Archive for the ‘Plattenkiste’ Category

Sister Hazel – Before the Amplifiers

Sunday, July 25th, 2010

Früher musste eine Band die Welt in Trümmer legen, um meiner Aufmerksamkeit gewiss zu sein. Die Band musste jung, wild, unverbraucht und ein bisschen kaputt sein (sprich Drogen im Kopf: wahlweise Alkohol, Teufelskraut, etc.).
Vor zwei Monaten hat mir Chrigu das Album Before the Amplifiers der US-Band Sister Hazel in die Hand gedrückt, mit besten Grüssen, unbedingt reinhören, es lohne sich. Hierbei handelt es sich um ein Akustik-Album, die Band war mir vollkommen unbekannt. Die Platte entwickelte sich in den vergangenen Wochen zum Dauerbrenner auf meinem iAudio U5 MP3 Player (der versteht auch OGG, liebe iPod-Jünger).
Das Album hat Ruhe in mein umtriebenes Musikleben gebracht. Immer gern gehört, wenn ich in Bus oder Zug sitze (was bekanntlich häufiger vorkommt). Lässt mich in angenehmen Gedanken schwelgen, hilft mir, wichtige Ideen zu entwickeln. Dabei war nicht mal nötig, was Chrigu mir ans Herz gelegt hat: Lautstärke aufdrehen! Geht auch so ganz gut rein.
Ich stelle fest, dass sich mein Musikgeschmack langsam wandelt, weg vom rabiaten Indie-Pop-Rock-Punk hin zu unaufgeregten Klanglandschaften. Akustikgitarre, Piano und so. Natürlich, manchmal habe ich meine Rückfälle und die Stromgitarre feiert ein kurzes Comeback, wenn Aggressionen abgebaut werden müssen, welche das Leben selbst gelegentlich aufschüttet. Aber das geschieht nicht mehr so oft wie früher, als alles noch Existentialismus war.

Tote Hose im Musikzoo

Friday, May 7th, 2010

Seit Monaten (Jahren?) habe ich keine CD mehr gekauft. Das zeitgenössische Musikschaffen, es ist mir entglitten. Die letzte Platte, die ich mir kaufen wollte, war Johnny Cashs posthumes Werk American VI: Ain’t No Grave und dies vor allem deshalb, weil ich alle American Recordings Alben besitze und für gut befunden habe. Beziehungsweise besass; Sebe, wo zum Teufel steckt American III: Solitary Man, das ich in deines Vaters Wagen liegen liess, als wir nach Erlangen fuhren – na ja, du fuhrst und ich sass neben dir und sprach oder schwieg.
Jedenfalls, nach Cash kam nicht mehr viel. Nun bin ich auf der Suche nach neuen aufregenden Bands, wild, wütend, so wie die Arctic Monkeys for einigen Jahren. Oder die Strokes.
Wenn jemand eine solche Band kennt, die Gitarrenmusik spielt (Elektronisches und Sprechgesang sind meine Sache nicht), dann hier mal einen Kommentar hinkritzeln.
Ich bin ja nicht so der Download-Typ, ich kaufe mir lieber die CD mit Hülle und Booklet, ich muss das Werk in meinen Händen halten, wie früher, als es noch keine Kompression von Audiodateien gab. Nichts gegen MP3, ein wahrer Segen, aber trotzdem liebe ich meine Platten (wobei ich mit Platten stets CDs meine).
Wessen Tipp mich dazu verleitet, die Platte zu kaufen, hat ein Bier verdient. Ein Tannenzäpfle oder ein Boxer.

Bluffer’s Guide to the Flight Deck

Friday, October 23rd, 2009

Heute erst, zirka vier Jahre, nachdem ich das Album gekauft habe, wurde ich mir schlagartig der Grösse des Erstlingswerkes Bluffer’s Guide to the Flight Deck der britischen Band Flotation Toy Warning bewusst. Warum es so lange gedauert hat? Ich fand mich nicht auf Anhieb in dieser Musiklandschaft zurecht und so habe ich das Album beiseite gelegt und jahrelang nicht mehr gehört. Gekauft habe ich es damals, weil es in der Im Sumpf Jahreshitparade 2005 den 1. Platz belegt hat. Aber natürlich das Musikverständnis von Thomas Edlinger und Fritz Ostermayer ganz andere Liga als meine abgestumpfte Wahrnehmung, frage nicht.
Heute habe ich das Album wieder mal gespielt und ich war begeistert. In Wikipedia ist zu lesen, dass Flotation Toy Warning im kommenden Jahr ihr zweites Album veröffentlichen werden. Schon mal vormerken.

