Wenn du das Haus verlässt, beginnt das Unglück

Max Küng natürlich einer meiner Lieblingskolumnisten des Tagimagi. Grossartige Artikel verfasst und seine beiden Reportagen-Sammelbände Einfälle kennen keine Tageszeit und Buch No. 2 sind allerbeste Klobücher (denn auf dem Klo lese ich gerne Reportagen).

Wie auch immer, Maxim Biller empfahl als allerletztes Buch anlässlich seines allerletzten Auftritts im Literarischen Quartett zu meiner grossen Überraschung das Küng-Buch Wenn du das Haus verlässt, beginnt das Unglück. Typischer Küng Titel.

Als ich Wochen später in der Buchhandlung stand, in meiner linken Hand den Küng und in meiner rechten Hand den neuen Lüscher, da entschied ich mich für den Küng, obwohl ich ahnte: Küng ist ein Mann für die Kurzstrecke, einen ganzen Roman könnte ihm Schwierigkeiten bereiten. Aber er hält sich nicht schlecht.

Witzig geschrieben und alles, das Problem ist bloss: seltsam langweilige Geschichte. Es wird der Alltag der Bewohner eines Wohnhauses erzählt, welche alle die Kündigung erhalten, weil das Wohnhaus renoviert werden soll (um später zu horrend gestiegenen Mietzinsen wieder auf den Immobilienmarkt geworfen zu werden). Interessantes Personal, Tragik, Liebe, Narzissmus, alles da, aber nichts ist zwingend, nichts mitreissend. Ich lese und frage mich am Ende: was soll ich damit?

Zu Beginn beschlich mich das Gefühl: er will ein bisschen schreiben wie Suter. Dieser Eindruck blieb bis zum Ende bestehen. Küng ist aber nicht Suter, weil kein verwinkelter Plot, sondern lustige Episoden aus mehreren Leben.

Ich will nicht zu negativ klingen, der Roman ist gute Unterhaltung, aber es bleibt nichts. Um wieder mal Kafka zu zitieren: ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Macht nichts Max, diesem Anspruch werden ohnehin nur wenige Romane gerecht.

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