Archive for September, 2009

Das Biest besiegen

Wednesday, September 30th, 2009

Grosse Werke gilt es dieses und nächstes Jahr zu lesen:

  • Brüder von Yu Hua. Das chinesische Epos.
  • Unendlicher Spass von David Foster Wallace. Die literarische Sensation des Jahres.
  • Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell. Das französische Erdbeben.
  • 2666 von Roberto Bolano, die mexikanisch-chilenische Offenbarung.

Und dann ist da immer noch James Joyces Ulysses, dieser Jahrhundertroman, an dem ich bereits mehrmals gescheitert bin. Irgendwann werde ich ihn bezwingen, diesen Dämon.

p.s. Fünf Bücher, alles zusammen schlappe 5900 Seiten. Da siehst du, was es geschlagen hat.

p.p.s. Amazon vermag zu beeindrucken: Die stellen den Zusammenhang zwischen Wallace und Bolano mühelos her, quasi kaufen im Doppelpack, nachdem ich mir seit Minuten den Kopf zermartert habe, wie Buch und Autor heissen. 2666! Bolano!

Funny van Dannen

Tuesday, September 29th, 2009

Seit ich nicht mehr regelmässig den fantastischen österreichischen Radiosender FM4 höre, stolpere ich nur noch selten über solche Highlights des Songwriting:

Funny van Dannen, ein Gigant. Kenne ich natürlich auch aus meiner FM4-Zeit, sein aktuelles Album damals hiess Herzscheisse. Ist jetzt auch schon einige Jahre hin. Ich habe irgendwo gelesen, dass van Dannen gelegentlich Songs schreibt für die Toten Hosen. Hoppla. Sein eigenes Zeug ist aber bedeutend lustiger. Wer sonst könnte einen Song verfassen mit dem Titel Lesbische schwarze Behinderte.
Oder den da:

Une claque: des Rätsels Lösung

Monday, September 28th, 2009

Jetzt habe ich es rausgefunden: die Musik der Orange-Werbung stammt von Ludovico Einaudi. Der Song heisst Divenire. Eine Art Pop-Klassik: federleicht, simpel in ihrer Struktur, eingängig.

Anektote zur Senkung der Arbeitsmoral

Sunday, September 27th, 2009

Ich kann mich erinnern, dass ich Heinrich Bölls Kurzgeschichte zu Kantonsschulzeiten in einem Wirtschaftsbuch (!) gelesen habe. Sie fiel mir wieder ein, als wir heute Morgen bei Sonnenaufgang an der südfranzösischen Küste entlangschipperten.
Für alle Interessierten: Anektote zur Senkung der Arbeitsmoral (ich weiss nicht genau, wie legal das ist, aber ich habs im Internet gefunden und Böll würde sich sicher freuen).
Die Kurzgeschichte handelt von einem Touristen und einem Fischer, die in ein Gespräch geraten und ihre verschiedenen Meinungen zur Arbeitsethik und Lebenseinstellung austauschen. Bisschen gegen den Materialismus angeschrieben. Ironischer Blick auf Leistungswahn und stumpfe Betriebsamkeit.

Une claque. Une claque.

Sunday, September 27th, 2009

Ich weiss nicht genau warum, aber ich liebe diese Werbung:

Oft gesehen in Frankreich, schaue ich mir immer wieder gerne an. Ich glaube unterdessen, dass es an der Musik liegt.

Wenn man gegen sein eigenes Talent arbeitet, wird es grausam

Sunday, September 27th, 2009

Sven Regener in einem Interview mit dem Magazin der Zeit:

ZEITmagazin: Sie haben mit Herr Lehmann sensationellen Erfolg gehabt, es war Ihr erstes Buch. Sie sagten mal, Sie haben das Buch begonnen, nachdem Sie beschlossen hatten, genaue Beschreibungen von Menschen wegzulassen, und zwar deshalb, weil Sie es nicht können.

Regener: Es geht darum, sich die Freiheit zu nehmen, das zu tun, was man kann. Das ist beim Schreiben so und in der Musik auch. Ich brauche die genauen Beschreibungen auch als Leser nicht, die buschigen Augenbrauen, der kunstvoll geschwungene Mund. Ich lese da immer drüber hinweg. Andere finden das ganz toll, aber ich nicht, also lass ich es. Ich produziere ja auch Musiker. Ich finde immer deren Eigenheiten, das Spezielle interessant. Das versuche ich herauszuarbeiten. Manchmal sagen sie am Ende: Du hast eine Freakshow aus uns gemacht. Ich sage, nee, diese Richtung ist dein Weg, nur so wirst du wahrgenommen. Der Versuch, Mainstream zu machen, nur weil es Erfolg verspricht, geht immer schief. Wenn man gegen sein eigenes Talent arbeitet, wird es grausam.

