alt-J

Eines Nachts, als ich rastlos durch das Internet streifte, stiess ich zunächst auf die Band alt-J und dann auf dieses Musikvideo:

Vorsicht, ist nicht ganz ohne. Aber bemerkenswert. Er scheint glücklich zu sein am Ende, bevor er in Flammen aufgeht.

Starker Song, starkes Video.

Jetzt kann man sich natürlich fragen: was soll das? Hier ein YouTube-Erklärungsversuch von joshfcum:

Well from the meaning of the song this is my interpretation. Hunger of the pine is about that yearning you have for someone you love who doesn’t love you back. Each arrow represents being let down, or shot down if you will in your advances by this person. But that yearning and desire doesn’t leave, doesn’t dissipate and so you carry on, even though you’re hurting. You carry on even though you keep getting hurt and shot down until finally you can’t go anymore. At this point you make you’re final plea, and in doing that you set yourself up to be destroyed and the likelihood of it working is like the likelihood of missing all of those flaming arrows.

Lucky Man

Ich höre mich momentan durch das britische Musikschaffen der 90er. Es ist bekannt und ich habe es hier schon mehrfach erwähnt, dass ich ein grosser Fan britischer Bands bin. Begonnen habe ich letzte Woche mit den ersten beiden Oasis-Alben Definitely Maybe und (What’s the Story) Morning Glory. Grossartige Werke, Meilensteine der Musikgeschichte, als die Gallagher-Brüder noch jung, wild und hungrig waren. Unterdessen bin ich bei The Verve angelangt, genauer gesagt bei ihrem legendären Album Urban Hymns. Jeder kennt den Song Bitter Sweet Symphony. Es ist aber ein anderes Lied, das meinen Kopf nicht mehr verlässt: Lucky Man. Und innerhalb dieses Songs ist es diese Zeile:

But I’m a lucky man
With fire in my hands

Zugegebenermassen schwer erklärbar. Aber das hat was. Und noch mehr hat es, wenn Richard Ashcroft es singt (Zeitpunkt: 1:42).

Ich wusste, dass du es verstehen würdest.

 

Das Gurtenfestival, Ausgabe 2011

Ich und das Gurtenfestival, das ist so eine Sache. Ich bin jedes Jahr dort, aber selten begeistert. Manchmal ist es das Wetter, manchmal sind es die Bands, manchmal ist es beides. Ich bin sowieso nicht so der Festival-Typ, war es nicht, und heute bin ich ohnehin zu alt für den Trubel. Es gibt Leute, die sagen, man sei so alt wie man sich fühlt. Auf dem Gurten fühle ich mich immer sehr alt.

Zu den Fakten.

Am letzten Festivaltag (Sonntag) habe ich dem Gurten meine Aufwartung gemacht, um Bands zu sehen wie The National, Beady Eye, Arctic Monkeys (die Indie-Schiene; in Musiksachen bin ich sehr berechenbar wie auch in einigen anderen Dingen). Einen langen Weg habe ich auf mich genommen, mehrere Stunden und Hunderte von Kilometern sass ich im Zug, von Rheinland-Pfalz bis nach Bern. Am Tag zuvor hatte ich in dem, was sie Internet nennen, Bilder des Gurtenfestivals gesehen: Sonnenschein, lachende glückliche Menschen, allgemeine Zufriedenheit mit sich und der Welt. Diese Bilder hatte ich im Kopf, als ich in Bern eintraf. Schnell wurde klar: das mit dem Sonnenschein wird nichts. Wolken, drohender Regen. Aber immerhin, es blieben die Lebensfreude und die Bands.

