Mischtschenko

Aus der Kategorie Helden/Unbeugsame: Lew Mischtschenko.

Physiker, während des 2. Weltkriegs in Kriegsgefangenschaft geraten. Buchenwald überlebt, nach der Befreiung des Hochverrats schuldig gesprochen (weil er im Internierungslager als Übersetzer tätig war und der Kollaboration mit dem Feind verdächtigt wurde). 8 Jahre Gulag. Das bedeutet:

Beissender Frost setzt ein. Gestern waren es minus 47 und vorgestern minus 49 Grad. Heute hat es ein bisschen auf minus 36 Grad ‹getaut›, aber die Temperatur fällt schon wieder.

Auch dies überlebt. Der Briefwechsel mit seiner grossen Liebe Swetlana hat ihm Trost und Zuversicht gespendet, gerade genug, um nicht aufzugeben. Ihr Briefwechsel wurde vor kurzem als Buch veröffentlicht: Schick einen Gruss, zuweilen durch die Sterne.

 

Haskell

Meine Damen und Herren: das Haskell Komitee

Diese Gruppe von Mathematikern, Physikern und Informatikern hat in den 1980ern eine Programmiersprache von unvergleichlicher Eleganz geschaffen: Haskell. Du wirst sagen: kann sein, aber niemand benutzt Haskell. Da hast du nicht ganz unrecht, aber abwarten. Radikalität und Schönheit werden sich ihren Weg bahnen in die Köpfe der Menschen. Zumindest ist dies meine Hoffnung. Das Multi-Core Zeitalter wird helfen.

Es ist doch so: C ist für Hacker. Haskell ist für Künstler. Und ohne Kunst ist das Leben eine traurige Veranstaltung.

 

Stauffenberg

Ich weiss nicht mehr, wo ich es gelesen habe. Stauffenberg-Film? Muss sein, denn es ist eine Inschrift an der Gedankstätte Deutscher Widerstand (wo Stauffenberg und seine Leute erschossen wurden):

Ihr trugt die Schande nicht
Ihr wehrtet Euch
Ihr gabt das große
Ewig wache
Zeichen der Umkehr
Opfernd Euer heißes Leben
Für Freiheit
Recht und Ehre

Luginbühl ist tot

Bernhard Luginbühl, der Eisenmann, der Schrottkünstler, ist am Samstag friedlich entschlafen. Aus Abfall schuf er gutmütige Monster und Riesen, viele Jahre zusammen mit Jean Tinguely. Seinen Skulpturenpark in Mötschwil wollte ich schon seit geraumer Zeit besuchen. Vielleicht in diesem Sommer. Endlich.
Luginbühl pflegte zu sagen: Gross muss alles sein.
Gross muss alles sein.

Bruno der Kreolen-König

Seit 2003 bin ich bekennender Tagi-Magi Leser (das Magazin des Tagesanzeigers, www.dasmagazin.ch), seit mir eine Ausgabe in Familie Schneiders Ferienwohnung in die Hände fiel mit einem Bericht über Jaron Lanier. Es war die Zeit, als die Welt eine andere war, als ich in Zürich studierte und als Doris Knecht noch ihre fantastischen Kolumne schrieb.
Meine Hingabe zum Tagi-Magi vertiefte sich einige Wochen später mit einem Artikel von Guido Mingels über die Landdisco im Mittelland, Gefeierte Nächte, als er fünf Solothurner Jugendliche auf ihrem Streifzug durch die Wasserämter Tanzveranstaltungen begleitete. Sensationelle Reportage. Immer wieder gern gelesen. Zum Ende hin gibts eine Literatur-Nobelpreis würdige Passage. Ausgangslage: Disco in der Mehrzweckhalle Deitingen, DJ Antoine war da und andere anerkannte Grössen ihres Fachs, doch irgendwie vermochten sie die Dorfbevölkerung nicht zu begeistern.

Dann, noch später, geht DJ Stiffy an die Plattenteller, der eigentlich Stefan Seiler heisst und Mitglied ist vom OK und vom Unihockey-Club Deitingen. Jetzt ist Schluss mit dem House-Quatsch. Jetzt kommt, für die letzte Stunde, richtige Musik für richtige Menschen. Er legt “Highway to hell” auf von AC/DC. Damit holt er sie alle, jung, alt, Houser, Trancer, Bauern, Rastas, Punks, Alt-Rocker, alle. Es muss nur das heisere Grollen von Bon Scotts Stimme durch die Halle wehen, das stellt den Menschen die Haare auf den Armen zu Bergen. Dann stampfen sie. Dann tanzen sie. Dann geraten sie in diese fröhliche Wut und schreien einander den Refrain zu, WE’RE ON A HIGHWAY TO HELL. Man muss nicht meinen, sagt DJ Stiffy, dass in jedem Jahr ein gutes Lied geschrieben wird auf Erden. Es gab “Highway to hell”. Es gab “The final countdown” von Europe. Es gab “Major Tom” von Peter Schilling, Neue Deutsche Welle. Seither ist eigentlich nicht mehr viel dazugekommen.

So war das damals im Wasseramt.
Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ich bei meinen Eltern zu Hause am Küchentisch sitze und Radio 32 spielt eines der drei besagten Musikstücke (was oft genug geschieht).
Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen. Sondern um eine andere Reportage im Tagi-Magi, letzte Woche erschienen, köstlich.

Bruno der Kreolen-König

Von einem, der auszog, um die Welt ein wenig besser zu machen. Von einem, der das Herz am rechten Fleck hat. Auch wenn seine Methoden ein wenig unorthodox sind.

Fix you

Ich habe vom Film Young@Heart gehört, der fantastisch sein muss. Eine Truppe älterer Menschen, die Songs von zeitgenössischen Bands covern, die sie nicht kennen und dadurch ganz neue Zugänge zu dieser Musik erschliessen.
Sehr beeindruckend: Fred Knittle interpretiert Fix you von Coldplay. Irgendwie spricht das Leben aus diesem Mann.

Das YouTube-Video lässt sich leider nicht einbetten, aber hier ist der Link: http://bit.ly/chKvlG

Pausch tot

Vor einigen Tagen ist Randy Pausch nach langem Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben. Seine Last Lecture hat mich und hunderttausende anderer wahrhaft inspiriert. Nicht nur war er ein Computerpionier (Virtual Reality) der beinahe alle seine Kindheitsträume verwirklicht hat, viel mehr noch war er bis zum Ende ein schillernder glühender Optimist. Das wichtigste, was ich von ihm gelernt habe:

You cannot change the cards your are dealt, just how you play the hand.

RIP.

Randy Pausch: Last Lecture

Amerikansiche Universitäten kennen die Tradition der Last Lecture: ein Professor gestaltet eine Vorlesung, als wäre es die letzte seines Lebens.
Der Visionär und Informatik-Professor Randy Pausch hielt Ende 2007 eine Last Lecture, mit dem Unterschied, dass es tatsächlich seine letzte Vorlesung sein sollte. Pausch ist unheilbar an Krebs erkrankt, hat noch einige Monate zu leben und überaus viel zu sagen. Ein bewegendes, heiteres, tiefgründiges, lebensbejahendes, berührendes Dokument: