Metaphysisches Kribbeln

Als ich vor vielen Jahren in Zürich studierte, reiste ich regelmässig über das Wochenende nach Solothurn und kehrte jeweils am Sonntag Abend zurück in die Stadt des Geldes. In der Bahnhofshalle stand sie dann jeweils, Frieda Bühler, der Engel vom Hauptbahnhof, an ihren Rollstuhl gelehnt, die Vorbeiströmenden segnend.

2005 verliess ich Zürich, kehrte selten zurück und so habe ich nicht bemerkt, dass auch Frieda Bühler irgendwann ihren Platz im Hauptbahnhof räumte und verschwand. Viele Jahre habe ich nicht mehr an sie gedacht, bis vor einigen Tagen, als ich mich an sie erinnerte, unverhofft, ohne besonderen Anlass.

Heute lese ich in der Zeitung, dass sie am 9. Juni 2018 verstorben ist. Seltsam, es könnte der Tag gewesen sein, an dem ich an sie dachte.

Federer. Was soll man da noch sagen.

19. Grand Slam Titel, 8. Wimbledon Triumph. Als moderater Tennisfan sind wir nun geradezu gezwungen, jeden weiteren Federer-Grand-Slam-Final live mitzuverfolgen, denn einen grösseren Spieler werden wir in diesem Leben nicht mehr zu Gesicht bekommen und man will schliesslich sagen können: Ich war dabei, als er seinen letzten grossen Titel gewonnen hat. Natürlich.

Oder wie die Kommentatoren der BBC treffend formulierten, als Federers Söhne Leo und Lenny nach dem Match in die Box gebracht wurden, um die Siegerehrung mitzuverfolgen (was ihn kurz aus der Fassung brachte): “to watch the old man play a bit of tennis on a Sunday afternoon.”