Der Brenner und der liebe Gott

Saturday, September 26th, 2009

Mit leuchtenden Augen hat mir Mitbewohner Strub die freudige Nachricht überbracht: ein neuer Brenner-Roman wurde veröffentlicht, nachdem Wolf Haas nie wieder ein Brenner-Abenteuer niederschreiben wollte. Da kannst du exemplarisch sehen: er kann nicht anders, der Haas. Der Brenner in ihm ist einfach zu stark. Der muss aus ihm raus und zwischen Buchdeckel geklemmt werden.
Ich natürlich gleich in den Buchladen Stauffacher, eigentlich um Foster Wallace’ Jahrhundertroman zu kaufen, und was sehe ich da feinsäuberlich aufliegen bei den Kriminalroman-Neuheiten? Der neue Brenner! Sofort zur Kasse damit und verschlungen das Buch. Was soll ich dir sagen: Als ob er nie weggewesen wäre. Der Roman ist fantastisch, ein hervorragender Brenner-Roman, ich bin noch immer ganz begeistert. Der Plot haarsträubend wie immer und der Brenner ist der Brenner, Weltklasse Hilfsausdruck. Ich weiss gar nicht, warum die da oben in Stockholm nicht endlich mal erwachen und Wolf Haas den Nobelpreis zusprechen.
Es bleibt zu hoffen, dass der grosse Haas weiterhin seine Brenner-Romane schreibt, denn wenn wieder mal einer erscheint, dann siehst du erst, wie traurig und leer die Zeit ohne den Brenner war. Wer immer noch keinen Brenner-Roman gelesen hat, sollte sich schleunigst mal die Gesamtausgabe beschaffen und dann los. Eine derart komplexe Figur wie der Brenner, da kannst du dein Leben lang um ihn herumlesen und wirst ihn trotzdem nie ganz verstehen. Da höre ich dich schon sagen: wenn man ihn nie ganz versteht, dann kann ich ja auch später damit beginnen. Aber eben genau der falsche Denkansatz, denn: je mehr vom Brenner du liest, desto glücklicher wirst du sein. Darum kann heute nicht früh genug sein.

Ferien: So long, and thanks for all the fish

Saturday, September 26th, 2009

Drei wunderbare Wochen in Frankreich gehen zu Ende. Heute Abend haben wir die letzte Flasche Champagner anlässlich des letzten Aperos entkorkt. Ein wenig traurig blickten wir in unsere Gläser, aber hey, Kopf hoch, wir werden zurückkehren und weitere Champagner der Manufaktur M. Hostomme durch unsere Kehlen fliessen lassen. Am Montag werde ich mich völlig entspannt an meinen Arbeitsplatz begeben und für den telekommunikativen Fortschritt in der Welt kämpfen.
Wie soll man diese Ferien in wenigen Worten zusammenfassen? Am besten brachte es ein T-Shirt auf den Punkt, das sich über den beachtlichen Bauch eines Touristen spannte: La vie est simple. Manger. Dormir. Boire du vin. Oder eben Champagner.

Ferien: Am Strand

Wednesday, September 23rd, 2009

Heute haben wir uns erstmals zum Strand begeben, nachdem das Wetter sich in den letzten Tagen gehörig verbessert hat und das Meer sich erwärmte. Am Strand bin ich immer froh, dass niemand mich kennt, denn inmitten der braungebrannten Franzosen fühle ich mich stets ein wenig deplatziert. Bei mir keine Anzeichen von Bräunung feststellbar, Weissbrot Hilfsausdruck. Aber was solls, da muss man durch. Zum Glück gibt es immer eine Handvoll Briten, die ähnliche Voraussetzungen mit an den Strand bringen.
Das Meer, es war salzig und wild. Eine Woge nach der anderen zerbarst an der Brandung und ich mittendrin in den Wellen. Herrlich. Da kann man sie förmlich fühlen, die Kraft der Natur.
Leider wurde es relativ rasch langweilig am Strand, weshalb wir nicht allzu lange geblieben sind. Aber wir kommen wieder, bestimmt.

Ferien: Interdit, attention, non

Wednesday, September 23rd, 2009

Leben in Frankreich, das bedeutet nicht nur Spass, Glück und Champagener. Natürlich nicht. Laures Neffe Raphael ist 15 Monate alt und beginnt zu sprechen. Seine ersten drei Worte waren (kein Scherz) interdit, attention und non. Da siehst du mal. Besonders dem Wort interdit ist er geradezu verfallen, immer wieder schleuderte er es uns entgegen. Natürlich ist er sich dessen Bedeutung nicht bewusst. Er mag lediglich den lieblichen Klang, die Einträchtigkeit, mit der die drei Silben nebeneinander stehen, aber trotzdem ein wenig irritierend, immerzu dieses Wort aus dem Munde eines Kleinkindes zu hören. Interdit, interdit, interdit.
Laures Eltern haben versucht, ihm eine Gegenformel einzuimpfen: tout permis. Hat leider nicht geklappt, er ist noch immer völlig vernarrt in interdit. Welch ein Start ins Leben.