Lemmy

Ich dachte, diesen Beitrag nie schreiben zu müssen, denn ich hielt Lemmy für unsterblich. Nun musste er doch gehen, der vielleicht grösste Rocker aller Zeiten.

Viele nannten ihn einen Rüpel, und es stimmt, er war ein Unangepasster, ein Mann aus Stahl, der Nazi-Kram und Uniformen sammelte (“In der Geschichte waren es immer die Bösen, die am besten angezogen waren”), und sehe Meinung stets pointiert zum Ausdruck brachte; aber die meisten Leute erkannten in ihm nicht den belesenen Gentleman, der er auch war. Er soll mal gesagt haben

Ich habe viele weibliche Freunde. Sie rufen mich an, wir gehen aus. Frauen sind interessanter als Männer. Mit Männern muss man über Sportautos reden. Ich möchte aber nicht mein Leben lang über verdammte Sportautos reden! Ich möchte wissen, ob du etwas weisst!

Kein Macho, sondern ein guter Zuhörer, ein Mann mit Tiefgang (und einigen Ecken und Kanten natürlich). Wenn man sich ein wenig mit ihm auseinandersetzt (Filmtipp: Lemmy), dann erkennt man seine wahre Grösse (Autobiographie lesen: White Line Fever).

Wer noch nie von Motörhead gehört hat, der muss sich Ace of Spades anhören, um zu verstehen, worum es geht.

 

Und zum Abschluss noch mal Lemmy im O-Ton:

Der Tod ist unvermeidlich, nicht wahr? Das wird einem bewusster, wenn man in mein Alter kommt. Es macht mir keine Sorgen. Ich bin bereit. Wenn ich sterben muss, dann bei dem, was ich am besten kann. Wenn ich morgen sterben würde, könnte ich mich nicht beklagen. Es war gut.

In Hamburg sagt man Tschüss

Helmut Schmidt hat heute die Bühne verlassen. Die letzten Tage meist ohne Bewusstsein, das Ende nahte. Gestern soll er sich nochmals (kurz) an den Schreibtisch gesetzt haben. Heute friedlich eingeschlafen.

Die Welt verliert einen klugen Mann.

Tschüss, Herr Schmidt.

p.s. Hier noch ein Zitat, das ihm fälschlicherweise (von derstandard.at) zugesprochen wurde, stammt aber von Bertrand Russell:

Das ist der ganze Jammer: die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.

Jean Ziegler

Nicht nur habe ich das letzte Buch des Revoluzzers vom Genfersee gelesen (Ändere die Welt!), auch einen Dokumentarfilm habe ich gesehen. In beiden Zeitdokumenten sieht man diesen rastlosen Mann, der mit aller Kraft gegen die Ungerechtigkeit in der Welt vorzugehen versucht. Nicht immer zielführend, aber der Wille ist stets erkennbar. Am Ende des Dokumentarfilms spricht er einen Satz aus, der haften blieb:

Unruhe möchte ich bringen.

Das müsste unser aller Ziel sein. Vor allem den Mächtigen müssen wir Unruhe bringen, damit sie zusammenzucken auf ihren Thronen in ihren Palästen.

GOAT

Letzte Woche war im Magazin ein Interview mit dem mir bisher unbekannten Autoren William Skidelsky abgedruckt, der ein Buch über Roger Federer geschrieben hat. Eine Hymne, natürlich. Auf die Frage, warum Federers Spiel derart mühelos aussieht, antwortete er:

Es ist ungeheuer schwer zu sagen, wodurch dieser aristokratische Eindruck des mühelosen Gelingens entsteht. Federer ist kräftig, aber nicht muskulös. Seine Bewegungen sind flüssig, nie gehetzt. Und dann ist da seine Körperspannung – er überspielt keinen Schwung, verliert nie die Balance, stolpert nie. Und mehr als andere dreht er den Kopf zum Ball. Auf Fotos erkennt man, dass er den Ball fast zärtlich betrachtet; er spielt erhobenen Hauptes, wie ein König.

Wie ein König.

Vielleicht gelingt dem König dieses Wochenende nochmals ein Grand Slam Triumph. Das wäre eine schöne Sache.

Zur Vorbereitung hier ein GOAT Video.

 

Man in the Van

Daniel Norris, angehender Baseball-Star, Minimalist, Nonkonformist, lebt trotz 2 Mio. Dollar Vertrag in einem 1978 Volkswagen Westfalia von 800$ pro Monat.

Aus Wikipedia:

In an interview with ESPN he was asked why he chooses to continue to live so conservatively. He asked back, “Who am I to deserve that? What have I really done?” He has also said, “I’m actually more comfortable being kind of poor,” as it helps him maintain a minimalist lifestyle and resist conformity.

Hier das ganz Berichtli. Lesenswert.

Nehberg

Rüdiger Nehberg, Überlebenskünstler, der im Dschungel die Maden ass, die in seinen blutigen Wunden heranwuchsen, gibt bei Spiegel Online Reisetipps:

Erstens, für Reisende in fremden Ländern: “Immer mehrere Zehn-Dollar-Noten am Leib tragen. Bei einem Überfall muss es schnell gehen.” Zweitens, für Reisende fernab der Zivilisation: “Ihr Körper kommt vier Wochen ohne Nahrung aus. Erst wird das Fett abgebaut, dann die Muskeln, zuletzt das Gehirn. Tolle Erfahrung.” Und drittens, für Daheimgebliebene in Deutschland: “Gehen Sie wählen! Bieten Sie Gewalttätigen die Stirn! Damit sich das nicht wiederholt, was mal gewesen ist.”