Wenn man sich anschaut, was die Investmentbanker so veranstalten, dann fühlt man sich an das alte Brecht-Wort aus Die Dreigroschenoper erinnert: Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Schon erstaunlich, dass man einen wichtigen Bereich wie den Finanzsektor einem Haufen gieriger Trottel überlässt.
Das wiederum erinnert mich an die alte Spiderman-Weisheit: With great power comes great responsibility. Manchmal denke ich mir: Man sollte diesen Über-Bankern, die 2-3 stellige Millionenbeträge eingesteckt haben und die Geister nicht mehr unter Kontrolle bringen, die sie da riefen, mal eins auf die Schnauze hauen. Nicht ernsthaft verletzen, einfach eins auf die Fresse geben, damit ihnen der Unmut der Menschen bewusst wird. Um sie zu erden, damit sie wieder den Boden unter den Füssen spüren. Ich spreche hier ausdrücklich nicht vom kleinen Bankbeamten, sondern von den grossen Abzockern, den weitgehend legalen Übertätern.
Archive for October, 2008
Finanzkrise
Sunday, October 26th, 2008Magazine, die ich lese
Sunday, October 26th, 2008- Das Magazin
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29
Sunday, October 26th, 2008Mein Geburtstag ereilte mich dieses Jahr völlig unverhofft. Wären nicht die SMS, Anrufe und warmen Händedrücke gewesen, ich hätte es glatt vergessen.
NEIN! Natürlich wars nicht so. Schon kurz nach Mitternacht wurde ich mit Glückwünschen geradezu überhäuft, wo du denkst: so viele Leute kennst du gar nicht.
So, jetzt also 29, eine schöne Zahl, weil Primzahl. Wie es sich gehört, habe ich auch einige grandiose Geschenke erhalten: Bücher, Büchergutscheine, ein Kopfkissen der Marke Elsa, einen Blumenstrauss mit einer Karte, auf der geschrieben stand: Zu Deinem Geburtstag einige Worte der Weisheit: Lächle, solange Du noch Zähne hast! Des weiteren: Pflegeprodukte, und das Bild einer Autogrammkarte des grössten und verkanntesten lebenden Fussballers: Jiri Stajner, der Bomber von Hannover.
Der Tag war meinem Charakter entsprechend regnerisch und garstig, am Abend bin ich ins Fussballtraining gegangen. Ganz grosses Theater.
Weiter gehts mit 30. Auch kein Problem, denn auf 30 folgt 31, wieder eine Primzahl.
Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Sunday, October 26th, 2008Das neue Buch von Christian Kracht, den ich bewundere, seit ich in seinem Erstlingswerk Faserland auf der zweiten Seite folgenden Satz gelesen habe: Ich zünde mir eine Zigarette an, und während Karin weitererzählt, beobachte ich, wie ein schwarzer Windhund mit einem Halsband, auf das so winzige goldene Kühe geklebt sind, eine grosse Kackwurst neben einen Tisch setzt. Sehr beeindruckend. Das neueste Buch mit diesem wunderbaren Titel hingegen verstehe ich überhaupt nicht. Völlig ratlos bleibe ich zurück. Der Plot: Lenin ist nicht nach Russland zurückgekehrt, sondern hat die Kommunistische Revolution in der Schweiz angezettelt. Seit annähernd 100 Jahren herrscht Krieg zwischen den Schweizer Kommunisten, die afrikanische Soldaten rekrutieren, und den umliegenden Faschisten. Kein Lebender kennt den Frieden. Alles sehr düster, brutal, grobschlächtig. Die letzten beiden Seiten geben Anlass zu Hoffnung, aber trotzdem. Ich mag die Sprache, nicht aber den Inhalt. Da liegt was in der Tiefe verborgen, es schwelt unter der Oberfläche, aber ich wurde seiner nicht habhaft. Leider.
FC Bellach – HSV Halten: 0-0
Sunday, October 26th, 2008Letztes Spiel der Vorrunde, auswärts gegen den FC Bellach, in der Tabelle unmittelbar vor dem HSV liegend. Man rechnete sich gute Chancen aus, eine durchzogene Hinrunde mit einem abschliessenden Sieg zu veredeln.