Funny van Dannen

Tuesday, September 29th, 2009

Seit ich nicht mehr regelmässig den fantastischen österreichischen Radiosender FM4 höre, stolpere ich nur noch selten über solche Highlights des Songwriting:

Funny van Dannen, ein Gigant. Kenne ich natürlich auch aus meiner FM4-Zeit, sein aktuelles Album damals hiess Herzscheisse. Ist jetzt auch schon einige Jahre hin. Ich habe irgendwo gelesen, dass van Dannen gelegentlich Songs schreibt für die Toten Hosen. Hoppla. Sein eigenes Zeug ist aber bedeutend lustiger. Wer sonst könnte einen Song verfassen mit dem Titel Lesbische schwarze Behinderte.
Oder den da:

Gurtenfestival 2009 – Donnerstag

Friday, July 17th, 2009

Eigentlich wollte ich mich dem Lärm auf dem Berg nur am Samstag aussetzen, doch durch einen glücklichen Zufall hat mir Thomas Reufer im Tausch gegen einen Samstagspass einen 4-Tages-VIP-Pass überlassen (wofür ich ihm an dieser Stelle nochmals recht herzlich danken möchte). Thomas und Chrigu sind die Hoffotografen des Festivals, wer sich von ihrer Kunstfertigkeit überzeugen möchte, kann sich mal unter www.konzertbilder.ch umschauen. Man beachte, dass die Bühnenbilder mit Band auf dem Gurten offenbar exklusiv dem Veranstalter zur Verfügung gestellt werden und deshalb auf den Aufnahmen nur die Fans zu sehen sind, aber dafür gibts einige Luftaufnahmen aus Jimy Hofers Helikopter.
Nun, ich also mit VIP-Pass unterwegs, was mich quasi zu allem berechtigt, wovon ich allerdings keinen Gebrauch mache, denn: auf dem Boden bleiben, nicht gleich übertreiben. Denkbar knapp habe ich es zum Franz Ferdinand Konzert um 23:15 geschafft. Wer sie nicht kennt: Franz Ferdinand, eine geradezu bezaubernde schottische Band aus Glasgow, Gitarrenmusik, werden dem sogenannten Britpop zugeschrieben. Es wurde berichtet, dass sie eine hervorragende Live-Band sein sollen und wer das behauptet hat, der hat recht. Nicht viel Gequatsche, sondern feine Musik durch die Verstärker strömen lassen. Sympathische Männer, die auch mal auf den Verstärker steigen, dem Drummer zu Hilfe eilen und auf seine Trommeln einschlagen, ekstatisch auf der Bühne toben und selbst dem bemitleidenswertesten Gesangsversuch des Publikums etwas Gutes abgewinnen.
Ein blendendes Konzert einer wunderbaren mitreissenden Band. Das beste, was ich auf dem Berg je gesehen habe. Dies zu überbieten wird am Samstag sogar Razorlight nicht einfach fallen.
Mit dem Ende des Konzert geschah dann, was auf dem Gurten am Ende der Konzerte britischer Bands immer geschieht: es begann zu regnen. Also schnell weiter zur Zeltbühne, wo die norwegische Band Röyksopp elektronische Musik präsentierte. Nicht so mein Ding, aber war auch schön.
Bei leichtem Nieselregen runter vom Bern, Donnerstag war um.

Mando Diao – Give Me Fire!

Tuesday, July 7th, 2009

Ach ja, die Platten von Mando Diao gibts jetzt auch im ex libris zu kaufen. Man ist im Mainstream angekommen. Schade eigentlich, damit haben wir eine weitere potenziell grossartige Band verloren. Andererseits muss man auch festhalten: gäbe es keinen ex libris, an dem ich heute vorbei spazierte, hätte ich nicht erfahren, dass es eine neue Platte von Mando Diao gibt. Gekauft, kurz reingehört, hat mich nicht vom Hocker gehauen, und doch habe ich einige Songs entdeckt, die mich länger begleiten könnten. Ich bleibe dran.

