Tocotronic – Im Zweifel für den Zweifel

Im Zweifel für den Zweifel
Das Zaudern und den Zorn
Im Zweifel fürs Zerreißen
Der eigenen Uniform

Im Zweifel für den Zweifel
Und die Unfassbarkeit
Für die innere Zerknirschung
Wenn man die Zähne zeigt

Im Zweifel fürs Zusammenklappen
Vor gesamtem Saal
Mein Leben wird Zerrüttung
Meine Existenz Skandal

Im Zweifel für die Bitterkeit
Und meine heißen Tränen
Bleiern wird mir meine Zeit
Und doch muss ich erwähnen:

Im Zweifel für Ziellosigkeit
Ihr Menschen, hört mich rufen!
Im Zweifel für Zerwürfnisse
Und für die Zwischenstufen

Car Seat Headrest

Neue Methode entdeckt, um interessante Bands zu entdecken: bei Google “Best Albums 2016” eingeben. Eine Liste erscheint. Schon mal nicht schlecht. Aber interessant, man kann sogar das Genre und das Jahr auswählen, künstliche Intelligenz Hilfsausdruck. Also schnell Indie Rock anklicken und sich ansehen, was dabei rauskommt. Spätestens da zeigt sich, dass man von Musik wenig Ahnung hat. Lauter unbekannte Namen. Ein Jahr zurück. The Decemberists und Blur, immerhin, kompletter Gesichtsverlust knapp verhindert.

Es fällt auf, dass die Band Car Seat Headrest in diesem und letzten Jahr in den Top 10 vertreten ist (hat Substanz!), im Jahr 2016 sogar auf Platz 2 mit dem Album Teens of Denial. Kaufen die Platte. Volltreffer.  Die Gitarren schrummeln, es scheppert ganz schön, der Sänger raunt und krächzt. Geistiger Vater von Car Seat Headrest ist ein gewisser Will Toledo, in Insiderkreisen gewiss bestens bekannt. Die Band hat seit 2010 nicht weniger als 12 Alben (!) veröffentlicht. Eine wahre Produktionsflut und hohe Qualität obendrauf. Im Auge behalten.

Klaviermusik

War schon immer ein Fan des (improvisierten) Klavierspiels, seit dem Hidden Track auf der Pennywise “Full Circle” CD von 1991, vorgetragen von Ronnie King.

Danach folgten Keith Jarrett, Glenn Gould und andere.

Heute zufällig über den jungen deutschen Musiker und Komponisten Nils Frahm gestolpert.

Kostprobe: sein Konzert letztes Jahr am Montreux Jazz Festival.

Lemmy *Applaus*

Heute Nacht habe ich zufälligerweise Lemmys Memorial Service and Celebration mitverfolgt, nachdem ich entsprechende Hinweise im Internet gefunden habe und die Müdigkeit mich nicht in ihre Arme schloss.

Die Übertragung hat 2h gedauert und ich habe verstanden, wie eine solche Veranstaltung funktionieren muss. Es war einem Gedenkgottesdienst nicht unähnlich, in einer Kirche, aber ohne Pfarrer, sondern mit Freunden und Weggefährten, die Geschichten über Lemmy erzählten: ihre ersten Begegnungen, unvergessliche Erlebnisse, bizarre Situationen wurden geschildert, Gedichte wurden vorgetragen, Witze gerissen. Das volle Leben.

Slash war da, Metallica waren da, Dave Grohl war da und viele andere, Unbekanntere, die Lemmy durch sein Leben begleitet haben. Manchmal war es traurig, aber meistens war es ziemlich witzig. Es wurde mehr gelacht als geweint. Die Redner*innen haben nicht Lemmys Tod betrauert, sondern sein Leben gefeiert. Das hätte ihm bestimmt gefallen. So muss eine Abdankungsfeier aussehen.

Chapeau.

The GO’s

Bei Aufräumarbeiten in der Küche über einen Flyer von Les Hivernales 2014 gestolpert.

