Archive for August, 2009

HSV Halten – FC Leuzigen: 3 – 0

Monday, August 31st, 2009

Welch eine traumhafte Wende zum Besseren nach dem verpatzten Auftritt beim HNK Croatia keine zwei Tage zuvor. Dr. Jekyll and Mr. Hide nichts dagegen.
Der HSV war nicht wiederzuerkennen, was (und dies darf der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt bleiben) durchaus auch am Gegner lag. Die Fussballfreunde aus Leuzigen traten mit einer bunt gemischten, aber insgesamt mit wenig Durchschlagskraft gesegneten Mannschaft auf dem Spiegelberg an. Sie liessen die Haltener gewähren, beobachteten angeregt, was die Einheimischen mit dem Ball anstellten, wie sie ihn mühelos tanzen liessen. Die Leuziger griffen selten ein, liessen den Einheimischen den Vortritt, wollten bescheidene demütige Gäste sein. Der HSV gestaltete das Spiel angesichts der zugestandenen Freiheiten überlegen, man baute die Vorstösse behutsam aus der Abwehr auf, liess den Ball geduldig in der Verteidgung zirkulieren, bis sich eine geeignete Anspielstation anerbot und man das runde Leder weiterreichen konnte. Bisweilen verlor man die Geduld und gab den Ball mit leichtfertigen Fehlzuspielen aus der Hand, doch bald schon befand er sich wieder in den Reihen der Haltener, denn lange konnten ihn die Leuzigen nicht halten. Aus der offenkundigen Überlegenheit resultierten in regelmässigen Abständen Tore für den HSV: zwei in der ersten und eines in der zweiten Halbzeit, wobei sich Topskorer Rhyner mit zwei herrlichen Treffern hervortat und Gugelmann mit einem spektakulären Abschluss (subjektives Empfinden) sein erstes Tor für den HSV seit den C-Junioren (Einschätzung des Torschützen) erzielte.
Ein gemächliches und höchst erfolgreiches Trainingsspiel, das mit dem ersten Vollerfolg in der noch jungen Spielzeit versüsst wurde.

Tore: 1:0 (Rhyner), 2:0 (Gugelmann), 3:0 (Rhyner)

Am Beispiel des Hummers

Monday, August 31st, 2009

Ich habe vorletzte Woche im SPIEGEL einen Bericht über David Foster Wallace gelesen, einen US-Autoren, der im vergangenen Jahr freiwillig aus dem Leben geschieden ist, nachdem er sich 30 Jahre lang schwerer Depressionen erwehren musste. Das Antidepressivum veränderte ihn, er hatte das Gefühl, dass der Wirkstoff seine Emotionen bremste. Er konnte nicht mehr schreiben, setzte das Medikament kurzerhand ab und beendete sein Leben.
Richard Powers sagt über ihn: Der Beste unserer Generation.
Foster Wallace schrieb komplexe Romane, aber auch längere Reportagen, die in Buchform erschienen sind. Ich bestellte Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich, ein Erfahrungsbericht einer Kreuzfahrt auf einem Luxusdampfer, doch leider verzögerte sich die Auslieferung des Buchs aus unerfiindlichen Gründen. Also bestellte ich ein anderes Werk: Am Beispiel des Hummers, eine Reportage vom Maine Lobster Festival. Ich habe das Büchlein unterdessen drei Mal gelesen. Foster Wallace durchdringt seinen Forschungsgegenstand geradezu, seine Beschreibungen gehen weit über das Ereignis des Lobster Festivals hinaus. Er erläutert Herkunft und Physiognomie des Hummers, um dann ausgiebig die beklemmende Frage zu erörtern, welche neurologischen Prozesse im Hummer ablaufen, wenn er in das kochende Wasser geworfen wird. Die Reportage war für die Feinschmecker-Zeitschrift Gourmet bestimmt. Ein brillanter Text. Wissenschaftliche Tiefe, philosophische Ausflüge, eine mächtige Sprache, Hyperrealismus, eine Prise Humor auch immer dabei.
Foster Wallace’ Hauptwerk Infinite Jest wurde in sechsjähriger Arbeit ins Deutsche übersetzt, es umfasst 1500 Seiten und liegt seit einigen Tagen unter dem Titel Unendlicher Spass in den Buchhandlungen. Leider noch nicht im Stauffacher. Aber sobald ich das Buch entdecke, werde ich es kaufen.

