Archive for March, 2008

Wordpress 2.5

Monday, March 31st, 2008

Nachdem es mir gestern gelungen ist, mein geliebtes Ubuntu durch unsachgemässes Upgrading vollständig zu zerbomben, war es mir heute Abend vergönnt, Wordpress unfallfrei auf Version 2.5 zu hieven.
Hier die Kurzanleitung für das nächste Mal:

  1. Datenbank-Backup erstellen
  2. wp-content/uploads retten
  3. Blog-Titelbild retten (wp-content/themes/default/images)
  4. wp-admin, wp-content, wp-includes und alles im root-Verzeichnis löschen mit Ausnahme von wp-config.php
  5. Den ganzen neuen Krempel reinkopieren
  6. Blog-Titelbild zurück, wp-content/themes/default/style.css anpassen
  7. wp-content/uploads ebenfalls zurück
  8. wp-admin/upgrade.php besuchen, um die Datenbank zu synchronisieren

Man hört immer wieder üble Geschichten über Wordpress, sprich: Sicherheit inexistent, Einfallstor für die Horden marodierender Cracker. Ich glaube, wenn ich über die nächste gröbere Wordpress-Schwachstelle stolpere, werde ich meine eigene Kiste entern.

Bad Urach

Sunday, March 30th, 2008

Für das Osterwochenende haben wir uns überlegt: totale Erholung in Bad Urach, ein Kurort, unweit Tübingens gelegen, mit heilenden thermischen Quellen.
Die Hinreise alles andere als entspannend: Baum auf der Teilstrecke Thayngen-Singen, langes Warten im ICE, dann totaler Stromausfall, umfrachten auf den Bus nach Singen. In Singen rein in den Regionalexpress und weiter nach Horb. Reisezeit: 6.5h anstatt der üblichen 3.25h. Wiedersehensfreude, Taschen ins Auto, kurz in Tübingen vorbeigeguckt, weiter nach Bad Urach, die Zeit drängte. Schneegestöber im Paradies, einchecken ins Hotel. Verwinkelte Räume, Labyrinth nichts dagegen. Dann aber: 12h Schlaf jeden Tag, bisschen baden, bisschen auf dem Liegestuhl räckeln, inmitten alter Leute, essen, Bücher lesen, Freunde besuchen, was willst du mehr. Batterien mächtig aufgeladen und bereit für neue Abenteuer. Einziger Wermutstropfen zu Ostern: Versehentlich Fleisch gegessen am Freitag, quasi Leib Christi verspeist, was sein Vater garantiert im goldenen Buch des Lebens vermerken wird.

Plümecke

Sunday, March 30th, 2008

Mitte März war ich einige Tage in Hannover, Software integrieren. Holger hat uns eines Abends in eine Kneipe mitgeschleppt, die den schönen Namen Plümecke trägt. Dort gibt es Herrenhäuser Bier (die letzte Brauerei in Hannoverscher Hand, alle anderen haben sich an Weltkonzerne verkauft) und dazu die berühmte Currywurst mit Pommes. Man sagt: die beste Currywurst der Welt, so dass sogar Alt-Kanzler Schröder ab und zu vorbeischaut. Zunächst bekamen wir keinen Platz, alle Tische voll, also wurden wir an der Nebentheke zwischengelagert, wo umgehend Bier gereicht wurde. Die resolute Wirtin kümmerte sich rührend um uns, und als sich eine kleine Gruppe verabschiedete, wurden wir zu den frei werdenden Plätzen eskortiert. Die Kneipe ist eine der wenigen in Hannover, die den Krieg unbeschadet überdauert hat. Alles alt, abgewetzt, abgestanden und -gesessen, verlebt. Ich liebe solche Orte, die Geschichten zu erzählen wissen. Bier und Wurst unfassbar gut und erstaunlich billig: 2.10 das Bier, 3.50 die Currywurst und Portionen, wo du hierzulande sagst: sehr angemessen. Es gibt keine Rechnung, sondern Striche auf den Bierdeckel. Essen, trinken, lachen, schwadronieren, in die Kneipenatmosphäre eintauchen, sich gut aufgehoben fühlen inmitten fremder friedlicher Menschen. Am Ende des Abends waren dann doch einige Striche auf unseren Deckeln, wir gaben sie an der Kasse ab, es wurde gerechnet und bezahlt, dann raus in die kühle norddeutsche Nacht, die uns alsbald verschluckte.
Beim nächsten Besuch in Hannover gehe ich wieder da hin.