Der Fussballplatz zu Bellach liegt ausserhalb des Dorfes auf offenem Feld, unweit der Hauptstrasse, die Solothurn mit Grenchen verbindet. Im Herbst, wenn sich die Nacht schon früh auf die Welt niedersenkt und alles Licht, alle Konturen, alle Klarheit verschluckt, glaubt man sich bei der Ankunft auf dem Gelände in den Leib eines Wals geworfen. Doch wenn das Flutlicht eingeschaltet wird, erstrahlt inmitten der Finsternis ein magischer Ort, eine hell leuchtende Zauberwelt, eine Oase des sprühenden Lebens, umgeben von dunkler Nacht.
Die Haltener starteten wie gewohnt verhalten in die Partie, auf der Suche nach Ordnung und Rhythmus. Die Bellacher hingegen, offenbar ebenfalls darum bemüht, die Winterpause mit einem positiven Ergebnis einzuläuten, waren mit einer brandgefährlichen Offensivabteilung ausgestattet. Sie suchten denn auch ihr Heil im Angriff. Die Gastgeber rissen das Spieldiktat sofort an sich und übten immensen Druck auf den leicht überforderten HSV-Defensivapparat aus. Die Haltener stemmten sich mit aller Kraft gegen einen frühen Rückstand, und ihre Bemühungen wurden belohnt: nach einer Viertelstunde fand der Angriffswirbel der Bellacher unverhofft ein Ende. Die Zuordnung funktionierte nun besser beim HSV, das Spielgeschehen glich sich nach und nach aus. In der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit kamen auch die Haltener zu einigen vielversprechenden Chancen, die entweder von der Abwehr der Bellacher oder vom Schiedsrichter zunichte gemacht wurden.
0:0 zur Pause, das Spiel unspektakulär und ausgeglichen, die Abwehrreihen waren nun Herr der Lage, so dass die Angriffswellen mit grosser Regelmässigkeit an der Verteidigungsbrandung zerschellten, wie dies früher die Schiffe der europäischen Eroberer vor der mittelamerikanischen Küste zu tun pflegten.
In der zweiten Halbzeit nahm die Partie ein wenige Fahrt auf. Die Passspiel gewann an Präzision, auf beiden Seiten wurde aus einer gesicherten Abwehr gespielt, bisweilen nahm die Partie gar ungewohnt strukturierte Züge an. Doch weiterhin konnten die Angreifer ihre Bewacher nur selten abschütteln und so zerrannen die Minuten. Mit zunehmender Spieldauer schienen sich die Teams stillschweigend auf ein Remis zu einigen. Zwar waren vereinzelt immer noch Torchancen zu verzeichnen, diese wurden aber allesamt in letzter Instanz von den glänzend agierenden Keepern vereitelt. Insbesondere den HSV-Torhüter Yves gilt es hier lobend hervorzuheben, der mit einer tadellosen Leistung so manche Gelegenheit der Gastgeber zunichte machte. Da wächst was Grosses heran, ich sage nur: Scouts dieser Welt, zückt eure Notizbücher. Keine Mannschaft suchte bedingungslos die Entscheidung. Das Spiel, es plätscherte vor sich hin. Ewig hätte es so weiter gehen können. Doch nach 90 Minuten hatte der Schiedsrichter ein Einsehen und beendete die Begegnung. 0:0.
Kein vollkommen befriedigender, aber doch ein versöhnlicher Abschluss einer eigentümlichen Hinrunde. Ganz ansehenlich gespielt und in den letzten fünf Minuten bei ausgeglichenem Spielstand für einmal kein Gegentor kassiert. Natürlich durfte die Schrecksekunde kurz vor Schluss auch diesmal nicht fehlen: eine flache Hereingabe strich an Freund und Feind vorbei und konnte glücklicherweise auch vom heranstürmenden Bellacher Angreifer nicht im Tor untergebracht werden. Fortschritte sind also durchaus erkennbar, von einem Aufwärtstrend wollen wir noch nicht sprechen. Aber: Hinterer Mittelfeldplatz gesichert und (bemerkenswert) ein positives Torverhältnis.