HNK Croatia – HSV Halten: 4 – 0

Monday, August 31st, 2009

Was sich am Donnerstag Abend auf dem Sportplatz Brühl zu Solothurn zugetragen hat, spottet jeder Beschreibung und muss aus Sicht des HSV als veritables Fussballdebakel bezeichnet werden.
In der vergangenen Spielzeit siegte man in der Vorrunde gegen den HNK Croatia komfortabel mit 4:0, um in der Rückrunde knapp mit 1:0 zu unterliegen. Durchaus eine Mannschaft in Reichweite also. Könnte man meinen.
An jenem Abend aber wurde der HSV von einem gefällig aufspielenden, aber keineswegs übermächtigen Gegner zermürbt, demontiert, niedergerungen, vorgeführt.
Sehr schnell wurde klar, dass die Kroaten die technisch feinere Klinge führten, doch der HSV hielt zunächst mit Kampf und Einsatz dagegen. Die Stirn des Haltener Übungsleiters an der Seitenlinie legte sich angesichts der im Vergleich zu den ersten Spielen dieser Saison ungleich höheren Fehlpassrate in tiefe Falten. Nachdem man das kroatische Startfeuerwerk unbeschadet überstanden hatte, glich sich das Geschehen auf dem Rasen mit zunehmender Spielzeit aus und beinahe schien es, als ob der HSV die Partie langsam in den Griff bekam. Die Anakonda umschlingt sanft ihre Beute, um sie langsam zu ersticken. Kurz vor der Pause befreite sich aber das vermeintliche Opfer auf spektakuläre Art: eine unübersichtliche Situation im Haltener Strafraum, die Abwehr brachte den Ball nicht aus der Gefahrenzone und aus einem Gewühl heraus erzielte Croatia den ersten Treffer, dem noch vor der Pause das 2:0 folgte (ein perfide abgefälschter Ball von der Stafraumgrenze).
In der zweien Halbzeit schickte sich der HSV wie so oft klaglos in die Niederlage. Es war kein Wille erkennbar, das Ruder nochmals herumzureissen. Ein altbekanntes Phänomen, das dem HSV bereits in vergangenen Spielzeiten viele unnötige Niederlagen beschert hat: nach dem ersten Gegentor greift eine Art mentale Blockade um sich, welche zu einem starken Abfall der Leistungsfähigkeit führt und einen teuflischen Abwärtsstrudel in Gang setzt. Das geordnete Aufbauspiel misslang gründlich, die händeringenden Mittelfeldspieler fanden keine Anspielstationen und die Stürmer sahen selten brauchbare Bälle. Das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Mannschaftsteilen war weitestgehend inexistent. Die meisten Spielzüge versandeten im Nichts.
So war es denn wenig erstaunlich, dass der HSV sich über das ganze Spiel keine nennenswerten Torchancen erarbeiten konnte, der HNK Croatia aber nach der Pause noch zwei weitere Treffer erzielte.
Ein Spiel zum Vergessen, sofort aus den Köpfen verbannen, nach vorne blicken.
Und immer schön an den grossen Sam Beckett denken:
Ever tried. Ever failed.
No matter.
Try again. Fail again.
Fail better.

Tore: 1:0, 2:0, 3:0, 4:0

Ein perfekter Freund

Monday, August 24th, 2009

Wieder so ein Buch von Martin Suter, von dem man nicht ablassen, das man nicht aus der Hand legen kann, bis man es verschlungen hat. Wie immer ein Mensch auf der Suche nach seiner Identität, ein grosses Geheimnis umrankt ihn, das erst auf den letzten Seiten gelüftet wird. Kurze präzise Sätze, eine wohldurchdachte Geschichte. Eine grossartige Bettlektüre.