Giacobbo

Sunday, March 30th, 2008

Vor wenigen Sonntagen waren wir als Zuschauer in der Satiresendung Giacobbo/Müller des Schweizer Fernsehens, allerdings von Müller keine Spur, offenbar leicht erkrankt. Thom und Mats sind Stammgäste der Veranstaltung, sie verfügen über ein beeindruckendes Kartenarsenal für die nächsten Wochen, also wenn jemand unbedingt hin will, frage nicht. Die Sendung wird in der Zürcher In-Kneipe Kaufleuten aufgezeichnet und beschämend: obwohl ich doch einige Jahre vor Ort war, habe ich das unscheinbare Gebäude noch nie bewusst wahrgenommen, doch vorbei spaziert bin ich einige Male. Der Aufnahmeraum mit integrierter Bar (Heineken kostet schlappe SFr 7.50, stolzer Preis, da könnte man glatt auf den Gedanken kommen: Weltstadt) ist kleiner als dies das Fernsehbild vermittelt. Peter Tate sitzt unweit von Giacobbo, im Fernsehen hingegen denkt man: Weltreise. Der Raum ist kleiner, die Sendung aber live unterhaltsamer. Man wird eben doch durch das Gelächter der Umringenden ein wenig angesteckt, wo du zu Hause sitzend sagen würdest: Blödsinn. Die Macht der Masse, frage nicht.
Gast der Sendung war Herr Roger Schawinski und er hat sich tapfer geschlagen, ist ja selber nicht auf den Kopf gefallen. Wobei immer schwerer Stand gegen Giacobbo, der macht eine scherzhafte Bemerkung, das Publikum krümmt sich vor Lachen, der Gast lächelt und muss warten, bis das Gelächter verstummt ist, bevor er zurückschlagen kann, quasi Tempoverlust. Aber der Roger war wieselflink und hat dann doch ziemlich erfolgreich in Giacobbos Wunde rumgestochert, dass der nämlich noch nie im Ausland gearbeitet hat. Er hingegen Geschäftsführer des grössten Privatfernsehsenders im zweitgrössten Fernsehmarkt der Welt.
Dann war die Sendung auch schon vorbei, wir gingen noch was trinken in der eleganten Jazz-Bar des Hotels Widder und zurück nach Bern, leichte Kopfschmerzen angesichts so viel Weltstadt.

Der letzte Brenner

Sunday, March 30th, 2008

Vor einigen Tagen, frühmorgens um 6:30, wachte ich auf und weil ich weder müde noch schlaftrunken war, schlug ich den letzten ungelesenen Brenner-Roman Wie die Tiere auf und las ihn zu Ende. Das Buch, wunderbar wie immer, doch ich, nicht sehr konzentriert, denn ein Gedanke liess mich nicht los: dies ist der Abschluss einer Ära. Als ich das Büchlein aus der Hand legte, waren da zwei widersprüchliche Gefühle in mir: zunächst eine grosse Leere, der Verlust wog schwer, nie wieder Brenner begleiten dürfen, dann aber stieg eine angenehme Wärme von der Körpermitte in meinen Kopf. Muss die Dankbarkeit für die wunderbaren Stunden gewesen sein, für die enthemmten Lacher, für die eigenwillige Sprache, für die syntaktischen Verknappungen. Ich werde Sätze vermissen wie diesen:
Aber interessant. Ob es nicht doch irgendeine höhere dings gibt. Dass der Brenner die Magdalena womöglich irgendwie über eine innere Verbindung gehört hat.
Herrlich, das kann nur Wolf Haas.
Der Vollständigkeit halber nochmals alle Romane in chronologischer Reihenfolge meiner Belesung:

  • Der Knochenmann
  • Auferstehung der Toten
  • Das ewige Leben
  • Silentium!
  • Komm, süsser Tod
  • Wie die Tiere

Den Brenner-Kennern unter euch wird aufgefallen sein, wie sich meine Sprache nach der Lektüre unweigerlich hin zu elliptischen Formen neigte, quasi mentale Abfärbung. Eine Offenbarung, dieses literarische Mittel.