Was bleibt? Die Erinnerung an einige grandiose Siege und viele bittere Niederlagen. Und wie immer die Hoffnung, dass alles viel besser wird in der Rückrunde, dass diese Truppe das Feld von hinten aufrollen wird, dass viele Flaschen Siegerbier getrunken werden müssen, dass wir auf den Tischen tanzen werden, nackt. So wird es sein, wenn der grosse Fussballgott uns wohlgesinnt ist und seine schützende Hand über uns hält. Vielleicht.
Tore: keine
Mein ganz persönliches Andenken: ein schmerzhaftes Hämatom im Knie, das mich zwei Wochen daran erinnern wird, welches Hobby ich da pflege.
HSV Halten – SC Flumenthal: 2-3
Saturday, October 18th, 2008Hör zu, das ist nun wieder eine Geschichte, wie sie nur die zweite Garde des HSV Halten schreiben kann. Tragödie nichts dagegen.
Heimspiel gegen den SC Flumenthal, der zwar besser klassiert ist als der HSV, aber durchaus in Reichweite liegt. Im Gegensatz zu vielen Spielen in der Vergangenheit fanden die Haltener gut in die Partie, sensationell gut sogar. Man kombinierte sicher, der Ball zirkulierte in den eigenen Reihen, verhältnismässig wenige Fehlzuspiele. Die Flumenthaler hingegen wirkten verunsichert, was sich auch in ihrer Spielanlage niederschlug: viele Ballverluste, unpräzise und zusammenhanglose Aktionen, König Zufall hielt die Zügel fest in seinen Händen.
Die schnörkellos vorgetragenen Angriffe des HSV waren denn auch früh von Erfolg gekrönt: 1-0 durch Summi, der herrlich freigespielt wurde und abgebrüht, im Stile eines Routiners, zur vielumjubelten Führung einschob. Der Angriffswirbel des HSV hielt an, die Einheimischen stürmten weiter unbeirrt nach vorne, die Gäste sichtlich überfordert. Ihre Abwehr wurde regelrecht überrannt, konnte dem Druck nicht stand halten, was HSV-Stürmer Roth dazu veranlasste, den zweiten Treffer im gegnerischen Kasten unterzubringen. Der HSV spielte stark wie lange nicht mehr, das Spiel stockte nicht, es floss scheinbar mühelos, wie ein Fluss anmutig dem Meer entgegenstrebt. Alles war erleuchtet.
Jetzt spielentscheidende Situation: Zufriedenheit in den Gesichtern der Haltener, man fühlte sich stark, überlegen, unantastbar. Man begann zu errechnen, wie viele Tore denn da bis zum Ende zusammen kommen würden und wie viele Flaschen Bier man dann trinken müsste, um den grandiosen Sieg gebührend zu feiern. Während die Haltener vor sich hin sinnierten, traten elementare Pflichten völlig in den Hintergrund, Deckungsarbeit zum Beispiel. Das Heimteam erachtete es nicht mehr als zwingend erforderlich, nahe bei den Gegenspielern zu stehen. Bisschen weniger aggressiv in den Zweikämpfen, bisschen mehr Raum spendieren, kein Problem, die können uns nichts anhaben. Und sollte dem Gegner doch glückhaft ein Treffer gelingen, könnte man jederzeit noch einige Tore draufpacken. So dachte man.
Aus dem Spiel heraus gelang den Flumenthalern tatsächlich relativ wenig, das sollte sich auch bis zum Schluss nicht ändern, aber alte Fussballweisheit: Vergiss die Standardsituationen nicht. Ein Freistoss, ein Eckball, zwei mal die Gegenspieler sträflich allein gelassen und schon hatten die Gäste ausgeglichen.
In der Pause aufmunternde Worte des Trainers, Kopf hoch, weiter spielen und die Entscheidung suchen. Doch in der zweiten Halbzeit vermochten die Haltener nicht mehr an die Darbietung der ersten 25 Minuten anzuknüpfen. Die Zuspiele wurden ungenauer, die Fehlpässe häuften sich, die Präzision in den Spielzügen fehlte nun gänzlich. Man schien das Pulver anlässlich des Startfeuerwerks verschossen zu haben. Die Kräfte liessen merklich nach und die Gäste konnten mit ihrem kampfbetonten Spiel das Geschehen ausgleichen. Die Erkenntnis setzte sich durch: wenn schon kein Sieg, dann wenigstens ein Unentschieden, besser als nichts.