Album des Jahres 2008

Saturday, January 24th, 2009

aufstiegfallgruppesport

Spät im Jahr 2008 entdeckt, aber als ausgesprochen gut empfunden: Aufstieg und Fall der Gruppe Sport der Band Sport aus Hamburg. Das Album erschien zwar bereits im Jahr 2006, ich habe es aber erst Ende 2008 aufgestöbert, was für meine Beurteilung massgeblich ist. Nochmals: entscheidend ist nicht, wann das Album erschien, sondern, wann ich es entdeckt habe. Und das kann bisweilen Jahre dauern.
Ich liebe Bands aus Hamburg. Vielleicht ist es die Nähe zur Nordsee, die sie Demut, Bescheidenheit und Hellsicht lehrt (was mich daran erinnert, wieder mal nach Hamburg zu reisen, um den Blick über die See schweifen zu lassen und mir einen lange gehegten Traum zu erfüllen: St.Pauli gucken).
Die Gruppe Sport macht schöne unaufgeregte Gitarrenmusik. So muss es sein.
Deshalb: Rauf auf den Thron! Mein Album des Jahres 2008.

Animal Collective

Saturday, January 10th, 2009

Ostermayer und Edlinger haben wieder mal den Weg zum Licht gewiesen. Seit 24h bin ich von diesem Song

dieser Band

animalcollective1

fasziniert.

Im Sumpf Jahreshitparade 2003 – 2008

Wednesday, January 7th, 2009

Der grossartige österreichische Radiosender FM4 strahlt jeden Sonntag die unterhaltsame Sendung Im Sumpf aus. Deren Moderatoren und geistige Väter Fritz Ostermayer und Thomas Edlinger kredenzen zum Jahresende eine avangardistische Jahreshitparade mit Bands, wo du denkst: noch nie gehört. Da findet man immer wieder verborgene Schätze, aber dann auch wieder Klangwelten, wo du verständnislos den Kopf schüttelst und den Plattenspieler in die Ecke schmeisst.
Es folgt eine Auflistung der vergangenen sechs Jahre.

Die Sumpf Top 15 2008

  1. El Guincho – Alegranza!
  2. Buraka Som Sistema – Black Diamond
  3. Marnie Stern – This Is It And I Am It And You Are It And So Is That And He Is It And She Is It And That Is That
  4. TV On The Radio – Dear Science
  5. The Very Best – Esau Mwamwaya And Radioclit Are The Very Best
  6. Why? – Alopecia
  7. Fucked Up – The Chemistry Of Common Life
  8. Parts & Labor – Receivers
  9. The Bug – London Zoo
  10. Bon Iver – For Emma, Forever Ago
  11. Blaktroniks – Mechanized Soul
  12. Poni Hoax – Images Of Sigrid
  13. Thank You – Terrible Two
  14. Lykke Li – Youth Novels
  15. Flying Lotus – Los Angeles

Die Sumpf Top 20 2007

  1. Dark Meat – Universal Indians
  2. Phosphorescent – Pride
  3. Animal Collective – Strawberry Jam
  4. M.I.A. – Kala
  5. Cloud Cult – The Meaning Of 8
  6. Panda Bear – Person Pitch
  7. Von Südenfed Tromatic – Reflexxions
  8. Justice – +
  9. Githead – Artpop
  10. Dan Deacon – Spiderman Of Rings
  11. Jamie T. – Panic Prevention
  12. LCD Soundsystem – The Sound Of Silver
  13. The Good The Bad And The Queen – The Good The Bad And The Queen
  14. Sightings (ex äquo auf 13) – Through The Panama
  15. Burial – Untrue
  16. Pissed Jeans – Hope For Men
  17. Arcade Fire – Neon Bible
  18. Tocotronic – Kapitulation
  19. Robert Wyatt – Comicopera
  20. Okkervil River – The Stage Names

