Weinberg

Seit beinahe 10 Jahren entwickle ich Software und werde dafür bezahlt. Viele Zeilen Code habe ich geschrieben und noch mehr habe ich gelesen. Gerald Weinberg hat meine Erfahrungen in einem einzigen Satz zusammengefasst:

If builders built buildings the way programmers wrote programs, then the first woodpecker that came along would destroy civilization.

Arnault

Und jetzt völlig aus dem Zusammenhang gerissen:

arnault

Die Geschichte dazu: Bernard Arnault, schwerreicher Geschäftsmann, verlässt Frankreich und beantragt die belgische Staatsbürgerschaft, weil er lieber in Belgien Steuern bezahlen möchte (kommt nämlich billiger). Die Franzosen sinken aber nicht auf die Knie und flehen ihn an, seine Entscheidung zu überdenken. Ganz im Gegenteil.

Ich mag die Unerschrockenheit und Prinzipientreue der Franzosen. Keine Sklaven des Geldes.

Lanier

When I talk to young people with startups, they are not saying, “We’re going to do this thing and we just have a feeling it’s important, we have a feeling it will matter to people, but we don’t know why or how.” Instead, they have this airtight worldview, as though what they’re doing is dictated by the zeitgeist. But in order to have culture, there has to be some little bubble that’s not meshed with everything else, within which something can brew. And you don’t get that when your startup is routed through a giant computer.
— Jaron Lanier

lanier

700 Intellektuelle beten einen Öltank an

Diese Woche habe ich nach langer Zeit wieder mal das Magazin DER SPIEGEL gekauft, denn ich unternahm eine mehrstündige Zugreise und da kann eine interessante Lektüre nicht schaden. Ich habe zahlreiche Artikel gelesen, unter anderem über die Schweiz und ihre Banken, Mark Twain, Helmut Kohl, Drohnen, den georgischen Wahlkampf, die Ultras des 1. FC Köln, die SPIEGEL-Affäre, ein Interview mit J. K. Rowling, aber auch einen Beitrag, der den Hype thematisiert, den das neue iPhone 5 entfacht, obwohl die Unterschiede zu dessen Vorgängermodell wie mir berichtet wird marginal sind. In diesem Zusammenhang wurde im SPIEGEL-Artikel ein Gedicht des grossen Bertold Brecht zitiert, das ich an dieser Stelle in voller Länge wiedergeben möchte, denn es entlarvt nicht nur den aktuellen Apple-Hype, sondern vieles andere, was uns umgibt. Brecht war ein Gigant.

Siebenhundert Intellektuelle beten einen Öltank an

Ohne Einladung
Sind wir gekommen
Siebenhundert (und viele sind noch unterwegs)
Überall her,
Wo kein Wind mehr weht,
Von den Mühlen, die langsam mahlen,
Und den Öfen, von denen es heißt,
Daß kein Hund mehr vorkommt.

Und haben dich gesehen
Plötzlich in der Nacht,
Öltank.

Gestern warst du noch nicht da,
Aber heute bist nur du mehr.

Eilet herbei, alle
Die ihr abgesägt den Ast, auf dem ihr sitzet,
Werktätige!
Gott ist wiedergekommen
In Gestalt eines Öltanks.

Du Häßlicher,
Du bist der Schönste,
Tue uns Gewalt an,
Du Sachlicher!

Lösche aus unser Ich!
Mach uns kollektiv!
Denn nicht wie wir wollen
Sondern wie du willst.

Und bist du nicht gemacht aus Elfenbein
Und Ebenholz, sondern aus
Eisen.
Herrlich, Herrlich, Herrlich!
Du Unscheinbarer!

Du bist kein Unsichtbarer,
Nicht Unendlich bist du!
Sondern sieben Meter hoch.
In dir ist kein Geheimnis
Sondern Öl.
Und du verfährst mit uns
Nicht nach Gutdünken, noch unerforschlich
Sondern nach Berechnung.

Was ist für dich Gras?
Du sitzest darauf.
Wo ehedem Gras war
Da sitzest jetzt du, Öltank,
Und vor dir ist ein Gefühl
Nichts.

Darum erhöre uns
Und erlöse uns von dem Übel des Geistes
Im Namen der Elektrifizierung
Der Ratio und der Statistik!

 

Haka

Seit ich regelmässig in Frankreich bin, habe ich begonnen, mich für Rugby zu interessieren (eine grosse Sache im Süden). Noch immer kenne ich nicht alle Regeln, aber darum gehts gar nicht. Rugby auf hohem Niveau ist schlichtweg ein wunderschöner eleganter Sport.

Momentan findet die Rugby-WM in Neuseeland statt und ich versuche so viele Spiele mitzunehmen wie ich kann. Heute nun das Vorrunden-Highlight: Neuseeland – Frankreich.