Kleiner Exkurs: wenn man sich die Jugendlichen heute so anschaut, dann stellt man fest: Style ist wichtig, sehr wichtig sogar. Baseballmütze schräg aufgesetzt, iPod im Ohr, stampfender Beat, dazu Sprechgesang. Form vor Inhalt. Nun, die Haltener haben als Mannschaft auch ihren Style und der geht so: fünf Minuten vor Schluss erfreut man sich eines Remis, wunderbar, dann ein unnötiges Gegentor kassieren und mit wehenden Fahnen untergehen. So steht es geschrieben, im immer gleiche Drehbuch. Also, fünf Minuten vor Schluss ein Freistoss für die Flumenthaler, und während man noch darüber beriet, wie die Mauer zu stehen hat, schlenzte der Schütze den Ball auch schon ins Lattenkreuz. Feierabend.
Der HSV begann stark, baute stark ab und musste sich schliesslich einem keineswegs übermächtigen Gegner beugen, der seine wenigen Chancen konsequent verwertete. Und die Hoffnung, fragst du, wo ist sie abgeblieben, die Hoffnung? Die Hoffnung steckt in den ersten 25 Minuten, denn dies war das Beste, was diese Mannschaft in der laufenden Saison abgeliefert hat. Nichts anderes als ein kreativer Wirbelsturm wurde entfesselt, ein fulminanter Husarenritt, gebremst von der eigenen Arroganz und Nachlässigkeit. Der Volksmund hat nicht unrecht, wenn er sagt: Hochmut kommt vor dem Fall. Schlussgedanke zu diesem Thema und zu diesem Spiel: Hochmut wird mit Niederlagen bestraft und mit Demut geheilt.
Tore: 1:0 (Summi), 2:0 (Roth), 2:1, 2:2, 2:3
FC Atees – HSV Halten: 0-4
Sunday, October 12th, 2008Es gibt Fussballspiele, über die man nicht zu viele Worte verlieren möchte. Die Partie gegen den FC Atees ist ein solches.
Der HSV hat gewonnen. Das ist wahr. Der HSV hat zugleich erschreckend schwach gespielt. Das ist ebenfalls wahr. Viel mehr gibt es nicht zu berichten über diesen Abend.
Die Solothurner sind eine Mannschaft der Superlativen: Ein Verein mit portugiesischen Wurzeln, heute ein bunter Haufen aus Schweizern und Albanern. Das Alter der Spieler umfasst beinahe fünf Dekaden (17 Lebensjahre der jüngste, 62 der älteste). Seit mehreren Spielzeiten haben sie jede Auseinandersetzung verloren.
Die Geschichte der Begegnung ist schnell erzählt: Der HSV trat unmotiviert und lustlos auf. Es waren weder Einsatz, Laufbereitschaft, Wille, noch kreative Ideen erkennbar. Unzusammenhängende Spielzüge prägten das Geschehen, dazu viele Ballverluste, viele Fehlzuspiele, viele unnötige Fehler. Alles in allem ein grosses Missverständnis. Es kann nicht beschönigt werden, was vollends unbefriedigend war. Der HSV manövrierte sich klaglos in ein altbekanntes Problem: Man passte sich dem Niveau des Gegners an. Nun, der Gegner agierte sehr hilflos. Und genauso hilflos spielte auch der HSV. Es entwickelte sich ein wildes Gekicke, Strukturlosigkeit allerorten, gewiss ein deprimierendes Spektakel für die Zuschauer. Die Haltener erzielten dennoch einige Tore: Weber in der ersten Halbzeit und nach dem Seitenwechsel der völlig entfesselte Mathys, dem ein lumpenreiner Hattrick gelang. Der einzige Lichtblick in einem ansonsten beschämenden Spiel. Zahlreiche hochkarätige Chancen wurden leichtfertig vergeben. Der HSV siegte, weil die Mittel des Gegners überaus beschränkt waren. Nicht mehr, nicht weniger.
Am Ende soll dennoch ein Wort der Zuversicht stehen. Denk an Milton, das verlorene Paradies: Lang ist der Weg und beschwerlich, der hinaus ins Licht führt aus der Hölle. Nach diesem Spiel ist man versucht zu glauben, dass die Haltener erst am Anfang eines mühevollen Weges stehen, doch eines ist gewiss: Finsterer kann es nicht mehr werden in diesem Tal.