Wir waren noch nicht lange in Nyon, als ich an einem Sonntagnachmittag in Begleitung meiner Schwester den Gestaden des Genfersees entlangschlenderte und wir zufällig bei der Villa Niedermeyer vorbeikamen, auf deren Balkon das DJ Duo The GO’s ihr Set ablieferte, um damit Les Hivernales zu beschliessen. Sonnenschein und genau mein Musikgeschmack: chilliger Indie-Rock. Also setzten wir uns auf eine Steinmauer, blickten zufrieden auf den See und erfreuten uns der musikalischen Unterhaltung.

Um den Namen dieser DJ-Giganten nicht zu vergessen, habe ich den Flyer aufbewahrt. The GO’s. Eine kurze Internetrecherche hat ergeben, dass sie unterdessen von der Bildfläche verschwunden sind. Alles, was ich finden konnte, war ein Anlass im Oktober 2013:

The GO’s et leur légendaire fraîcheur, leur poil soyeux et leur goût exquis en matière de groove rock animeront un brin cette a priori triste soirée automnale. Ce qui, en somme, noud donne un épique programme de débauche auquel on ne dira pas non, mais bien plutôt s’il-vous-plaît, je reprendrais bien une tranche de Led Zeppelin, de QOTSA, ou même de Wolfmother.

Die Besten gehen stets zu früh. Im Februar ist wieder Les Hivernales. Vielleicht die Zeit, neue Giganten zu entdecken.

Neue Musik

Zuerst zufällig über die Band Kraftklub gestolpert. Energiegeladene kraftstrotzende Indie-Rock Gitarrenmusik mit politischer Botschaft, genau mein Ding.

Nachgeschaut im Internet, wann und wo die Kapelle in der Schweiz spielt. St. Gallen Openair im Juni. Am selben Tag spielt am selben Festival eine andere deutsche Band: AnnenMayKantereit. Sperriger Name, ganz andere Richtung: sanfter Pop-Rock.

Zurück auf Youtube, dieses Video ausgegraben:

Ich mag Klavier und ich mag seine aussergewöhnliche Stimme.

Offenbar haben beide Bands bereits ihre Visitenkarten bei Circus Halligalli abgegeben. Das zeigt, dass da eine gewisse Übereinstimmung mit meinem Musikgeschmack vorliegt. Keine Ahnung, wie ich das bewerten soll.

Logitech z200

Neil Young hasst mp3. Deshalb hat er das Pono-Projekt gestartet: ein Player für unkomprimierte digitale Musik. Jetzt sagt aber Prof. Karlheinz Brandenburg, Miterfinder des mp3 Formats, dass Neil Young keine Ahnung hat, denn bei einer Bitrate von >= 256kbit ist es auch für trainierte Ohren kaum möglich, einen Unterschied zu unkomprimierter Musik zu hören. Und Brandenburg weiter: ein messbarer Unterschied machen nicht die Formate, sondern die Kopfhörer und Lautsprecher aus.

Da ging mir ein Licht auf. Deshalb raus aus der Wohnung und rein in den Interdiscount, für weniger als 40 Fränkli den Logitec z200 gekauft: Lautsprecher für den Schreibtisch. Was soll ich sagen: ein Traum für ungeübte Ohren wie die meinen. Da klingt die japansiche Post-Rock Band Mono in 256kbit mp3 wie das reinste Orchester im Konzertsaal.

 

Mono

In einer Musikbesprechung des Spiegels, in der die japanische Band Mono und ihre Alben The Last Dawn und Rays of Darkness über den grünen Klee gelobt werden, taucht folgendes bemerkenswerte Ingeborg Bachmann Zitat auf:

Aber in der Nacht und allein entstehen die erratischen Monologe, die bleiben, denn der Mensch ist ein dunkles Wesen, er ist nur Herr über sich in der Finsternis und am Tag kehrt er zurück in die Sklaverei.

Ein Satz wie ein Faustschlag. Eines dieser Alben muss her (Genre: Post Rock).