Archive for February, 2010

Paintball

Saturday, February 27th, 2010

Nach einer eher enttäuschenden Vorrunde der zweiten Mannschaft des HSV Halten wurde an einem ausserordentlichen Workshop zu Beginn des Jahres beschlossen, dass der Mannschaftsgeist unbedingt und umgehend gestärkt werden muss. Jetzt Frage: wie stärkt man den Mannschaftsgeist einer verunsicherten 5.Liga Fussballmannschaft? Richtig, indem sich die Spieler beim Paintball gegenseitig niederzumetzeln.
Paintball ist eine neuartige Freizeitbeschäftigung. Im wesentlichen geht es darum, sich mit einer Farbpistole bewaffnet hinter Schutzwällen zu verstecken und gegnerische Spieler abzuknallen, wenn sie dir vor die Flinte laufen. In Grellingen gibt es eine Paintball-Halle, ungefähr 15×50 Meter gross, vollgestellt mit groben Holzverschlägen, hinter die sich der geübte Spieler in Deckung begeben kann.
Kurze Instruktion, dann rein in den Ganzkörperanzug, Schutzmaske aufgesetzt, Waffe behändigt, Druckluft reingepumpt, mit 200 Farbkugeln aufmunitioniert und schon kann es losgehen. Ich fand mich im Team mit den roten Baseball-Mützen wieder, das, wie sich bald zeigen sollte, ihren Widersachern mit den schwarzen Kopfbedeckungen nicht gewachsen war. Wir bestritten ein Dutzend Schlachten und gewannen deren drei, in der Regel wurden wir jedoch von der schwarzen Walze überrollt. Gegen Ende des Gemetzels gingen meine Farbkugeln zur Neige, und da ich keine Lust verspürte, reales Geld in Munition zu investieren, änderte ich kurzerhand meine Taktik und versteckte mich in der sicheren Deckung weit in unserer Zone, rollte ein bisschen hier hin und ein bisschen dort hin, feuerte ab und zu eine Farbkugel ab, verharrte aber meistens hinter einer Holzwand und dachte nach über die Grausamkeit des Krieges. Irgendwann tauchten unverhofft die schwarzen Krieger auf und streckten mich nieder. Erschwerend kam hinzu, dass ich nach einigen Runden nicht mehr viel sehen und auch nicht mehr beurteilen konnte, wo meine Geschosse einschlugen, obwohl ich mein Visier stets gewissenhaft reinigte. Schlechte Voraussetzungen, um einen Krieg zu gewinnen. Und eines darfst du nicht vergessen: aus kurzer Distanz abgefeuert brennt die zerspringende Farbkugel ganz ordentlich, Schutzanzug hin oder her.
Dieser Nachmittag bot mir einen interessanten Einblick in eine völlig fremde Welt. Ich denke, dass mir diese Welt auch in Zukunft fremd bleiben wird, denn ich werde meine Paintball-Karriere voraussichtlich nicht fortsetzen, vor allem deshalb, weil ich zu alt, zu langsam und zu blind für diesen Sport bin. Aber trotzdem schön, dabei gewesen zu sein.

Alina Yael

Saturday, February 27th, 2010

Gestern frühmorgens um 2:30 gebar meine Schwester eine Tochter, die den Namen Alina Yael trägt.
Herzlich willkommen!
Du wurdest in eine Welt geborgen, die mit den Nachwehen einer Finanzkrise kämpft, welche durch die Gier einiger skrupelloser Idioten verursacht und befeuert wurde. Mit Barack Obama ist erstmals ein Mann afro-amerikansicher Herkunft Präsident des mächtigsten Landes der Welt, den Vereinigten Staaten von Amerika. Eine Frau (Angela Merkel) ist deutsche Bundeskanzlerin und ein Homosexueller (Guido Westerwelle) ist deutscher Aussenminister. Wunderbar, wir sind auf dem Weg zu einer farbenfroheren, pluralistischeren Welt. China hat sich aufgemacht, zum einflussreichsten Land der Erde aufzusteigen. Die Schweiz macht sich langsam mit dem Gedanken vertraut, dass das Bankgeheimnis vom Strom der Geschichte weggeschwemmt wird und hat an der Morgen zu Ende gehenden Olympiade in Vancouver 6 Gold- und 3 Bronzemedaillen errungen.
Die drei meistbesuchten Internetseiten sind

  1. google.com
  2. facebook.com
  3. yahoo.com

Zur Feier deiner Geburt habe ich gestern Abend ein Tannenzäpfle Bier getrunken.

