Letztes Wochenende habe ich mit Laure die Kunstmesse in Köln besucht. Auf zwei Stockwerken haben Dutzende von Galerien ihre Werke zur kritischen Beobachtung aufgebaut. Praktisch unmöglich, das alles an einem Nachmittag zu sehen. So schlenderten wir durch die Bilderflut, entdeckten hier einen Picasso und dort einen Kandinsky, auch CoBrA war da, alles wunderbar. Mein heimliches Ziel war es, ein Kunstwerk für 50 Euro zu erstehen. Für ein Bild des Künstlers Karel Appel, das mir ausgesprochen gut gefiel, war ich bereit, diesen stattlichen Betrag auszugeben, leider wollte der Händler 135′000 Euro dafür haben. Nicht ganz meine Kragenweite.
Am Ende des Nachmittags war unser Kunsthunger gestillt und wir schauten uns mit Brigitte, die uns nach Köln begleitet hatte, noch den Dom an. Als wir das Gotteshaus verliessen, sind da plötzlich all die Fans der Roten aufgetaucht, teilweise stark angetrunken, mit rauen Stimmen und zufriedenem Lächeln auf ihren Gesichtern, was mich glauben liess, dass es Hannover 96 gelungen sein könnte, das übermächtige Bayer Leverkusen zu besiegen. Ein Traum, der sich zerschlug, als im Zug zurück nach Mannheim die Ergebnisse der 1. Bundesliga übermittelt wurden. Wäre auch zu schön gewesen.
Archive for April, 2010
Art Cologne
Friday, April 30th, 2010Die Wohlgesinnten
Thursday, April 29th, 2010Ich nahm den Urlaub in Frankreich zum Anlass, das Buch Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell zu lesen. Der Roman erzählt die Geschichte des Zweiten Weltkrieges aus der Perspektive des fiktiven SS-Offiziers Maximilian Aue, der seine Erinnerungen niederschreibt. Ein monumentales Werk von grosser Strahlkraft, aber natürlich grausam, an der Grenze des Erträglichen. Nichts wird ausgelassen: Das Pogrom von Babyn Jar, Stalingrad, Auschwitz. Ersteres wird in allen Einzelheiten geschildert, von der Planung des Massakers bis zur Durchführung, da hätte ich echt kotzen können. Und immer wieder denkt man: wie konnten diese Menschen das nur tun? Aber eines darfst du nicht vergessen (S. 34):
Die moderne Geschichte hat, denke ich, hinreichend bewiesen, dass jeder Mensch, oder fast jeder, unter gewissen Voraussetzungen das tut, was man ihm sagt; und, verzeiht mir, die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass ihr die Ausnahme seid – so wenig wie ich. Wenn ihr in einem Land und in einer Zeit geboren seid, wo nicht nur niemand kommt, um eure Frau und eure Kinder zu töten, sondern auch niemand, um von euch zu verlangen, dass ihr die Frauen und Kinder anderer tötet, dann danket Gott und ziehet hin in Frieden. Aber bedenkt immer das eine: Ihr habt vielleicht mehr Glück gehabt als ich, doch ihr seid nicht besser.
Im Prolog kommt er auch auf die Schuld zu sprechen (S.32):
Hier wurden im Rahmen einer Rechtsordnung ausgewählten Kranken in einem Gebäude von regulären Krankenschwestern in Empfang genommen, registriert und entkleidet; Ärzte untersuchten sie und führten sie in eine Kammer, die hermetisch verschlossen wurde; ein Arbeiter öffnete die Gaszufuhr, anderer reinigten die Kammern; ein Polizist stellte die Sterbeurkunde aus. Nach dem Krieg befragt, antwortete ein jeder von ihnen: Ich, schuldig? Die Krankenschwester hat niemanden getötet, sie hat die Kranken lediglich entkleidet und beruhigt, die üblichen Handreichungen ihrer Zunft. Auch der Arzt hat nicht getötet, sondern lediglich eine Diagnose nach Kriterien bestätigt, die von anderen Instanzen vorgegeben waren. Der Hilfsarbeiter, der den Gashahn aufdreht, der Mann also, der in Zeit und Raum dem Mord am nächsten kommt, führt unter der Aufsicht seiner Vorgesetzten und der Ärzte eine bestimmt Verrichtung aus. Die Arbeiter, welche die Kammer säubern, genügen damit einer hygienischen Pflicht, einer höchst abstossenden noch dazu. Der Polizist nimmt eine Amtshandlung vor, wenn er den Tod beurkundet und anmerkt, dass er ohne Verstoss gegen geltendes Recht eingetreten ist. Wer ist also schuldig? Alle oder niemand? Warum sollte der an den Gashahn gestellt Arbeiter grössere Schuld auf sich laden als der Arbeiter, der für die Heizung, den Garten oder die Fahrzeuge zuständig ist? Das gilt für alle Aspekte dieses ungeheuren Unternehmens.
Darin zeigt sich der ganze Wahnsinn des Systems. Darüber sollte man nachdenken. Lange und intensiv.
Dieser Roman ist wichtig und muss gelesen werden. Also los, ab in die Buchhandlung und das Taschenbuch erstehen.
Feld-Wald-Wiese
Thursday, April 29th, 2010Als ich im Zug nach Speyer sass, las ich ein kleines Büchlein: Feld-Wald-Wiese, ein Bericht über die Hooligan-Szene des FC Zürich. Sehr unterhaltsam, insbesondere für Leute, die den Film Fight Club mögen. So lange sich diese Bekloppten in den Wäldern treffen, um sich die Köpfe einzuschlagen, soll mich das nicht stören.