Es gibt im Rugby momentan fünf starke Mannschaften: Neuseeland, Australien, Südafrika, England, Frankreich. Alle anderen sind mehr oder weniger chancenlos. Nun also bereits in der Vorrunde Kampf der Giganten, wobei Frankreich eine B-Mannschaft in die Schlacht schickte. Der Grund ist mir nach wie vor nicht ganz klar, zunächst hiess es, um Australien (die völlig überraschend gegen Irland verloren haben) in den Viertelfinals aus dem Weg zu gehen, aber wenn ich mir die Viertelfinal-Paarungen anschaue, dann spielt die Frankreich-Gruppe nicht gegen die Australien-Gruppe. Wie auch immer, die alten Taktiker der Grande Nation haben ihre besten Leute geschont und eine Niederlage billigend in Kauf genommen. Ganz anders die Neuseeländer (All Blacks genannt). Deren Mentalität verbietet solcherlei taktische Manöver, denn sie wissen: wer Weltmeister werden will, muss alle putzen. Und das wollen sie. Und das können sie auch. Starke Truppe, sie sind der grosse Favorit und werden schwer zu bezwingen sein. Allerdings waren sie in den vergangenen zwei Dekaden häufiger mal der aussichtsreichste Titelanwärter und nie hat es geklappt (letzter Triumph: 1987), denn sie pflegen in den entscheidenden Spielen zu versagen. Bei der Heim-WM dürfte der Druck nicht unbedingt kleiner sein. Alles andere als ein Sieg wäre eine herbe Enttäuschung. Aber zweifellos haben sie die spielerische Klasse, um zu siegen.

Vor jedem Spiel zelebrieren die All Blacks einen Kriegstanz, den Haka, um ihrem Gegnern Kraft und Stärke zu demonstrieren und sie ein wenig einzuschüchtern. Ich habe den Tanz heute erstmals live gesehen. Ist schon beeindruckend. So sieht das aus:

http://youtu.be/I37QdK8vi9c

Das war die martialische Variante mit Kehle durchschneiden zum Schluss. Dies wahrscheinlich deshalb, weil die Franzosen sich erdreisteten, die letzten beiden WM-Spiele gegen sie zu gewinnen.

Der Haka hat seine Wirkung nicht verfehlt, die All Blacks siegten ungefährdet und überlegen mit 37 – 17.

Bilderflut

Diesen Eintrag habe ich vor zwei Jahren verfasst und nie veröffentlicht. Ich weiss gar nicht warum. Hier ist er:

Ich sitze in meinem alten Schlafzimmer in meinem Elternhaus, habe mein Notebook mitgebracht und warte darauf, mit Laure zu skypen. Ich blicke an die Wand vor mir, an der ich vor Jahren eine Bild-Collage angebracht habe, die früher in meiner Studentenbude im Personalhaus des Triemli-Spitals entstanden ist und die ich im Zimmer meiner Jugend wieder aufgebaut habe. Chaotische Installation, der lachende Einstein, der triumphierende Ali, Tommie Smith und John Carlos 1968 bei den Olympischen Spielen, Vietnam, russische Trinker, die orange Revolution in der Ukraine, Watson und Crick, Klitschko vs. Lewis, die singende Anderson, Wallensteins Tod, der Berg der Kreuze, betende Soldaten im Irak, Che Guevara, Guantanamo, Elend, Glück, Guernica, ein Selbstportait, ein strahlender Dalai Lama, der sagt:

Das Geschäftemachen und der Reichtum kann den Menschen nicht Zufriedenheit geben. Und jene, die in einem gewissen Lebensabschnitt ihre ganze Energie ins Geld machen stecken, werden eines Tags merken, dass dies nicht die Antwort auf ihr Leben ist.

Und dann weitere Zitate, auf Zettel gekritzelt und an die Wand geheftet, die zeigen, dass ich früher ein Linker war, der ich heute immer noch bin, aber nicht mehr so nachdrücklich (bisschen pragmatischer geworden in den vergangenen Jahren).

Einer hat mal gesagt:
Arbeitet, als würdet ihr kein Geld brauchen.
Liebt, als hätte euch noch nie jemand verletzt.
Tanzt, als würde keiner hinschauen.
Singt, als würde keiner zuhören.
Lebt, als wäre das Paradies auf der Erde.

All things must come to pass as one
So hope should never die
There is no height or bloody might
That a freeman can’t defy.
There is no source or foreign force
Can break one man who knows
That his free will no thing can kill
And from that freedom grows.
— Bobby Sands

Wann ist denn endlich Frieden
In dieser irren Zeit
Das grosse Waffenschmieden
Bringt nichts als grosses Leid.
Die Welt ist so zerrissen
Und ist im Grund so klein
Wir werden sterben müssen
Dann kann wohl Friede sein.