Dann gings los: sämtliche Schliessfächer waren belegt, weshalb ich meinen Krempel bei Keymile unterstellen musste. Ein beachtlicher Umweg. Dieses Manöver kostete mich The National. Hätte ich gern gesehen, ein Geheimtipp, aber egal, mit Verlusten muss man rechnen, weiter gehts. Bei der Gurtenbahn angekommen, regnete es unaufhörlich und die Menschenschlange war 45min lang. Also entschied ich mich für einen kleinen Sonntagsspaziergang und nahm den Fussweg. Oben angekommen war ich durchschwitzt, es war kühl und regnete noch immer. Da wusste ich: bei diesen Witterungsverhältnissen würden meine Kleider nicht wieder trocknen. Egal, an den Milch-macht-munter-Stand, Ovo trinken gehen, dann 1. Konzert: Angus and Julia Stone, eine Familienkapelle, der Vater machte Fotos. Ganz gut, Folksongs, Julia spielt folgende Instrumente: Klavier, Gitarre, Mundharmonika, Trompete und dazu eine Stimme, mein lieber Mann. Ihr Bruder spielt ebenfalls viele Instrumente, auch dies sehr beeindruckend.

Danach gehts weiter auf der Hauptbühne mit Beady Eye, der neuen Band von Liam Gallagher. Wie soll ich es formulieren? Es wurde schnell klar, wer das musikalische Genie in der Familie ist, nämlich Noel und nicht Liam. Schade, dass nicht ersterer, sondern letzterer sich genötigt sah, eine neue Band zu gründen. Die Jungs von Beady Eye haben sie bemüht, ganz ohne Zweifel, aber den Oasis-Zauber vermochten sie nicht heraufzubeschwören. Nicht annähernd. Immerhin war Liam nicht so mürrisch wie beim Oasis-Auftritt vor einigen Jahren.

Es folgte ein Künstler auf der Zeltbühne, dessen Name mir leider entfallen ist, was Souliges, nicht so mein Ding.

Um 19:30 der vermeintliche Höhepunkt auf der Hauptbühne: Arctic Monkeys, deren Erstlingswerk den schönen Namen Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not trägt und mich noch heute entzückt. Ihren weiteren musikalischen Werdegang habe ich nicht verfolgt, und das möglicherweise mit gutem Grund, denn was sie an neuem Songmaterial auf dem Gurten präsentierten, vermochte mich nicht zu überzeugen. Aber das war gar nicht das Problem, sondern die Technik. Zunächst signalisierte der Bassist ein Problem, kurzes Gebastel, weiter. Dann machte ein Lautsprecher hinten rechts Probleme. Hektik, Diskussionen, Techniker nesteln an Geräten rum, die Band verlässt die Bühne, irgendwas muss repariert werden. Ich nehme diese kreative Pause zum Anlass, nach Hause zu gehen. Der Himmel war wolkenlos und die Sonne schien, als ich den Gurten verliess. Die Festivalbesucher waren glücklich und zufrieden, mit sich und der Welt.

Tinguely dä Chnächt – Bar

Michèle Roten, Magi-Kolumnistin, hat vor einigen Wochen ein Album eines Rappers Tinguely dä Chnächt lobend erwähnt: Bar.
Prinzipiell noch kein Grund, die Platte zu kaufen, aber: ich habe den Burschen mal in einer FCZ Untergrundbar gesehen: Bart, Brille, Mütze, kräftig, geheimnisvoll. Bisschen Freak eben. Solche Unangepassten muss man unterstützen, dachte ich mir, deshalb ab in den iTunes Store und Album kaufen.
In der Nacht kurz nach 1:00 landeten die Songs auf meiner Festplatte. Sofort das Wiedergabeprogramm eingeschaltet. Jetzt pass auf: vielleicht ist es wichtig, dass der erste Kontakt mit diesem Musikmateral in der Nacht erfolgt, denn dies ist die Zeit, in der Tinguelys Geschichten entstehen: er zieht durch die Bars, trinkt Bier, raucht Zigaretten, führt Gespräche, in den Morgenstunden kehrt er nach Hause zurück und verfasst seine Texte. Wenn er den Dunstkreis der Bars verlässt, dann machen sich die anderen Menschen auf den Weg zur Arbeit. Er ist der Gegenentwurf. Dieses Leben hat er in ein Dutzend Songs gepackt. Herausgekommen ist ein fantastisches Album.
Ich bin bekanntlich kein grosser Fan von Sprechgesang, aber diese Lieder sind magisch. Starke Beats, grossartige Texte (die meisten). Wer einen Song wie Und jetzt? / Ich chönnt zusammenbasteln kann, ist ein grosser Poet.
Gut gemacht, Tinguely. Vielleicht sehen wir uns irgendwann an einem FCZ-Spiel und wenn mich der Mut nicht verlässt, dann werde ich deinen Namen rufen und dir sagen: Danke schön.