Solschenizyn

Saturday, March 29th, 2008

Kürzlich habe ich von Warlam Schalamow berichtet, der über ein dutzend Jahre in sibirischen Arbeitslagern verbracht hat. Es sind bereits einige Jahre vergangen, seit ich die Widmung des wohl berühmtesten Internierten Alexander Solschenizyn in dessen Buch über den Gulag-Archipel las. Die Eindringlichkeit des schlichten Wortlautes hat mich damals erschüttert und er tut es noch heute:

All jenen gewidmet,
die nicht genug Leben hatten,
um dies zu erzählen.
Sie mögen mir verzeihen,
dass ich nicht alles gesehen,
nicht an alles mich erinnert,
nicht alles erraten habe.

Ich, der Blick schweift über Hannover

Saturday, March 29th, 2008

Wieder mal ein neues Blog-Titelbild mit dem Gimp kredenzt (danke Simu für das schöne Verb). Beim Gimp blicke ich noch immer nicht ganz durch, aber ich lerne jeweils so viel, dass ich machen kann, was ich machen will. Das Bild gefällt mir ganz gut, ich glaube, das bleibt eine Weile da. Es wurde aufgenommen vom begnadeten Fotografen Thomas Reufer, als wir letzten Herbst in Hannover weilten, um uns und unseren fantastischen Arbeitgeber zu feiern.

Astronaut

Saturday, March 29th, 2008

Email von Thom:

Hallo

Man kann sich wieder als Astronaut bewerben: http://www.sbf.admin.ch/ASC2008/skills_en.html
Scheint nicht so einfach zu sein: Mit Bestnoten abgeschlossenes
Naturwissenschaftsstudium, Englisch, Russisch…

Wer sich berufen und befähigt fühlt, nur zu.

Gelassenheit, Mut, Weisheit

Monday, March 24th, 2008

Tief drinnen in der Bibel stehen mancherorts interessante Sätze (wobei in diesem Fall gar nicht klar ist, ob der Satz überhaupt in der Bibel steht):
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Das ist wichtig.

Durch den Schnee

Monday, March 24th, 2008

Erschütternd ist ein zu schwaches Wort, um zu Beschreiben, was Warlam Schalamow überlebt hat. In seinem Werk Durch den Schnee schildert er (Über)leben und Sterben in sibirischen Arbeitslagern, in denen er 17 Jahre seines Lebens verbracht hat. Kein bekömmliches Buch, bleiern liegt es im Magen, aber es ein wichtiges Zeitdokument, das Zeugnis ablegt über eine grausame unerbittliche brutale Welt. Kauft das Buch und lest es, und vergesst nicht, was da geschrieben steht.
Am Ende einige Erkenntnisse:

  • Ich habe gesehen, dass die einzige Gruppe von Menschen, die sich auch nur ein wenig menschlich benahm trotz Hunger und Verhöhnungen – die Religiösen sind, die Sektenmitglieder, und zwar fast alle, sowie ein grosser Teil der Popen.
  • Ich habe erkannt, dass man aus der Erbitterung leben kann.
  • Ich habe erkannt, dass man aus der Gleichgültigkeit leben kann.
  • Ich habe erkannt, warum der Mensch nicht aus den Hoffnungen lebt – es gibt keinerlei Hoffnungen, nicht aus dem Willen – was schon für ein Wille, sondern aus dem Instinkt, dem Selbsterhaltungstrieb – demselben Prinzip, wie auch der Baum, der Stein, das Tier.
  • Ich bin stolz, dass ich niemanden verkauft, niemanden in den Tod, in eine Haftstrafe geschickt, dass ich niemanden denunziert habe.

Das ist er:

Warlam Schalamow

Und wenn du das nächste Mal das Gefühl hast, huiii, heute ist aber kalt:
Ein Thermometer bekamen die Arbeiter nicht zu sehen, und das war auch nicht nötig, zur Arbeit ausrücken mussten sie bei jeder Temperatur. Ausserdem konnten Alteingesessene den Frost auch ohne Thermometer fast exakt bestimmen: wenn Frostnebel herrscht, dann sind es draussen minus vierzig Grad; wenn die Luft beim Atmen mit Geräusch ausfährt, doch das Atmen noch nicht schwer wird, sind es fünfundvierzig; wenn das Atmen ein Geräusch macht und Kurzatmigkeit dazukommt, sind es fünfzig Grad. Bei über fünfzig Grad – gefriert die Spucke in der Luft. Die Spucke gefror in der Luft schon seit zwei Wochen.