2666

Sunday, February 21st, 2010

Nach zweimonatiger Lesereise vorwiegend in Zügen und Bussen habe ich Roberto Bolanos 2666 zu Ende gelesen. Ein grosses Buch, wenn auch seltsam, beklemmend, dunkel, verstörend, aber von einer ausserordentlichen sprachlichen Meisterschaft. Der Roman besteht aus fünf Teilen, die allesamt einen Bezug zur fiktiven mexikanischen Stadt Santa Teresa haben, hinter der sich das reale Ciudad Juárez verbirgt, wo in den 90ern junge Frauen zu hunderten unter ungeklärten Umständen ermordet wurden. Der erste Teil handelt von vier Literaten, die auf der Suche nach dem verschollenen deutschen Schriftsteller Benno von Archimboldi nach Santa Teresa gelangen. Der zweite Teil erzählt die Geschichte des chilenischen Literatur-Professors Amalfitano, der in Santa Teresa lehrt und lebt. Der dritte Teil kreist um den schwarzen US-Journalisten Fate, der über einen Boxkampf in Santa Teresa berichten soll, sich aber zunehmend für die Frauenmorde zu interessieren beginnt, bevor er in die USA zurückgerufen wird. Der vierte Teil ist den Frauenmorden gewidmet und der letzte Teil dem Leben Archimboldis.
Bolano schreibt Sätze wie diesen: Manchmal stürzte er sich zusammen mit seinen Kameraden in die Eroberung einer feindlichen Stellung, ohne die geringste Vorsichtsmassnahme, was ihm den Ruf der Kühnheit und Tapferkeit eintrug, obwohl er bloss eine Kugel suchte, die seinem Herzen Frieden brachte. (S.850)
Das sind natürlich Sätze, die nicht viele zu schreiben im stande sind. Und obwohl sich mir die Botschaft des Romans nicht vollständig erschliesst, ist die Sprache doch wunderbar. Man versinkt darin und wird von ihr verschlungen.
Ich bin ohnehin ein grosser Fan südamerikanischer Autoren, insbesondere liebe ich die üppige Sprache Gabriel Garcia Marquez, und Bolano zeigt mir nun, dass ich noch viel mehr Bücher süd- oder mittelamerikanischer Schriftsteller lesen muss. Generell mehr lesen. Kann nicht schaden.

Schabrackentapir

Sunday, February 14th, 2010

Letzen Freitag fuhren wir nach Stuttgart, um ein Konzert des Liedermachers Funny van Dannen zu besuchen. Meine Schwester hatte mir zum Geburtstag zwei Tickets geschenkt. Die Veranstaltung sollte ursprünglich am 19. Dezember über die Bühne gehen, doch nach diversen Verschiebungen und Lokalitätswechseln wurde schliesslich das Kulturzentrum Zapata zum Austragungsort auserkoren. Eine Menge Leute waren da, das Publikum bunt gemischt, von 3-70 Jahren alles dabei, leicht links-alternativ angehaucht, erwartungsfroh. Irgendwann trat Funny dann auf die Bühne mit seiner Gitarre und einem Stapel Liedertexten. Einige einleitende Worte, verschmitztes Lächeln, dann begann er zu spielen. In einer ersten Phase vorliegend Titel seines aktuellen Albums Saharasand, später dann plünderte er wahllos die reichen Bestände seines Liederarchivs. Du darfst nicht vergessen: Funny van Dannen hat ungefähr ein Dutzend Alben veröffentlicht und auf jedem Tonträger schlummern durchschnittlich 20 Songs, wir sprechen also von ungefähr 240 Liedern. Da kann man aus dem Vollen schöpfen.
Irgendwann begannen die Leute, ihre Wunschlieder reinzuschreien und Funny spielte, was sie hören wollten. Er gab alle grossen Hits zum besten, von denen ich viele gar nicht kannte:

Grooveman
Herzscheisse
Schilddrüsenunterfunktion
Kapitalismus
Gutes tun
Vaterland
Korkenzieherlocken
Plastikball
Saufen
Lesbische schwarze Behinderte
Ich habe einen Arbeitsplatz vernichtet
Nebelmaschine
Okapiposter
Nana Mouskouri

Die Titel der Lieder lassen auf einen grossartigen Abend schliessen und das war es auch. Einzig Uruguay fehlte.
Nach zirka 40 musikalischen Beiträgen und zwei Zugaben schloss Funny van Dannen seinen Vortrag mit dem letzten Lied des aktuellen Albums ab und verliess die Bühne, nachdem er sich unter tosendem, nicht abbrechen wollendem Applaus und einem schlichten Merci. Tschüss. vom Publikum verabschiedet hatte.

Für alle Fans hier noch das Okapiposter:

Wer Funny van Dannen nicht kennt, muss sich das Lied vielleicht mehrmals anhören, um gefallen daran zu finden.

Baker Miller Pink

Sunday, February 14th, 2010

Heute einen interessanten Artikel im Magazin gelesen. In der Haftanstalt in Pfäffikon gibt es eine Zelle, deren Boden, Decke und Wände pink gestrichen sind. Aggressive Häftlinge werden darin eingesperrt. Dann kehrt Ruhe ein. Alle Wut verfliegt.
Basiert auf Erkenntnissen des Wissenschaftlers Alexander Schauss. Er beobachtete, dass sich randalierende Gefängnisinsassen beim Anblick der Farbe Pink innert einer Viertelstunde beruhigen. Daraufhin komponierte er eine Farbe mit dem Namen Baker Miller Pink. Die Eintrittszelle eines amerikanischen Knasts wurde mit dieser Farbe gestrichen. Der Erfolg war überwältigend: keiner der Inhaftierten liess sich zu einer Aggression hinreissen.
Jetzt pass auf: 1998 pinselte das Fussballteam der Universität von Iowa die Umkleidekabinen ihrer Gegner rosa. Die Wirkung muss frappant gewesen sein: Kurz darauf erliess die Western Athletic Associaton ein Gesetz mit der Vorschrift, in Sportanlagen müssten alle Umkleidekabinen im gleichen Farbton gestrichen sein.
Ende März beginnt die Rückrunde mit dem HSV. Momentan stehen wir auf dem letzten Platz. Wir sollten uns ernsthaft die Frage stellen, ob die Umkleidekabine der Gegner nicht neu gestrichen werden sollte.

remember frank zappa

Monday, February 8th, 2010

Ein Zitat von Frank Zappa:

remember, information is not knowledge,
knowledge is not wisdom
wisdom is not truth
truth is not beauty
beauty is not love
love is not music
music is the best

Der Musik-Teil ist Quatsch, aber hey, es ist Frank Zappa, was hast du erwartet. Was den ganzen Rest angeht, da muss ich sagen, hat er nicht unrecht, der Frank.