Fazit 2016

Brexit, Trump, usw. Das Jahr in einem Bild:

Jetzt musst du stark sein.

Ein schockierendes Bild hat sich in meine Gedächtnis gebrannt. Es zeigt den 5-jährigen Omar Daqneesh nach einem Bombenangriff in Aleppo. Er sitzt im Ambulanzwagen, weint nicht, schreit nicht, sitzt bloss da, wischt sich das Blut aus dem Gesicht und wartet.

Das ist also die Scheisswelt, in der wir leben.

Das schreibt sich einfach, in einer beheizten Wohnung sitzend, in einer ruhigen Gegend, in einem politisch stabilen Land.

Ich habe keine Ahnung, wovon ich spreche.

Yoshua Bengio, ein Mann mit Prinzipien

Yoshua Bengio ist neben Jeffrey Hinton, Yann LeCun und Andrew Ng einer der Begründer der Deep Learning Revolution, welche die Grundlage des momentanen AI Hypes bildet.

LeCun ist unterdessen bei Facebook, Ng bei Baidu und Hinton bei Google. Alle dem Geld erlegen. Nicht so Bengio. Er liess sich trotz der gebotenen Millionen nicht von der Universität Montreal weglocken. Seine Arbeit wird zwar teilweise von grossen Konzernen (Google, IBM, Samsung) gesponsert, er lässt sich aber nicht in seine Forschung rein quatschen. Bei Einflussnahme durch die Geldgeber werden die Geschäftsbeziehungen sogleich eingestellt. Der Mann ist ein Freigeist und will unabhängig bleiben. Hier seine entwaffnend idealistische Begründung:

That’s who I am, that’s the choice I made that fits with my values, and I don’t need to get the millions, I’m fine. My salary is very good, and I care more about how what I can do could have a positive impact for science, humanity, and for training the next generation [of researchers].

Blaise Pascal und die Psychologie

Blaise Pascal war nicht nur ein grosser Mathematiker, Physiker und Philosoph des 17. Jahrhunderts, sondern, wie sich jetzt zeigt, auch ein weitsichtiger Psychologe. Er erkannte vor 350 Jahren, was kürzlich durch psychologische Experimente bestätigt wurde: bevor du jemandem seine Fehler vorhältst, zeige ihm zuerst, in welchen Punkten er recht hat. Lass ihn dann seinen Fehler selber entdecken. In Pascals eigenen Worte:

Quand on veut reprendre avec utilité et montrer à un autre qu’il se trompe, il faut observer par quel côté il envisage la chose, car elle est vraie ordinairement de ce côté-là et lui avouer cette vérité, mais lui découvrir le côté par où elle est fausse. Il se contente de cela car il voit qu’il ne se trompait pas et qu’il y manquait seulement à voir tous les côtés. Or, on ne se fâche pas de ne pas tout voir, mais on ne veut pas être trompé, et peut-être cela vient de ce que naturellement l’homme ne peut tout voir, et de ce que naturellement, il ne se peut tromper dans le côté qu’il envisage, comme les appréhensions des sens sont toujours vraies.

Frankreichurlaub in Getränken

Folgende bekömmlichen Getränke habe ich während des Urlaubs entdeckt, beziehungsweise wurden mir von Laures Vater zur Degustation gereicht:

  • Loupiac: Dessertwein, ähnlich wie Sauternes, aber noch einen Tick besser
  • Maury: was Porto-ähnliches aus den französischen Pyrenäen
  • Byrrh: ein Aperitif, im wesentlichen Rotwein mit Gewürzen. Kommt ebenfalls aus den französischen Pyrenäen
  • Bavaria alkoholfrei: niederländisches Bier. Köstlich an einem heissen Nachmittag.
  • Grimbergen: belgisches Bier der Extraklasse

Pro Jugend

Verscherze es nicht mit den Jungen. Schneller als du denkst, werden sie die Welt übernehmen und dann kannst du bloss hoffen, dass sie dir die Rente bezahlen werden.

Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass die Jungen die Welt an sich reissen, bevor wir sie überhaupt in die Finger bekommen haben, quasi Prinz Charles Situation.

Deshalb ich immer: Pro Jugend.

Der Doppelgänger

Es soll Leute geben, die nicht erkennen, wenn ihnen jemand ähnlich sieht. Trifft auf mich nicht zu. Nach dem DSI-Triumph letzten Sonntag jubelte die Operation Libero und mit ihr ein Mann, der aussieht wie ich vor 10 Jahren (und der wie sich herausstellte heute ungefähr so alt ist wie ich vor 10 Jahren). Hier das Foto:

libero

Einen Tag später wurde ich von unerwarteter Seite sogar darauf angesprochen (“Du wurdest auf der Titelseite der Basler Zeitung gesichtet”). Ich lächelte milde.

Aber jetzt mal nachgeschlagen: der Bursche heisst Dominik Elser, seines Zeichens Co-Präsident der Operation Libero und Staatsrechtler.

Iglu

Im Februar 2015 zimmerten eine Handvoll Softwareentwickler ob Boltigen zwei Iglus in den Schnee, übernachteten darin (oder unter freiem Himmel), und begaben sich am darauffolgenden Tag auf eine kleine Schneeschuh-Wanderung. Ein fantastisches Wochenende, insbesondere die Nacht in einem Militärschlafsack bei 3 Grad Iglu-Innentemperatur wird in Erinnerung bleiben (war nicht mal kalt, abgesehen von der Gesichtsfläche).

Herr Reufer hat das Ergebnis fotografisch festgehalten. Die Bilder sind mir gestern wieder in die Hände gefallen. Eine kleine Auswahl.

Iglu Boltigen

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Lemmy *Applaus*

Heute Nacht habe ich zufälligerweise Lemmys Memorial Service and Celebration mitverfolgt, nachdem ich entsprechende Hinweise im Internet gefunden habe und die Müdigkeit mich nicht in ihre Arme schloss.

Die Übertragung hat 2h gedauert und ich habe verstanden, wie eine solche Veranstaltung funktionieren muss. Es war einem Gedenkgottesdienst nicht unähnlich, in einer Kirche, aber ohne Pfarrer, sondern mit Freunden und Weggefährten, die Geschichten über Lemmy erzählten: ihre ersten Begegnungen, unvergessliche Erlebnisse, bizarre Situationen wurden geschildert, Gedichte wurden vorgetragen, Witze gerissen. Das volle Leben.

Slash war da, Metallica waren da, Dave Grohl war da und viele andere, Unbekanntere, die Lemmy durch sein Leben begleitet haben. Manchmal war es traurig, aber meistens war es ziemlich witzig. Es wurde mehr gelacht als geweint. Die Redner*innen haben nicht Lemmys Tod betrauert, sondern sein Leben gefeiert. Das hätte ihm bestimmt gefallen. So muss eine Abdankungsfeier aussehen.

Chapeau.