HSV Halten – FC Selzach: 0 – 0

Monday, August 24th, 2009

Wie es das Resultat vermuten lässt, war es ein an Höhepunkten armes Spiel, doch ein schlechtes war es keineswegs.
Die Haltener spielten nach einer offensiv dürftigen Vorstellung in Bellach mit drei Sturmspitzen, mit dem erklärten Ziel, sich eine Vielzahl an Torchancen zu erspielen und einige davon in Treffer umzuwandeln.
Der FC Selzach zeichnet sich erfahrungsgemäss durch seine pfeilschnellen Stürmer aus, die zu stoppen gemeinhin als die grösste Herausforderung angesehen wird. Die Haltener Defensive liess sich nicht beirren, präsentierte sich stabil und wehrhaft, zumeist unerschütterlich. Die Mittelfeldspieler nahmen ihre Defensivaufgaben wahr, gaben keinen Ball verloren und setzten die Gäste unter Druck, wenn diese in Ballbesitz waren. So kam die Selzacher Offensivmaschinierie nie so richtig in Schwung, öfter als ihnen lieb sein konnte flüchteten sie sich in verzweifelte Abschlüsse aus der Ferne. Wenn den Gästen doch mal ein Durchbruch gelang, scheiterten sie stets am hervorragend haltenden Schlussmann Marcel Stampfli, ehemals Aussenverteidiger, der mit glänzenden Reflexen und dem Anmut einer Raubkatze alle Schüsse neutralisierte.
Von den Haltener Angriffslinien war zunächst nicht viel zu sehen, zu wenige Bälle fanden den Weg in die Sturmreihen. In der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit liefen die Kombinationen der Einheimischen unverhofft flüssiger, was ihnen umgehend zwei hochkarätige Torchancen bescherte, die allerdings nicht verwertet werden konnten. Nach diversen Wechseln zur Pause verflachte das Spiel zusehens, offensiv lief bei den Haltenern nicht mehr viel zusammen, defensiv gab man sich keine Blösse. Das Geschehen gestaltete sich über weite Strecken ausgeglichen, mit leichten Vorteilen für die Gäste, doch ihre Angriffe blieben weiterhin zu wenig präzise, als dass ihnen ein Torerfolg vergönnt gewesen wäre. Auch in den stets kritischen letzten fünf Minuten wankte die Abwehr nicht und so feierte der HSV den ersten Punktgewinn in der neuen Saison.

Nachts kommen die Füchse

Wednesday, August 19th, 2009

Das Buch Nachts kommen die Füchse von Cees Nooteboom fand in Laures Wohnung. Gesehen, gelesen. Ich blieb ratlos zurück. Erzählungen vom Tod, von und über Tote. Gewiss, eine schöne Sprache, ein grosser Erzähler, und trotzdem konnte ich wenig damit anfangen.

Jump!

Wednesday, August 19th, 2009

US-FINANCE-BANKING-PROTEST
Demonstrators protest the proposed 700 billion USD Wall Street bail-out in front of the New York Stock Exchange in the Financial District in New York on September 25, 2008. In response to the global financial crisis, protesters, from a variety of activist groups, denounced the capitalist system, Wall Street and the administration of US President George W, Bush.

Mathematik-Humor

Wednesday, August 19th, 2009

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Friedman, Suter, Gustafsson

Friday, August 7th, 2009

Ich lese wieder vermehrt Bücher und das ist zugegebenermassen hoch erfreulich. Drei Bücher waren es in den letzten Wochen, von unterschiedlicher Machart.