Die Sumpf Top 15 2006

  1. Beirut – Gulag Orkestar
  2. Parenthetical Girls – Safe As Houses
  3. Georgia Anne Muldrow – Olesi: Fragments Of An Earth
  4. ESG – Keep On Moving
  5. Two Gallants – What The Toll Tells
  6. Swan Lake – Beast Moans
  7. Carla Bozulich – Evangelista
  8. Leafcutter John – The Forest And The Sea
  9. The Walkmen – A Hundred Miles Off
  10. TV On The Radio – Return To Cookie Mountain
  11. Mountain Goats – Get Lonely
  12. Sandy Dillon Pull – The Strings
  13. Jarvis – Jarvis
  14. Benni Hemm Hemm – Same
  15. Lily Allen – Allright, Still

Die Sumpf Top 15 2005

  1. Flotation Toy Warning – Bluffer’s Guide To The Flight Deck
  2. Animal Collective – Feels
  3. M.I.A. – Arular
  4. Clap Your Hands Say Yeah – s/t
  5. LCD Soundsystem – s/t
  6. Jay Haze – Love For A Strange World
  7. Wolf Parade – Apologies To The Queen Mary
  8. Antony And The Johnsons – I Am A Bird Now
  9. The Books – Lost And Safe
  10. Dälek – Absence
  11. Nortec Collective – Tijuana Sessions Vol. 3
  12. Eno – Another Day On Earth
  13. Attwenger – dog
  14. Fuzzman – s/t
  15. Kammerflimmer Kollektief – Absencen

Die Sumpf Top 15 2004

  1. Arcade Fire – Funeral
  2. Gustav – Rettet Die Wale
  3. TV On The Radio – Desperate Youth, Blood Thirsty Babes
  4. Radian – Juxtaposition
  5. Naked Lunch – Songs For The Exhausted
  6. The Soundtrack Of Our Lives – Origin Volume 1
  7. Electrelane – The Power Out
  8. Michaela Melian – Baden-Baden
  9. Tom Waits – Real Gone
  10. Coco Rosie – Le Maison De La Reve
  11. Fennesz – Venice
  12. Aber Das Leben Lebt – Perfect Teen
  13. Morrissey – You Are The Quarry
  14. The Streets – A Grand Don’t Come For Free
  15. Broken Social Scene – You Forgot It In People

Die Sumpf Top 15 2003

  1. The Hidden Cameras – The Smell Of Our Own
  2. Animal Collective – Spirit They’re Gone Spirit They’re Vanished/Danse Manatee
  3. The Bug – Pressure
  4. I-Wolf – Soul Strata
  5. Black Dice – Beaches & Canyons
  6. Peaches – Fatherfucker
  7. Dizzee Rascal – Boy In Da Corner
  8. Cody Chesnutt – The Headphone Masterpiece
  9. Missy Elliott – This Is Not A Test
  10. Fog – Ether Teeth
  11. Hot Shit – The Sonic Mook Experiment
  12. Kaada – Thank You For Giving Me Your Valuable Time
  13. Wire – Send
  14. Matt Elliott – The Mess We Made
  15. T.Raumschmiere – Radio Blackout

Es fällt auf, dass alle drei Alben der Band TV On The Radio Eingang in diese Listen gefunden haben. Scheint eine aussergewöhnliche Kapelle zu sein. In meinem Notizbüchlein vermerken.

The Bangkok Five

Tuesday, October 7th, 2008

Ich war wieder mal im Plattenladen zu Besuch und obwohl sich die neue Lokalität in erstaunlich nüchterner Aufmachung präsentiert, so kann man sich doch weiterhin durch die grossartigsten Alben der Welt wühlen.
Bin über das Werk einer Band gestolpert, dir mir Kollega Lerch schon lange ans Herz gelegt hat: The Bangkok Five. Musikliebhaber Lerch, dem aggressiven Stromgitarrenspiel seit jeher freundschaftlich verbunden, hat nicht zu viel versprochen: Eine Band, ungestüm, wild, elektrisierend, dem Exzess verpflichtet. So muss es sein. Kurz: ein erstklassiges Album, was meinen Glauben (1) an das zeitgenössische Musikschaffen und (2) an Lerchs exzellenten Musikgeschmack bestärkt hat.
Also los: rausgehen, kaufen.