Timber Timbre

Max Küng pries vor einigen Wochen in einer Kolumne des Magazins die Platte Timber Timbre der Band Timber Timbre. Da ich in der Vergangenheit eine teilweise Übereinstimmung zwischen unseren Musikgeschmäckern festgestellt habe und weil ich lange schon keine Musik mehr käuflich erworben habe und weil die Künstler leben müssen, um weiterhin grossartige Musik machen zu können, besuchte ich erstmals in meinem Leben den iTunes Store, denn ich weiss: das ist die Zukunft. Ich kaufte dieses Album. Erste Überraschung: die Musikstücke werden im Format m4a ausgeliefert, lesbar für iTunes, nicht aber für mein Linux und den MP3 Player (ein Modell der Firma Cowon, hör mir auf mit dem iPod-Quatsch). Zum Glück lassen sich solche Probleme mit einem simplen Bash-Befehl erschlagen:

for file in *.m4a; do faad -o - "$file" | lame -V2 - "$(basename "$file" .m4a).mp3"; rm "$file"; done

Danach auf den Player geladen, die Play-Taste gedrückt und der Dinge geharrt, die da kommen werden.
Jetzt darfst du eines nicht vergessen: bei mir ist es so, dass ich immer einige Album-Durchläufe brauche, bis ich die Grösse einer Platte auch nur erahne. Auch diesmal war es nicht anders. Zuerst mochte ich nur den Song Demon Host, später dann auf einen Schlag We’ll Find Out, Magic Arrow und I Get Low, noch später alle anderen.
Heute kann ich sagen: ein rundum gelungenes Album. Ich weise darauf hin, dass einige Songs zwei Mal auftauchen, nämlich als Studio- wie auch als KCRW-Session Version (KCRW = US-Radiostation, bekannt für ihre cutting edge music). Tut aber der Grossartigkeit der Platte keinen Abbruch, eher im Gegenteil.
Der Musikstil wird von der Band selber als Gothic Rockabilly Blues bezeichnet. Ich schätze, das kommt hin. Wer mit dieser Beschreibung nichts anfangen kann (so wie ich), dem sei gesagt: Minimalistisch, zurückhaltend, behutsam, bisschen Gitarre, bisschen Perkussion, bisschen Orgel, und dann seine Stimme über allem.
Kaufen, kaufen, kaufen.

p.s. iTunes Store ist Schrott. Da muss es doch Alternativen geben. m4a, dass ich nicht lache. Müsste sich mal einer Gedanken machen dazu. Ich bin bereit, Geld für Musik auszugeben, aber ich will mich doch nicht mit solchen Formaten rumärgern.