Tore: 0:1 (Weber), 0:2 (Mathys), 0:3 (Mathys), 0:4 (Mathys)
The Bangkok Five
Tuesday, October 7th, 2008Ich war wieder mal im Plattenladen zu Besuch und obwohl sich die neue Lokalität in erstaunlich nüchterner Aufmachung präsentiert, so kann man sich doch weiterhin durch die grossartigsten Alben der Welt wühlen.
Bin über das Werk einer Band gestolpert, dir mir Kollega Lerch schon lange ans Herz gelegt hat: The Bangkok Five. Musikliebhaber Lerch, dem aggressiven Stromgitarrenspiel seit jeher freundschaftlich verbunden, hat nicht zu viel versprochen: Eine Band, ungestüm, wild, elektrisierend, dem Exzess verpflichtet. So muss es sein. Kurz: ein erstklassiges Album, was meinen Glauben (1) an das zeitgenössische Musikschaffen und (2) an Lerchs exzellenten Musikgeschmack bestärkt hat.
Also los: rausgehen, kaufen.
Filesystem austauschen
Tuesday, October 7th, 2008Ein weiterer eleganter Trick aus dem Linux Journal: Ein Filesystem zwischen Computern austauschen.
Source maschine:
cd /mnt/sda1
tar -czpsf - . | pv -b | nc -l 3333
Destination maschine:
cd /mnt/sda1
nc 192.168.10.101 3333 | pv -b | tar -xzpsf -
Allerdings werde ich den Verdacht nicht los, dass die beiden nc commands vertauscht worden sind.
HSV Halten – FC Fulgor Grenchen: 3-4
Thursday, October 2nd, 2008Ein weiterer Spielbericht. Diese Veranstaltungen nehmen langsam tragische Züge an. Aber lest selbst.
Nach dem Erst- und Zweitplatzierten sah sich der HSV innert Monatsfrist dem drittstärksten Team der Liga gegenüber: Fulgor Grenchen. Diese Partie bildete zugleich den Abschluss der drei Spiele umfassenden Heimgala.
Verhaltener Beginn von beiden Mannschaften, zaghaftes Abtasten. Nach einigen Minuten wurde klar, dass der HSV mit den Gedanken noch in der Kabine war (oder sonstwo), die Spieler wirkten unkonzentriert, scheuten die Zweikämpfe, standen zu weit von den Gegenspielern entfernt. Fulgor, überrascht ob so viel Gastfreundschaft, versuchte den freien Raum zu nutzen, kombinierte gefällig und näherte sich immer häufiger der Abwehrzone der Haltener. Es dauerte denn auch nicht lange, bis ein Grenchner Angreifer im Strafraum zu Fall kam; der Schiedsrichter entschied sofort auf Elfmeter. Der Schütze legte sich den Ball zurecht, trat an, scheiterte jedoch am hervorragend haltenden HSV-Keeper. Wieder ein klassischer Schuss vor den Bug, doch zum wiederholten Male vermochte diese Erschütterung die Heimmannschaft nicht wachzurütteln. Den ersten vielversprechenden Angriff des HSV beantworteten die Gäste mit einem schnell vorgetragenen Konter, den sie zum nicht unverdienten 0:1 abschlossen.
Die Gastgeber agierten weiterhin passiv und behäbig, man scheute die Zweikämpfe oder verlor sie, wenn man sich denn mal darauf einliess. Fulgor kam ohne grösseren Aufwand zu weiteren Chancen. Die logische Folge der latenten Überlegenheit der Grenchner war ein weiteres Foulspiel im Strafraum, das vom Unparteiischen wiederum geahndet wurde. Keeper Yves antizipierte die richtige Ecke, doch der Schuss war zu scharf und zu platziert, um ihn abwehren zu können. Die Haltener jetzt sichtlich konsterniert, was der Gegner geschickt auszunutzen verstand. Die HSV-Hintermannschaft taumelte, der Gegentreffer steckte ihnen noch in den Knochen, da zündete Fulgor bereits das nächste Angriffsfeuerwerk, das sie mit dem sehenswerten dritten Treffer krönten. Es drohte ein Debakel. Der Gegner schaltete nun glücklicherweise einen Gang zurück, was es den Einheimischen erlaubte, ein wenig durchzuatmen und die arg zerzauste Mannschaftstruktur wieder auf Vordermann zu bringen.
