen die 10’000 Barbaren, die angeblich im Namen von Allah töten.

Mir gefällt ihre Klarheit und Unerschrockenheit. Manche mögen es Arroganz nennen, aber ich interpretiere es eher als Stolz.

Ich werde das empfohlene Buch kaufen und lesen. Hemingway war während seiner Zeit in Paris jung und hungrig, aber arm. Er hat kühn und furchtlos gelebt und gedacht. Ich schätze, das ist auch der Grundton dieses Buches. Und damit kommen wir zurück zu Madame Danielle: wenn man sich die Debatten nach den Anschlägen anschaut, dann spürt man vor allem: Angst. Verteidigung. Abwehr. Schlagbaum runter. Defensive Besitzstandswahrung. Wir müssten aber mutiger, stolzer, kühner agieren. Wir dürfen nicht vergessen: die Veränderung kam nie von den Arrivierten, Vermögenden, Verteidigenden. Sie kam immer von den Tagedieben, den Unerschrockenen, den Querdenkern. Darauf sollten wir uns besinnen. Offensiv und unerschrocken denken und handeln, nicht defensiv und reaktionär. Mehr Freiheit wagen, nicht weniger.

 

Locker durchs Berufsleben

Frank Behrendt ist Vorstand einer Kommunikationsagentur. Wir wissen: Kommunikationsbranche extrem kompetitiv, Kreativitätszwang, höchst anspruchsvoll, endlose Arbeitstage, Work-Life-Balance ade, undundund. Nun wirkt Behrendt aber immer entspannt, ständig gute Laune, Spaziergang im Wald sozusagen. Darauf angesprochen begann Behrendt nachzudenken und notierte beim Frisör auf der Wartebank Zehn ernsthafte Ratschläge, wie man locker durchs (Berufs-)Leben kommt. Den ersten und den letzten Punkt möchte ich herausgreifen:

  • Mach dir jeden Morgen noch mal klar, dass wir im Job nur Monopoly für Erwachsene spielen. Egal, was wir hier machen oder nicht machen – die Welt dreht sich weiter. Deshalb sollten wir uns bei aller Ernsthaftigkeit selbst nicht zu wichtig nehmen.
  • Liebe deine Familie, deine Freunde, dich selbst und das Leben. Aber nie deinen Job.

Der zweite Punkt ist ein Kracher. Nicht vergessen.

Von der Einfachheit

Praktisch jeden Tag meines Arbeitslebens schreibe ich Code in der Programmiersprache C++. Jeder, der C++ kennt, weiss, dass es sich hierbei um eine überaus umfangreiche und komplexe Sprache handelt. Deshalb habe ich mir für die tägliche Arbeit eine Teilmenge von C++ zusammengesucht, die ich verstehe und die andere verstehen werden, wenn sie meinen Code lesen (zwei wichtige Attribute von Source Code sind Einfachheit und Lesbarkeit).

Der Vorgänger von C++ (die Programmiersprache C) war viel simpler. Eine imperative Sprache, nicht objekt-orientiert (OO), nicht raffiniert, eher Punk, aber unter uns gesagt: Einfachheit schlägt OO. Dies ist wahrscheinlich der Grund, weshalb ich mich, je länger ich mit C++ arbeite, immer stärker zu C hingezogen fühle. Ich vermisse ganz offensichtlich die Einfachheit der vergangenen Zeiten (ähnlich sprach mein Grossvater – vielleicht werde ich langsam alt).

Jetzt Richtungswechsel.

C.A.R “Tony” Hoare ist einer der bedeutendsten Computerwissenschaftler aller Zeiten. Nicht nur erfand er den quicksort Algorithmus, er entdeckte auch profunde Konzepte wie die communicating sequential processes, die dank Googles (neuer) Programmiersprache Go hoffentlich Eingang in den Informatik-Mainstream finden werden.

Es ist immer wieder interessant, alte Informatik Papers aus den 70ern und 80ern zu lesen, als die Informatiker meist noch Mathematiker waren und unablässig an den Grundlagen der Computerwissenschaften gewerkelt haben. Manche dieser Papers sind geradezu visionär. Man merkt irgendwie, dass die Leute damals Zeit zum Nachdenken hatten und nicht von Konferenz zu Konferenz hetzten.

Letzte Woche stolperte ich über ein Dokument von besagtem Tony Hoare, das den Titel Everything you’ve wanted to know about programming languages but have been afraid to ask trägt. Ein höchst zugängliches (nicht-technisches) Dokument aus dem Jahr 1978. Das ganze ist im Frage-Antwort Stil verfasst.

Schon lange umtrieb mich die beunruhigende Beobachtung, dass Programmierer (und insbesondere C++ Programmierer) von der Sprache ihrer Wahl geradezu besessen sind, Religionskriege nichts dagegen. Ich hegte denselben Verdacht, den Hoare bereits 1978 zu Papier brachte (notabene bevor C++ erfunden wurde).

Why do programmers get so attached to the programming language they currently use?

[…] But there is another, more disturbing reason for the intense partisanship of a programmer – that his existing programming language has presented so many problems, complexities, and unexpected traps that he spent a long time learning how to master it. The prospect of a new language presents a severe threat – it might take even longer to learn to use it properly than the old one. But perhaps an even worse threat is that is might actually be easier to learn and use effectively, since that would wholly devalue the programmer’s hard-won professional expertise in his earlier language and its implementation. In this way, a complex programming language can drive out a simple one.

Ich denke, dass es diese mit Blut und Tränen erkämpfte Expertise ist, die C++ Programmierer mit Händen und Füssen verteidigen. Wahrscheinlich kann man einfacher von simplen Programmiersprachen ablassen. Könnte aber auch ein typischer Nerd-Charakterzug sein (Obsessionen etc.). Ich hoffe, dass in den kommenden Jahren simplere Sprachen wie Go oder Clojure im Mainstream Fuss fassen werden und wir auf C++ zurückblicken werden mit ein wenig Wehmut, aber noch viel mehr Erleichterung.