Sister Hazel – Before the Amplifiers

Früher musste eine Band die Welt in Trümmer legen, um meiner Aufmerksamkeit gewiss zu sein. Die Band musste jung, wild, unverbraucht und ein bisschen kaputt sein (sprich Drogen im Kopf: wahlweise Alkohol, Teufelskraut, etc.).
Vor zwei Monaten hat mir Chrigu das Album Before the Amplifiers der US-Band Sister Hazel in die Hand gedrückt, mit besten Grüssen, unbedingt reinhören, es lohne sich. Hierbei handelt es sich um ein Akustik-Album, die Band war mir vollkommen unbekannt. Die Platte entwickelte sich in den vergangenen Wochen zum Dauerbrenner auf meinem iAudio U5 MP3 Player (der versteht auch OGG, liebe iPod-Jünger).
Das Album hat Ruhe in mein umtriebenes Musikleben gebracht. Immer gern gehört, wenn ich in Bus oder Zug sitze (was bekanntlich häufiger vorkommt). Lässt mich in angenehmen Gedanken schwelgen, hilft mir, wichtige Ideen zu entwickeln. Dabei war nicht mal nötig, was Chrigu mir ans Herz gelegt hat: Lautstärke aufdrehen! Geht auch so ganz gut rein.
Ich stelle fest, dass sich mein Musikgeschmack langsam wandelt, weg vom rabiaten Indie-Pop-Rock-Punk hin zu unaufgeregten Klanglandschaften. Akustikgitarre, Piano und so. Natürlich, manchmal habe ich meine Rückfälle und die Stromgitarre feiert ein kurzes Comeback, wenn Aggressionen abgebaut werden müssen, welche das Leben selbst gelegentlich aufschüttet. Aber das geschieht nicht mehr so oft wie früher, als alles noch Existentialismus war.

Tote Hose im Musikzoo

Seit Monaten (Jahren?) habe ich keine CD mehr gekauft. Das zeitgenössische Musikschaffen, es ist mir entglitten. Die letzte Platte, die ich mir kaufen wollte, war Johnny Cashs posthumes Werk American VI: Ain’t No Grave und dies vor allem deshalb, weil ich alle American Recordings Alben besitze und für gut befunden habe. Beziehungsweise besass; Sebe, wo zum Teufel steckt American III: Solitary Man, das ich in deines Vaters Wagen liegen liess, als wir nach Erlangen fuhren – na ja, du fuhrst und ich sass neben dir und sprach oder schwieg.
Jedenfalls, nach Cash kam nicht mehr viel. Nun bin ich auf der Suche nach neuen aufregenden Bands, wild, wütend, so wie die Arctic Monkeys for einigen Jahren. Oder die Strokes.
Wenn jemand eine solche Band kennt, die Gitarrenmusik spielt (Elektronisches und Sprechgesang sind meine Sache nicht), dann hier mal einen Kommentar hinkritzeln.
Ich bin ja nicht so der Download-Typ, ich kaufe mir lieber die CD mit Hülle und Booklet, ich muss das Werk in meinen Händen halten, wie früher, als es noch keine Kompression von Audiodateien gab. Nichts gegen MP3, ein wahrer Segen, aber trotzdem liebe ich meine Platten (wobei ich mit Platten stets CDs meine).
Wessen Tipp mich dazu verleitet, die Platte zu kaufen, hat ein Bier verdient. Ein Tannenzäpfle oder ein Boxer.

Bluffer’s Guide to the Flight Deck

Heute erst, zirka vier Jahre, nachdem ich das Album gekauft habe, wurde ich mir schlagartig der Grösse des Erstlingswerkes Bluffer’s Guide to the Flight Deck der britischen Band Flotation Toy Warning bewusst. Warum es so lange gedauert hat? Ich fand mich nicht auf Anhieb in dieser Musiklandschaft zurecht und so habe ich das Album beiseite gelegt und jahrelang nicht mehr gehört. Gekauft habe ich es damals, weil es in der Im Sumpf Jahreshitparade 2005 den 1. Platz belegt hat. Aber natürlich das Musikverständnis von Thomas Edlinger und Fritz Ostermayer ganz andere Liga als meine abgestumpfte Wahrnehmung, frage nicht.
Heute habe ich das Album wieder mal gespielt und ich war begeistert. In Wikipedia ist zu lesen, dass Flotation Toy Warning im kommenden Jahr ihr zweites Album veröffentlichen werden. Schon mal vormerken.