Was zu tun ist von Thomas Friedman
Ein Sachbuch des New York Times Star-Journalists. Ich habe noch ein anderes Buch von ihm bei mir rumliegen (Die Welt ist flach), das ich allerdings noch nicht gelesen habe. Die kleinen Themen sind seine Sache nicht, es muss immer die Welt als Ganzes erklärt werden. Ist natürlich interessant, wenn ein Mann mit seinem Wissen, seinem Horizont und seiner pragmatischen Herangehensweise das Geschehen in der heutigen Zeit, komplex wie es nun mal ist, in einen grossen Kontext setzt.
Friedman hat erkannt, dass es schlecht steht um die Welt. Die Umwelt, sie wird zerstört; die Wälder, sie werden abgeholzt; die Luft, sie wird verschmutzt. Und so redet Friedman seinen amerikanischen Landsleuten ins Gewissen. Der CO2-Ausstoss muss gesenkt werden, jetzt, denn sonst ist es zu spät. Das Buch vermittelt einen chaotischen Überblick über die Thematik, Friedman springt von einer Idee zu nächsten, berichtet von Gesprächen, die er mit dutzenden von Experten in aller Welt geführt hat, nimmt die daraus gewonnenen Erkenntnis und schmeisst alles zusammen. Seine Beschreibungen haben mich einigermassen wachgerüttelt, denn um die Welt ist es nicht gut bestellt. Es gibt einfach zu viele Menschen, die zu viel CO2 freisetzen. Waren das früher lediglich die dekadenten Westler, so steigen nun immer mehr Menschen aus den sogenannten Entwicklungsländern in den Mittelstand auf (was natürlich absolut legitim ist), pflegen einen immer luxuriösen Lebensstil, stossen immer mehr CO2 aus. Aus diesem Teufelskreis gilt es auszubrechen. Friedman vermittelt hierzu interessante Denkanstösse. Erneuerbare Energien hat er als Schlüsseltechnologien identifiziert. Merkt euch das.

Small World von Martin Suter
Ich liebe Suters Bücher. Obwohl als Trivialliteratur verschrien, vermögen mich keine anderen Werke derart in ihren Bann zu ziehen wie seine sorgfältig aufgebauten und überaus präzise formulierten Geschichten. Suter hat stets einen klaren Plot, er weiss, wohin er den Leser führen will, kein Rumgequatsche, kein Verweilen im Bedeutungslosen, sondern immer vorwärts in der Handlung. Wie bei Suter üblich, entwickelt auch Small World aufgrund eines unter der Oberfläche schwelenden Geheimnisses um den Protagonisten eine ungeheure Sogwirkung, die eine Unterbrechung der Lektüre unmöglich macht. Man wird genötigt, weiterzulesen, bis sich der Schleier am Ende lüftet. Allerbeste Unterhaltung.

Frau Sorgedahls schöne weiße Arme von Lars Gustafsson
Hochgejubelt im Literaturclub, die Kritiker überboten sich gegenseitig mit Lobeshymnen, deshalb gekauft, und tatsächlich, es ist ein grosses Buch, doch hat es mich nicht so verzaubert, wie ich mir dies angesichts der Vorschusslorbeeren erhofft habe.
Ein schwedischer Oxford-Professor blickt auf sein Leben zurück. Episodenhaft erzählt er aus seiner Jugend, seinem Leben auf dem Land, von seiner Mutter, seiner ersten Liebe und natürlich von Frau Sorgedahls schönen weissen Armen. Ein stilles, saftes, leises Buch, aber tief wie der Murtensee.

Haare schneiden mit der Klinge

Wednesday, August 5th, 2009

Eher zufällig stiess ich auf Katja, denn ich suchte einen Coiffeur in Bern. Nachdem mir drei Generationen der Subinger Coiffeur-Dynastie Querciagrossa zeit meines Lebens die Haare gestutzt hatten, entschloss ich mich schweren Herzens, an meinem derzeitigen Arbeits- und Wohnort Bern einen Haarschneider zu suchen, denn die seltenen Coiffeurtermine liessen sich schlecht mit den seltenen Aufenthalte in Subingen koordinieren. Nun, ich fragte Thomas Reufer, der über einen anständigen Haarschnitt verfügt, wo ich mich zu melden habe und er empfahl mir ohne zu zögern den Salon S.O.S. Sisters of Scissors im schönen Lorraine-Quartier. Ich sollte anrufen und nach Jane fragen. Also rief ich an und fragte nach Jane, doch Jane hatte sich unterdessen selbständig gemacht, also erklärte ich mich bereit, mir von Katja mit dem sympathischen Walliser Akzent die Haare schneiden zu lassen. Zu meiner Überraschung benutzte sie hierzu weder Schere noch elektronischen Haarschneider, sondern eine simple Rasierklinge. Quasi stufenloser Schnitt. Das Ergebnis war beeindruckend, Weltklasse Hilfsausdruck. Katja geniesst seither mein volles Vertrauen. Doch irgendwann werde ich zu Querciagrossa zurückkehren. Der alten Zeiten willen. Aber jetzt noch nicht.