Beim Stand von 0:3 schlurften die Einheimischen gesenkten Hauptes zum Pausentee. Der Trainer fand denn auch deutliche Worte. Mit zahlreichen Auswechslungen versuchte er dem reglosen Mannschaftkörper neues Leben einzuhauchen. Die veränderte Aufstellung zeigte sofort Wirkung. Die Abwehr stand stabiler, das Zweikampfverhalten verbesserte sich zusehens und die Totgeglaubten schickten sich an, eine Aufholjagd zu starten, wie man sie in den Niederungen dieses Sports nur selten beobachten kann. Die Ereignisse überschlugen sich. Nach einem Schubser im Fulgor-Strafraum zeigte der entscheidungsfreudige Schiedsrichter zum wiederholten Male auf den Elfmeterpunkt. Der überragende Captain Friedli, Denker und Lenker im Mittelfeld, verwertete den fälligen Strafstoss sicher. Danach lancierte der wiedererstarkte HSV einen Angriff über die rechte Flanke, Rhyner kam aus spitzem Winkel zum Kopfball, doch der gegnerische Torwart behändigte den Ball. Dachten alle. Aber zur Überraschung der Anwesenden liess der Keeper den Ball ins Tor gleiten. Der HSV spielte wie von Sinnen, elektrisiert, und drängte nun vehement auf den Ausgleich. Zehn Minuten verstrichen, dann wurde der Ball von rechts auf Friedli zurückgelegt, der ihn wunderschön in die lange Ecke hämmerte. Tumultartige Szenen auf den Rängen, man rieb sich die Augen (wie so oft bei dieser Mannschaft).
Danach verstärkte Fulgor die Defensive, offenkundig verunsichtert angesichts des turbulenten Spielverlaufs. Die Partie büsste an Fahrt und Tempo ein, der HSV versuchte zwar den Schwung auszunutzen, doch war man insgeheim mit dem Unentschieden zufrieden, sah man doch zur Pause noch wie der sichere Verlierer aus. Der HSV bemühte sich sachte um den Führungstreffer, doch der letzte Wille fehlte und die Fulgor-Abwehr stand nun besser. So zerrannen die Minuten und eine Punkteteilung gegen einen weitaus besser platzierten Gegner rückte in greifbare Nähe.
Eine Viertelstunde vor Schluss erhoben sich die Gäste aus der vorübergehenden Apathie und bauten nochmals Druck auf. Ein letztes Aufbäumen. Man sagt, Geschichte sei die unendliche Wiederholung des immer gleichen. Wer diese Matchberichte regelmässig liest, weiss, was jetzt kommt. Keine drei Minuten vor Schluss, ein Angriff von Fulgor wurde von den Haltenern mit Händen und Füssen abgewehrt, doch nicht weit genug, der Ball kullert zurück zu einem bereitstehenden Angreifer, der fackelt nicht lange und drischt auf die Kugel. Sekundenbruchteile später zappelt diese im Netz, wie ein Fisch in schierer Todesangst im Netz des Anglers zuckt. Und wieder standen die tüchtigen Haltener mit leeren Händen und ungläubigen Blicken da, als der Schiedsrichter die Partie abpfiff.
Der grosse Tolstoj hat mal geschrieben: Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich. Für Fussballspiel gilt dasselbe. Gesichter der Niederlage in vielerlei Ausprägung haben wir diese Saison schon gesehen (und viele werden wir noch sehen), doch man darf die Hoffnung auch in finsterer Nacht nicht aufgeben. Manchmal genügt ein scheuer Blick nach vorne, zum nächsten Gegner, um grösseren Elendes gewahr zu werden: FC Atees, 7 Spiele, 0 Punkte. Es werden wieder bessere Zeiten anbrechen. Bestimmt.
Tore: 0:1, 0:2, 0:3, 1:3 (Friedli), 2:3 (Rhyner), 3:3 (Friedli), 3:4